Stadtgeschichte Adel verlor mit der Reichsritterschaft das Sagen auf Filseck

Uhingen / WERNER LITZ 26.04.2017
Die Familie Waggershauser pachtete ab 1805 den einstigen Adelssitz und betrieb das Anwesen bis 1968.

Da Christian I. von Münch sieben Kinder hinterlassen hatte, war die Gefahr einer Zersplitterung des Erbes groß. Eine Einigung schaffte eine mögliche Aufteilung 1758 aus der Welt: Den gesamten Besitz erhielt der älteste Sohn Christian II. (1724 bis 1780). Seinen Sohn Christian III. (1752 bis 1821) erhob der Kaiser 1788 in den erblichen Reichsfreiherrenstand.

Drei Jahre später errichtete Christian III. den Familien-Fideikommiss zur Festigung des adeligen Familienvermögens – einen Vertrag, der die Veräußerung des Stammgutes an Fremde verhindern sollte. Unter ihm entstanden umfangreiche Gartenanlagen auf Filseck. Er war sehr vermögend und erwarb weitere Güter hinzu.

Mit dem Ende der Reichsritterschaft in Schwaben 1805 fielen seine Hoheitsrechte über die Herrschaften an Württemberg. Ein reichsunmittelbares Rittergut Filseck gab es nun nicht mehr. Souveräner Pächter war die Familie Waggershauser.

Der einzige Sohn Friedrich (1777 bis 1856) trat das Erbe an. Zu seiner Zeit umfasste Filseck 96 Morgen Äcker, neun Morgen Garten, 82 Morgen Wiesen, 24 Morgen Weiden und 153 Morgen Wald. Unter ihm erfolgte die gesetzliche Lastenablösung. Er verlor zwar die Frondienste, Grundgefälle und Zehntrechte, wurde dafür aber durch Ablösungskapitalien entschädigt.

Das Münch´sche Wappen mit der Jahreszahl 1851 zierte den abgebrannten südlichen Flügel. Es wurde noch vor dem Brand im Jahr 1971 gestohlen. Eine Gedenkstelle im Park erinnerte an den im gleichen Jahr im Alter von 28 Jahren verstorbenen Sohn August.

Ein Schloss als Sommersitz

Der jüngste Sohn Karl Wilhelm Friedrich (1834 bis 1882) erbte das Vermögen von 3,8 Millionen Mark. Nach dem Verkauf von Aystetten und dem Umbau von Hohenmühringen wurde es Wohnsitz des Geschlechts. Filseck diente vorwiegend zum Aufenthalt in den Sommermonaten. Die Landwirtschaft wurde von 1906 bis 1968 von Familie Waggershauser als Pächter umgetrieben.

Als Karl Wilhelm Friedrich starb, wurden die Güter unter der Witwe, den Söhnen Oskar und Alfred sowie der Tochter Gabriele aufgeteilt. Den größten Teil erbte Oskar als der Älteste, darunter Filseck. Von 1898 bis 1902 war er für die SPD Reichstagsabgeordneter im Reichstag in Berlin, wurde später entmündigt und starb 1920 durch Selbstmord.

Da sein Bruder ohne Nachkommen gestorben war, fiel das Münch´sche Erbe an die Nachkommen der Schwester. Diese hatte sich 1883 mit Freiherr Albrecht von Podewils (1853 bis 1940) aus Leinstetten bei Sulz am Neckar verheiratet. Nach den Familienverträgen erbte der Sohn Arnold (1885 bis 1953) die meisten Güter.

Baufirma kauft Filseck

Der neue Besitzer des Anwesens heiratete 1948 in zweiter Ehe Margarethe von Rohr (1898 bis 1984). Sie veräußerte Schloss Filseck am 13. Oktober 1971, wenige Monate nach dem Brand, an die Stuttgarter Baufirma Dr. Manfred Beck. Werner Litz

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel