Mit ziemlicher Sicherheit ist das Aus der geplanten zwei Windräder am Kaisersträßle bei Adelberg besiegelt: Das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) hat dem Göppinger Landratsamt mitgeteilt, dass es die vom Investor ENBW beantragte Ausnahme vom Tötungsverbot für Rotmilane abgelehnt hat.

Der Stromkonzern ENBW wollte die artenschutzrechtliche Ausnahme, da es im Umkreis des Adelberger Standorts Brutstätten der europaweit streng geschützten Raubvögel gibt. „Nach Prüfung verschiedener Fachgutachten“, wie Landrats-Vize Jochen Heinz sagt, habe das RP festgestellt, dass es im Umkreis von 3,3 Kilometern mindestens vier Rotmilan-Reviere gebe. Daher liege in Adelberg ein sogenanntes „Dichtezentrum“ vor – eine Ausnahme vom Tötungsverbot sei somit nicht möglich.

RP-Sprecher Matthias Kreuzinger erläutert, warum die Vögel in diesem Fall ein Ausschlusskriterium sind: „Es darf sich der Erhaltungszustand der Population vor Ort nicht verschlechtern.“ Es gehe nicht um den möglichen Tod „eines einzelnen Individuums“, dies sei auch längst höchstrichterlich durch das Bundesverwaltungsgericht geklärt. Bei mehr als drei Brutpaaren im relevanten Radius von 3,3 Kilometern könne aber durch deren Tod die Gesamtpopulation gefährdet werden – „deswegen war die Entscheidung so zu treffen“, betont Kreuzinger.

Wichtige Entscheidung

Zuständig für die Genehmigung der Anlagen ist das Landratsamt. Der Stellvertreter des Landrats, Heinz, sprach gestern von einer „wichtigen Zwischenentscheidung“, Kreuzinger wird deutlicher: „Ich denke, dass das dazu führt, dass man die Genehmigung versagen muss.“ Denn: „Letztlich ist dieses Thema in dem Verfahren das Wichtigste.“ Das Landratsamt will nun schnell entscheiden, Heinz meint, dies sei „demnächst“ der Fall.

Insgesamt 41 Flächen in der Region Stuttgart hatte die Regionalversammlung für Windkraft ausgewiesen, darunter auch das Kaisersträßle bei Adelberg. „Dabei war aber immer klar, wir sind nur ein kleines Rädchen in einem großen System“, bekräftigte gestern Regionaldirektor Thomas Kiwitt. Es sei genauso klar gewesen, „dass da noch einige Ko-Kriterien kommen“. Nichts zu rütteln gibt es für Kiwitt daran, „dass die Mindeststandards eingehalten werden“. Deshalb konstatiert er: „Wenn’s nicht geht, geht’s nicht.“ Und der Schutz des Rotmilans gehe auf EU-Vorgaben zurück: „Das sind die Rahmenbedingungen, da muss man mit leben.“

Erklärte Gegner der Windräder waren von Anfang an der Adelberger Gemeinderat sowie Bürgermeisterin Carmen Marquardt. „Es war uns klar, dass uns der Rotmilan retten muss“, meinte die Rathauschefin gestern und schob gleich hinterher: „Für mich ist der Standort jetzt gestorben.“ Die Stimmung im Adelberger Rathaus ist gut, „wir freuen uns riesig“, sagt Marquardt und will es nicht bei Worten belassen: „Wir werden das gebührend feiern.“

Die Gemeinde hat zwei Gutachten in Auftrag gegeben und diese im Dezember nochmals von einer Expertin bewerten lassen. „Aufwand und Kosten haben sich gelohnt“, glaubt die Bürgermeisterin. Sie ist nun froh, dass die RP-Entscheidung so ausgefallen ist: „Wenn es schon diese Regelungen gibt, muss man sie auch anwenden.“

„Ein Beispiel nehmen“

Ähnlich gut ist die Laune bei Naturschutzverbänden und Bürgerinitiativen. „Die Errichtung von Windrädern bei Adelberg ist nicht genehmigungsfähig“, sagten gestern Brigitte Dahlbender und Johannes Enssle, Landesvorsitzende von BUND und Nabu in Baden-Württemberg. Michael Haueis, Sprecher der Bürgerinitiative Pro Schurwald, findet: „An dieser Entscheidung sollten sich auch andere Genehmigungsbehörden ein Beispiel nehmen.“

Unterdessen haben die geplanten Windräder bei Wangen eine wichtige Hürde genommen, die Region Stuttgart hat der Zielabweichung zugestimmt.

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