Medizin Ärzteschaft appelliert an Minister

Dirk Hülser 09.01.2018
Vor dem Besuch von Manne Lucha kritisiert die Kreisärzteschaft dessen Entscheidung zur Schlaganfall-Versorgung.

Erneut wendet sich die Kreisärzteschaft gegen die Entscheidung von Sozialminister Manne Lucha (Grüne), die Schlaganfallversorgung im Landkreis künftig im Christophsbad zu bündeln. Vor dem Besuch des Ministers im Christophsbad und der Klinik am Eichert am Donnerstag hat die Ärztevertretung sich in einem Brief an Lucha gewandt. Der Minister solle die „auf das Christophsbad fokussierte Lösung“ nochmals kritisch überprüfen. Ähnlich hatte sich bereits der Kreistag positioniert.

„Voreilig und ohne Not“ wolle Lucha „eine vorgezogene Ein- Pforten-Lösung im Christophsbad ohne Einbindung der in der Klinik am Eichert angesiedelten Fachabteilungen umsetzen“, schreibt der Vorstand der Kreisärzteschaft. Ihm gehört unter anderem ein Chefarzt der kreiseigenen Klinik am Eichert an sowie ein weiterer Chefarzt, der jüngst in den Ruhestand verabschiedet wurde. Bereits Ende November hatten die Vorsitzenden der Vereinigung, Frank Genske und Emil Frick, Luchas Entscheidung kritisiert. Nachdem im Kreis bereits seit 15 Jahren darum gerungen wird, welche Klinik Schlaganfälle behandelt, hatte der Minister im Herbst einen Beschluss gefasst. Zuvor hatte es zwei Gutachten gegeben, die im Christophsbad eine bessere Versorgung der Patienten gewährleistet sehen.

Dem widerspricht die Kreis­ärzteschaft: Eine Ein-Pforten-Lösung in den Räumen der neurologischen Klinik Christophsbad werde die Situation für zahlreiche Patienten nicht verbessern. Denn instabile Patienten und Patienten mit schweren Begleiterkrankungen müssten auch weiterhin in der Klinik am Eichert behandelt werden. An Lucha appellieren die Ärztevertreter, „die vor Ort befindliche Fach-Expertise der ärztlichen Kollegschaft mit in die Entscheidung einzubeziehen“. Sie betonen aber auch die gute Zusammenarbeit der Kliniken auf Ebene der Ärzte. Der Streit um die Schlaganfall-Versorgung sei ein „zum großen Teil wirtschaftlich-politisch motivierter Disput auf der Ebene der Geschäftsführung“. In dem Schreiben heißt es auch: „Nur am Rande sei erwähnt, dass es der Ärzteschaft nicht um wirtschaftliche Vorteile des einen oder anderen Standortes geht, sondern um die Versorgung der Patienten.“

Heute werden Vertreter des Christophsbads im Sozialministerium zu Gesprächen erwartet, morgen ist dann die Klinik am Eichert an der Reihe, bevor Lucha am Donnerstag nach Göppingen kommt.