Schulen Akuter Engpass bei Grundschullehrern im Kreis

Unterricht an einer Göppinger Grundschule. Für das am Montag beginnende Schuljahr fehlt es mancherorts noch an Pädagogen.
Unterricht an einer Göppinger Grundschule. Für das am Montag beginnende Schuljahr fehlt es mancherorts noch an Pädagogen. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / ARND WOLETZ 09.09.2016
Zum Schuljahresbeginn wird es im Kreis Göppingen noch an Lehrern vor allem für Grundschulen fehlen. Auch an Sonderschulen herrscht ein Engpass.

Am kommenden Montag graben Tausende Kinder im Landkreis die verstaubten Schulranzen aus dem Schrank. Dazu kommen 2081 Abc-Schützen, die zum allerersten Mal Schulluft schnuppern. Vor allem an Grundschulen herrscht jedoch vier Tage vor Schuljahresbeginn an vielen Orten noch Lehrermangel. Nach aktuellem Stand könne an etwa zehn Schulen im Landkreis Göppingen erstmals auch der Pflichtbereich nicht mehr sicher abgedeckt werden, bestätigte am DonnerstagJörg Hofrichter, Chef des Staatlichen Schulamts Göppingen. Vor allem an Grundschulen in ländlichen Bereichen sei der Mangel spürbar. „So heftig ist es zum ersten Mal“, sagt Hofrichter, dessen Behörde für die Grund-, Werkreal-, Gemeinschafts-, Real- und Sonderschulen in drei Landkreisen zuständig ist.

An diesen Schularten im Kreis Göppingen werden 58 neue Lehrer anfangen, davon elf im Grund- und Hauptschulbereich. Das reicht aber nicht aus. Die Gründe für den Personalmangel sind laut Hofrichter vielfältig: Der Lehrerberuf sei sehr familienfreundlich und viele junge Kolleginnen werden schwanger. Viele ältere Pädagogen sind ausgeschieden. „Eine ganze Lehrergeneration geht in den Ruhestand“, erklärt der Amtsleiter. Die Zahl frisch ausgebildeter Pädagogen flache hingegen ab.

Vor allem habe sich aber auch der Bedarf an Lehrern enorm erhöht: durch zusätzliche Poolstunden an den Realschulen genauso wie an den Gemeinschaftsschulen. Dazu kommt mehr Sprachförderung an den Grundschulen und zusätzlicher Regelunterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik. So kommt es, dass zwar die Zahl der Lehrerstellen wie im ganzen Land Baden-Württemberg deutlich gestiegen ist, es mangele aber an Bewerbern. Problematisch sei die Lage auch an den Sonder- und Förderschulen, wo kaum eine Stelle im Schulamtsbezirk besetzt werden konnte.

Die Schulräte im Staatlichen Schulamt Göppingen, das auch für die Landkreise Heidenheim und Ostalb zuständig ist, setzen alle Hebel in Bewegung, um die Löcher zu stopfen: Lehrer, die in Teilzeit arbeiten, werden angesprochen, ob sie ihr Deputat erhöhen können, berichtet Jörg Hofrichter. Fördergruppen werden zusammengelegt, um Luft für den Pflichtunterricht frei zu bekommen. Außerdem werde versucht, Pädagogen, die sich eigentlich bereits in den Ruhestand verabschiedet haben, zu reaktivieren. Einzelne Lehrer werden an andere Schulen abgeordnet, wenn sie einverstanden sind. Eines stellt Hofrichter klar: Der Lehrermangel bedeute nicht, dass in der kommenden Woche regulärer Unterricht ausfallen wird. Dieses Schreckensszenario sei „das allerletzte Mittel“. Die Behörde arbeite händeringend an Lösungen.

Schulamtsleiter Hofrichter betont auch, dass ein Zusammenhang mit der stets steigenden Zahl der Vorbereitungsklassen nicht bestehe. In diesen Klassen  werden Kinder, die frisch nach Deutschland gekommen sind, sprachlich auf den Regelunterricht vorbereitet. 44 solcher Klassen gibt es mittlerweile im Landkreis Göppingen – an allen Schularten. Das dort eingesetzte Personal sei aber keinesfalls von Regelklassen abgezogen worden, erklärt Hofrichter.

Flexible Lösungen sind gefragt. „Uns fällt immer wieder etwas ein“, sagt Schulrat Roland Dangelmaier. Es ergebe sich deshalb auch täglich ein neues Bild.  Nächste Woche wird sich dann zeigen, wo die Personaldecke noch Lücken hat und wie schnell sie geschlossen werden können.