Biodiversität Ämter suchen Wege zum Artenschutz

Landrat Edgar Wolff (rechts) bedankt sich bei Betriebsleiter Michael Bosch für die Führung durch die Straußenfarm auf dem Lindenhof.
Landrat Edgar Wolff (rechts) bedankt sich bei Betriebsleiter Michael Bosch für die Führung durch die Straußenfarm auf dem Lindenhof. © Foto: Carsten Beckers
Kreis Göppingen / Susanne Leinberger 28.07.2018

Schlagworte wie Insektensterben, Artenrückgang und Verlust der biologischen Vielfalt sind derzeit allgegenwärtig. Im Rahmen einer Informationsfahrt durch den Landkreis haben sich Mitglieder des Kreistags  zusammen mit Vertretern von Fachämtern sowie des Landschaftserhaltungsverbands dem aktuellen Thema gewidmet.

Zentrale Erkenntnis aus den Gesprächen im Verlauf der Rundfahrt war, dass ein Bündel von Einflussfaktoren zum Rückgang der biologischen Vielfalt beitragen. Neben der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft über die Jahre mit ihren agrarstrukturellen Veränderungen und ökonomischen Zwängen tragen Klimawandel, die immer dichtere Besiedelung und Versiegelung der Landschaft sowie zunehmender Verkehr zur Verarmung der biologischen Vielfalt bei. Landrat Edgar Wolff betonte,  dass die Stärkung der Biodiversität wichtiges Kriterium beim Handeln der Verwaltung sei.

An drei Stationen wurden Maßnahmen begutachtet, die dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegenwirken sollen. An der Umgehung der B 10/B 466 besichtigte die Gruppe mit dem Flurbereinigungsverfahren angeordnete Ausgleichs- und Artenschutzmaßnahmen. So wurden Totholzpyramiden zum Schutz des Großen Goldkäfers angelegt und alte Bäume versetzt, die dem streng geschützten Juchtenkäfer Lebensraum bieten.  Peter Cohausz, Leitender Fachbeamter für Flurneuordnung beim Landratsamt, erläuterte die ökologische Zielsetzung von Flurneuordnungsverfahren im Vergleich zu früheren Verfahren.

 An der zweiten Station zeigten Straßenbauamtsleiter  Thorsten König und Professor Dr. Christian Küpfer von der HfWU Nürtingen-Geislingen ein Modellprojekt zum Straßenbegleitgrün. Im Landkreis werden an  neun Böschungen unterschiedliche Maßnahmen zur Biodiversität erprobt. Das Projekt an der Umgehung B 10/B 466 bei Süßen geht der Frage nach, wie man bei Reduktion der Grünpflegekosten an Straßen gleichzeitig eine Erhöhung der biologischen Vielfalt im Straßenbegleitgrün erreichen kann.  Professor Küpfer zufolge haben Straßenböschungen in der Summe mit landesweit 27 000 Hektar „ein Riesenpotential zur Stärkung der biologischen Vielfalt.“ Bei richtiger Anlage und Pflege seien straßenbegleitende Grünflächen für viele Tier- und Pflanzenarten wertvoller Rückzugs- und Ersatzlebensraum. Bei Anlage und Pflege seien aber  gewisse Grundsätze zu beachten. So führe ein starker Auftrag von humosem Oberboden zu einer viel zu üppigen und wenig insektenfreundlichen Vegetation. Gleichzeitig sei der  Pflegeaufwand für die Straßenmeistereien vergleichsweise hoch. Wichtig für den Naturschutz seien „ausgehagerte“, nährstoffarme Standorte, da auf ihnen seltene Arten vorkommen und der Pflegeaufwand durch weniger häufige Mahd reduziert werden könne.

Der Beitrag der Landwirtschaft zur Stärkung der Biodiversität stand an der dritten Station in Böhmenkirch im Fokus. Wilfried Dieterich, Leiter des Landwirtschaftsamts, zeigte verschiedene, auf Ackerflächen angesäte Blühmischungen. Sie stellen insbesondere für Honig- und Wildbienen gerade in der an  Nahrungsquellen eher armen Sommerzeit ein reichhaltiges „Trachtangebot“ bereit. Zudem bieten sie Schutz- und Rückzugsraum für zahlreiche Tierarten, sorgen durch ganzjährigen Bewuchs für eine Nährstoffkonservierung vor dem Winter und verhindern die Erosion der Böden. Die jährliche Zunahme dieser „Blühflächen“ im Landkreis sei  auch auf die Flächenförderung durch EU und Land zurückzuführen, so Dieterich.

Kreisbauernvorsitzender Hermann Färber, der auf seinen Äckern bei Böhmenkirch selbst Blühstreifen angesät hat, hob die ökologischen Leistungen der im Vergleich zu anderen Regionen überwiegend kleinstrukturierten Landwirtschaft im Landkreis hervor. Dazu gehörten  abwechslungsreiche Fruchtfolge, die Pflege vieler Streuobstwiesen und der verantwortungsvolle Umgang mit Pflanzenschutzmitteln.

Mit einem Imbiss auf der Straußenfarm der Familie Bosch auf dem Lindenhof bei Böhmenkirch fand die Kreisfahrt ihren Abschluss.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel