Kreis Göppingen AfD vergleicht Hausverbot mit Holocaust

Nach einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen sorgen Facebook-Posts auf AfD-Seiten aus dem Kreis Göppingen für Empörung.
Nach einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen sorgen Facebook-Posts auf AfD-Seiten aus dem Kreis Göppingen für Empörung. © Foto: Jürgen Ritter
Kreis Göppingen / DH 04.09.2018
Die CDU-Abgeordnete Nicole Razavi ist empört über Facebook-Beiträge aus dem Umfeld von Volker Münz.

Aufregung um Facebook-Beiträge aus dem Umfeld des Göppinger AfD-Bundestagsabgeordneten Volker Münz: Ein Hausverbot für AfDler in einem Berliner Café soll mit dem Holocaust verglichen worden sein. Die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi schreibt dazu in einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung: „Die AfD maßt sich an, ein einfaches Hausverbot mit der Shoa, der Entrechtung, Verfolgung und Ermordung  von Millionen jüdischer Mitbürger im Dritten Reich, gleichzusetzen. Was die AfD im Kreis Göppingen treibt, ist widerwärtig und charakterlos.“ Eine solch „absurde Gleichsetzung“ verbiete sich von selbst, schreibt Razavi. „Vom AfD-Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Volker Münz fordere ich eine Stellungnahme zu den Vorkommnissen.“ Die Beiträge wurden bereits wieder gelöscht, das reicht der CDU-Politikerin aus Salach nicht: „Das Löschen des betreffenden Posts macht nichts ungeschehen.“

Razavi bezieht sich auf einen Artikel des Berliner Tagesspiegel. Demnach habe vor rund vier Wochen der erste Besuch einer AfD-Gruppe in der Gedenkstätte in Sachsenhausen überhaupt stattgefunden. Dabei habe es sich um Besucher aus dem Göppinger Wahlkreis des Bundestagsabgeordneten Volker Münz gehandelt. Anschließend sei auf Facebook ein Foto aus der KZ-Gedenkstätte benutzt worden, „um die Judenverfolgung im Nationalsozialismus zu verharmlosen und diese mit ablehnenden Haltungen gegenüber der AfD gleichzusetzen“, schreibt der Tagesspiegel.

Das Café Rizz in Berlin-Kreuzberg hatte bereits vor Monaten getwittert, dass Nazis „aus gegebenem Anlass“ zur Fußball-WM nicht willkommen seien. „Und damit meinen wir ausdrücklich Anhänger der AfD.“ Aus Protest gegen das Vorgehen des Cafés habe die AfD mehrfach ein Foto aus der Dauerausstellung zur Geschichte der jüdischen Häftlinge im KZ Sachsenhausen verbreitet. Darauf zu sehen: eine antisemitische Karikatur aus der NS-Zeit mit dem Schriftzug „Juden sind in Rahnsdorf unerwünscht“. In einem Kommentar dazu hieß es auf der Facebook-Seite der AfD Unteres Filstal, „damals wie heute sollten Unliebsame unterdrückt, diskriminiert und ausgegrenzt werden“, schreibt der Tagesspiegel. Stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbands Unteres Filstal ist Sandro Scheer – der Büroleiter von Volker Münz. Screenshots der gelöschten Beiträge liegen dem Tagesspiegel nach eigenen Angaben vor.

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