Fotokunst Alexander Jennewein rettet Blitze vor der Vergessenheit

Bad Ditzenbach / Ruben Wolff 11.07.2017
Der Fotograf Alexander Jennewein liebt die Natur, vor allem aber ihre düstere Schönheit, wenn sich Gewitter am Himmelszelt zusammenbrauen. Die GZ stellt ihn vor.

Alexander Jennewein liebt es, wenn die Natur zum Künstler – und der Horizont zu ihrer Leinwand wird. Mit seiner Fotokamera heftet sich Jennewein an Blitze, die den Himmel für einen Moment spalten, ehe sie in die Vergangenheit entschwinden. Er hält sie auf einem Foto fest und rettet sie damit vor dem Vergessen.

Für den 37-Jährigen ist es Wahrheit und damit unwiderlegbar: „Die Natur ist ein Künstler.“

Als Fotograf hält er Momente wie diese fest. Immerhin ist die Natur eine verschwenderische Künstlerin, die von sich aus keine Gemälde für die Nachwelt schafft. Jennewein zeichnet sie deswegen für sie auf. Er schaut sich täglich Wetterberichte an. Er nutzt verschiedene Apps für sein Smartphone und surft durch das Internet. „Wenn eine interessante Wetterlage entsteht, bin ich quasi ständig dabei, das Wetter zu beobachten.“

Verlassen kann er sich dabei auch auf einen guten Freund: Markus Duwe, ein Hagelpilot. „Er hat eine bessere Übersicht über die aktuelle Wetterlage und gibt mir immer Tipps, wo sich was entwickeln könnte oder gerade schon entwickelt.“

Natur und Fotografie sind in Jenneweins ästhetischem Selbst durch Leidenschaft verbunden. Doch es ist vor allem die düstere Majestät von Blitzen und Unwettern, die ihn anzieht. Wenn dunkle Wolkenformationen das Himmelszelt bedecken, wenn Sonnenstrahlen wie Säulen aus Licht durch die Wolkendecke brechen, oder wenn ein Chor aus Blitzen durch das Firmament donnert und es erzittern lässt. So etwas liebt der 37-Jährige. „Die dramatischen Wolken, die Blitze, die Lichtwechsel – ein blauer Himmel ist für mich als Natur- und Landschaftsfotograf dagegen langweilig.“ Seine Augen funkeln vor Begeisterung, wenn er über seine Arbeit spricht. Seltsamerweise steht das im Kontrast zu seiner meist entspannten Körperhaltung.

An der Natur fasziniert ihn, wie sie sich entwickeln kann, wie unberechenbar sie ist. Er mag ihre Wildheit und Verspieltheit. Das bedeutet allerdings nicht, dass er sich waghalsig in ein Unwetter stürzen würde. Er bewegt sich lieber am Rand der Naturgewalt. „Ich riskiere nicht zu viel für ein gutes Bild. Eigenschutz geht immer vor.“ Würde er in ein Katastrophengebiet kommen, würde er die Kamera zur Seite legen. „Dann will ich helfen und das Fotografieren wird zweitrangig“, sagt Jennewein, der seit vielen Jahren ehrenamtlich bei der Feuerwehr in Bad Ditzenbach tätig ist. Aus beruflichen Gründen unterstützt er diese aber derzeit eher im Hintergrund, indem er die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt oder Bilder für einen Kalender schießt.

Ihn unterscheide viel von einem echten Sturmjäger. „Ich habe nicht die meteorologischen Kenntnisse, die ein klassischer Sturmjäger hat.“ Außerdem sei sein „Jagdgebiet“ begrenzt. Jennewein fühlt sich in seiner Heimat wohl. Hauptsächlich bewegt er sich über die Schwäbische Alb. Dort sind die Orte, die er spontan anfahren kann, um Bilder zu machen. Ihm fehle außerdem die Vernetzung mit verschiedenen Wetterdiensten, um wirklich als Sturmjäger durchzugehen.

Seit Anfang vergangenen Jahres arbeitet Jennewein als selbstständiger Fotograf. Er hat ein eigenes Studio in seinem Heimatort Bad Ditzenbach (“Ich bin ein Eingeborener“, sagt er stolz). Spezialisiert hat er sich auf die Industrie-, Menschen- und Reportagefotografie. Mittlerweile beliefert er auch schon seit fast zwei Jahren unsere Zeitung mit Bildern. Er habe damals einen Anruf von GZ-Chef-Fotograf Markus Sontheimer bekommen, dessen Arbeiten er „schon immer bewundert“ habe. „Sontheimer hatte mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Da war ich natürlich sehr stolz und habe sofort zugesagt.“

Für die Zeitung fotografiert der freie Fotograf alles, was anfällt. Doch hin und wieder sorgt er mit seinen Unwetter-Fotos für sogenannte Schmuckbilder in der Zeitung. In solchen Fällen war er wieder draußen gewesen und hatte in das Antlitz stürmischer Himmel geblickt. „Es geht mir nicht um Sensationslust“, betont er. Es geht ihm nur um die erhabene und wilde Schönheit der Natur.

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