Auch nachdem die Regionalversammlung vor wenigen Wochen den Windkraft-Standort "GP-01" im Regionalplan verkleinert hat, will Investor ENBW daran festhalten. Nordöstlich von Adelberg sollen am Kaisersträßle zwei Rotoren gebaut werden, die Windmessungen laufen noch und sollen im Frühjahr abgeschlossen sein. "Wir sind zuversichtlich, auch mit zwei Anlagen einen wirtschaftlichen und rentablen Betrieb durchführen zu können", sagt ENBW-Sprecherin Dagmar Jordan.

Der Standort weise einige Vorteile auf, die für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen sprächen: So seien etwa die Wege zur Erschließung zum großen Teil bereits vorhanden, auch der Netzanschluss sei hier "sehr günstig" zu bewerkstelligen. Sollten die Windmessungen positiv verlaufen, "würden wir im nächsten Jahr den Bauantrag stellen".

Das würden Bürgermeisterin Carmen Marquardt und die Mehrheit im Adelberger Gemeinderat gerne verhindern: "Der Auftrag zur Artenschutzprüfung ist im Oktober erteilt worden", sagt Marquardt. Bereits vor vier Wochen hatte sie angekündigt, dass mögliche Horste des geschützten Rotmilans gesucht und dokumentiert werden sollen. "Ob bereits mit der Prüfung begonnen wurde, ist mir aktuell nicht bekannt", meint die Bürgermeisterin.

Die Hoffnung, die in Adelberg nicht erwünschten Windräder noch zu verhindern, gründet sich nicht allein auf den Raubvogel: "Die Gemeinde Adelberg hat weitere Argumente gegen diesen Standort, die wir jedoch momentan noch rechtlich überprüfen lassen, da wir nur mit wahren Argumenten agieren wollen", berichtet Marquardt. Sie betont aber auch: "Uns geht es nicht darum, die Energiewende zu verhindern oder das Projekt zu vereiteln. Wir setzen uns dafür ein, dass nur sinnvolle Windkraftprojekte um Adelberg entstehen." Sie stehe auch mit den betroffenen Nachbargemeinden Plüderhausen und Börtlingen in engem Kontakt.

Das bestätigt auch der Börtlinger Rathauschef Franz Wenka. "Wir unterstützen Adelberg", sagt er, betont aber auch: "Wir sind nicht pauschal dagegen." Aber das östliche der geplanten Windräder sei nur 750 Meter vom Börtlinger Teilort Breech entfernt - zu nah, findet Wenka. Weiter westlich gebe es aber "offenbar Probleme mit dem Vogelflug", bedauert der Bürgermeister.

Mit Blick auf die verhinderte Stromtrasse räumt Wenka ein: "Bei uns in der Gemeinde gibt's aber auch Stimmen, die sagen, wir können nicht gegen alles sein." Er setzt nun darauf, dass die ENBW transparent informieren wird und auch die kompletten Messergebnisse veröffentlicht - "nicht nur in einem Satz". ENBW-Sprecherin Jordan verspricht denn auch: "Eine Bürgerinformation ist auf jeden Fall geplant, wenn der Bauantrag gestellt wird." Auch zuvor könne jederzeit auf Wunsch eines Gemeinderats gezielt informiert werden. "Wir stehen ohnehin ständig im Gespräch mit den Bürgermeistern", sagt Jordan.