Historie Ahnenforschung verbindet über die Kontinente

Ein Quilt für Heiningen: Kathy Bonnell (re.) überreicht Bürgermeister Norbert Aufrecht die selbstgefertigte Steppdecke. Mit Gudrun Klose (li.) verbindet sie die Ahnenforschung.
Ein Quilt für Heiningen: Kathy Bonnell (re.) überreicht Bürgermeister Norbert Aufrecht die selbstgefertigte Steppdecke. Mit Gudrun Klose (li.) verbindet sie die Ahnenforschung. © Foto: Inge Czemmel
Heiningen / Inge Czemmel 12.09.2018

Besuch aus den USA hatten die Heininger Ahnenforscher, die 2015 das Heininger Ortfamilienbuch vorstellten. Dafür hatten sie auch die Datenbank der Amerikanerin Kathy Bonnell genutzt, die nun mit zwei Brüdern, einer Schwester und einem Neffen nach Deutschland kam, um auf den Spuren der Ahnen zu wandeln. Zudem wollte Kathy Bonnell die Menschen im Kreis Göppingen kennenlernen, mit denen sie wegen der Ahnenforschung in Korrespondenz stand. Kathy Bonnell schreibt nämlich seit fast drei Jahrzehnten von Mikrofilmen die Kirchenbücher des Kreises Göppingen ab und führt sie in einer Datenbank zusammen.

Ohne jegliche Deutschkenntnisse hat sie sich in die Materie eingearbeitet und gelernt, die in Sütterlin und oft origineller Handschrift der Pfarrer verfassten Eintragungen zu lesen und zu entziffern. Über 400 000 Namen hat sie bereits erfasst und nennt damit eine der größten Ahnenforscherdateien weltweit ihr eigen.

Viele Ahnenforscher haben bei der  Suche nach ihren Vorfahren im Kreis Göppingen Kathy Bonnells Datenbestand genutzt. Auch die Verfasser des Heininger Ortsfamilienbuches griffen teilweise darauf zurück oder nutzten sie zur Gegenprüfung.

Gudrun Klose, die maßgeblich an der Erstellung Buches beteiligt war, in dem alle Heininger Familien, die in den Kirchenregistern ab 1575 festgehalten sind, erzählte bei dem Treffen, wie es zu dem Kontakt mit Kathy Bonnell kam: „Hans Fendt aus Eschenbach, der, als wir vor zehn Jahren begannen, schon einen Internetanschluss hatte, berichtete uns von einer Amerikanerin namens Bonnell, die bereits viele Familiendateien aus Heiningen und Umgebung ins Netz gestellt habe.“

Daraufhin zogen Gudrun Klose, Hans Müller und Siegfried Wittlinger die Daten von Kathy Bonnell bei der Erfassung der Tauf-, Heirats- und Sterberegister gerne zu Rate. Speziell bei schwierigen und schlecht leserlichen Passagen war ihre Interpretation oft hilfreich. „Allein von Heiningen hat Frau Bonnell 11 660 Personen erfasst“, berichtete Klose und erzählte weiter: „Bis vor eineinhalb Jahren hatten wir keinen direkten Kontakt mit Kathy. Dann hat sie unser Ortsfamilienbuch im Netz entdeckt und mit uns E-Mail-Kontakt aufgenommen. Sie schrieb, sie habe schon viele gesehen, aber unseres sei das Beste. Der Druck sei klar und gut zu lesen und die von Horst Traub gesammelten und zur Verfügung gestellten Familienfotos finde sie fantastisch.“

Es kam zu einem regen E-Mail-Kontakt und Austausch. Die Heininger Ahnenforscher erfuhren, dass Vorfahren von Kathy Bonnell aus Bartenbach stammten und das Forschen nach ihren eigenen Wurzeln, die Leidenschaft ausgelöst hatte, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Da Kathy auch mit anderen Ahnenforschern im Kreis in Kontakt war und sie einmal die Heimat der Vorfahren sehen wollte, entstand irgendwann die Idee für den Besuch.

Horst Traub fuhr die Gäste aus Amerika an verschiedene Orte, in denen ihre Vorfahren geboren wurden oder gelebt haben. Beispielsweise nach Holzheim, wo ihre Ururururgroßeltern Georg Blessing und Elisabeth Közle im Januar 1762 die Ehe schlossen oder nach Bartenbach, wo die Ururgroßeltern heirateten und lebten.

Kathy Bonnell bekam darüber hinaus Gelegenheit, ein echtes Kirchenbuch zu sehen und das Göppinger Stadtarchiv zu besuchen. Im Heininger „Starennest“ traf sie mit Menschen zusammen, mit denen sie bisher nur schriftlich korrespondiert hatte, und wurde von Bürgermeister Aufrecht begrüßt. Der Schultes hat die rührigen Heininger Ahnenforscher stets nach seinen Möglichkeiten unterstützte. Er überreichte einen Heininger Star aus Keramik und wurde selbst reich beschenkt. Neben kleinen Gaben aus all den Bundesstaaten, in denen die Gäste in den USA leben, durfte er sich über einen Quilt mit dem Heininger Ortswappen freuen, den Kathy Bonnell und ihre Mutter eigenhändig gefertigt haben.

Von Bartenbach in die USA

Konfession Kathy Bonnells Ururgroßmutter Luise Katherine Bötzle Kellum Brandt wurde am 17. Mai1866 in Bartenbach geboren. Ihr Vater Franz Xaver Bötzle, der zunächst Tagelöhner, später Fabrikarbeiter war, stammte ursprünglich aus Goppertsweiler. Er heiratete 1859 ihre Mutter Luise Blessing in Bartenbach. Eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Ehe, denn Bötzle war Katholik, seine Frau Protestantin. Konfessionsgemischte Ehen lagen unter einem Prozent.

Stieffamilie Von ihren vier Kindern starben zwei im frühen Kindesalter. Nur Luise und ihr Bruder Gebhard wurden erwachsen. Fünf Tage nach Luises Geburt erhängte sich ihr Vater. Sechs Monate später heiratete ihre Mutter Wilhelm Adolf Höll von Birkenfeld. Als Luise vier Jahre alt war, starb ihre Mutter, und sie wuchs in einer Stieffamilie auf.

Auswanderin 1882 emigrierte sie im zarten Alter von 16 Jahren nach Amerika, lebte zunächst in Nebraska und zog dann nach Leavenworth in Kansas, wo sie im City Hall Restaurant arbeitete. Dort heiratete sie 1886 den dunkelhäutigen Bergmann John Kellum mit dem sie zwei Kinder, Percy und Helen, bekam. 1910 zog die Familie nach Kalifornien, wo John im gleichen Jahr starb. Acht Jahre später heiratete Luise den deutschen Emigranten Maksimilian Martin Brandt.

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