Bad Überkingen Saloniker bringen Wassermusik und Regen mit

Mit Wassermusik und Regen zu Gast im Kurpark: Die Stuttgarter Saloniker unter der Leitung von Patrick Siben.
Mit Wassermusik und Regen zu Gast im Kurpark: Die Stuttgarter Saloniker unter der Leitung von Patrick Siben. © Foto: Markus Sontheimer
Bad Überkingen / Von Bettina Verheyen 06.07.2018
Zu ihrem ersten Auftritt in Bad Überkingen brachten die Stuttgarter Saloniker ihr Wassermusik-Programm mit. Ironischerweise machte auch das Wetter mit: Es regnete.

Klänge, die einst einem König zur Ehre gereichten, waren am Donnerstagabend im Bad Überkinger Kurpark zu hören.  Dort gastierten die Stuttgarter Saloniker und brachten unter anderem Georg Friedrich Händels „Wassermusik“ zu Gehör. Und mit dieser hatte der Komponist (1685–1759) seinerzeit den englischen König Georg I. bei dessen Lustfahrten auf der Themse unterhalten.

Schon damals standen die Musiker vor der Aufgabe, das Stück im Freien zu präsentieren, mindestens eine Aufführung auf dem Wasser ist dokumentiert.  Bei dieser sollen allerdings 50 Instrumente zum Einsatz gekommen sein – Patrick Siben, der Gründer, Leiter und Pianist der Stuttgarter Saloniker hatte am Donnerstag nur drei Streicher und einen Bläser um sich geschart. Und er hatte zusätzlich erschwerte Bedingungen, weil es ausgerechnet bei seinem ersten Auftritt in Bad Überkingen regnete.

Anstatt gemütlich auf der Wiese im Kurpark zu lagern, saß das spärlich erschienene Publikum unter den großen Sonnenschirmen rund um die Tanzfläche und hatte nicht nur die Werke im Ohr, die Siben für sein Wassermusik-Programm ausgewählt hat, sondern auch das unermüdliche Regengeprassel.

Nicht, dass sich irgend jemand von den Erschienenen davon die Stimmung hätte vermiesen lassen. Am wenigsten Siben selbst, der die Zuhörer mit extra lauter Stimme von der überdachten Bühne aus über das Programm informierte – außer Händels „Wassermusik“  waren im ersten Teil „Funiculì, Funiculà“ zu hören ­(auch bekannt mit dem Nonsens-Text „Schaug hi, da liegt a toter Fisch im Wasser“), der Walzer „Sur la plage“ des Elsässer Komponisten Emile Waldteufel und „Die Matrosen“ von Friedrich Freiherr von Flotow.

Auch erfuhr das Publikum von Siben einiges über die Salonmusik: warum und wie sie sich im 19. Jahrhundert entwickelt hatte.

In der Pause tat Siben genau das, was er angekündigt hatte: Er ging herum, plauderte mit seinem Publikum und plünderte deren Picknickkörbe. Das kam bei den Gästen sehr gut an, und Siben kam dabei sehr gut weg: hier ein Schlückchen Sekt, dort ein Bissen Herzhaftes, dort etwas Süßes hintendrein.

Der zweite Programmteil war Venedig und der Gondelmusik gewidmet. Zu diesem Zeitpunkt hatte es immerhin aufgehört zu regnen. Wenn auch die Temperaturen so gar nicht an eine laue Nacht in Italien denken ließen, ließen sich die Zuhörer doch gern von den Salonikern zumindest musikalisch in den Süden entführen.

Bevor ihr Auftritt mit dem sehr bekannten „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jaques Offenbach endete, präsentierten die Musiker „einen echten Sampler aus dem 19. Jahrundert“, wie es Siben ausdrückte: In einer 16-minütigen Fantasie-Selektion waren die eingängigsten Melodien aus Johann Strauß‘ Operette „Eine Nacht in Venedig“ zu hören. „Auf Wiederhör‘n“, sagte Siben zum Schluss und meinte es auch so. Der Leiter der Stuttgarter Saloniker möchte in Bad Überkingen gern eine Saloniker-Tradition einführen. Gerne mit weiteren „Wassermusik“-Auftritten und gerne bei besserem Wetter.

Das Publikum bestätigte ihn mit seinem Applaus und bekam für den Nachhauseweg noch einen Ohrwurm mit – vom Schwan aus dem „Karneval der Tiere“.

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