Narren Das Narrenkistenrennen startet in Süßen

Andreas Müller(vorne) und Christian Hommel in ihrem fast fertigen, rollenden Wikingerschiff.
Andreas Müller(vorne) und Christian Hommel in ihrem fast fertigen, rollenden Wikingerschiff. © Foto: Evelyn Krix
Süßen / Evelyn Krix 14.06.2018
Zum vierten Mal startet am Samstag das Süßener Narrenkistenrennen.

Ein Balkongerüst, ausrangierte Straßenschilder, alte Schrankrückwände – das und noch viel mehr haben Andreas Müller und Christian Hommel in ihrer Seifenkiste recycelt. „Alles, was man findet, wird da zusammen gewurstet“, sagt Müller. Kinderstühle aus längst vergangenen Schultagen sind die Rennsitze, Straßenschilder die Schutzbleche für die Räder. Die Bremse besteht aus alten Motorradreifen, Holzklötzen und einem Metallhebel. „Sieht abenteuerlich aus. Man darf wirklich keine Angst haben“, meint Müller. „Sie funktioniert, wir haben’s probiert – bei voller Fahrt.“ Mit seinem Gefährt möchte das Team am Samstag den Berg hinunterheizen: Als Wikinger treten sie gegen andere Fasnetsanhänger beim Narrenkistenrennen in Süßen an. „Wir wollten etwas Uriges machen“, sagt Hommel.

Drei Wochen vor dem Rennen haben sie begonnen, das Grundgestell ihres Schiffes zu montieren. „Das haben wir bei uns im Geschäft machen dürfen und die Feinarbeiten machen wir bei uns“, erzählt Müller. Vor seiner Garage in Salach wird gebaut. Das Auto ist solange ausquartiert. Die Geschwindigkeit ihres knapp vier Meter langen Schiffes sei gut – das haben sie bei einer Probefahrt getestet: „Wir haben einen Tacho eingebaut, um zu wissen, wie schnell wir sind“, sagt Hommel. Wie schnell, verrät er nicht, hofft aber, dass sie die Konkurrenz hinter sich lassen. „Wir wollen die Räder noch mit kleinen Tuningmaßnahmen ein bisschen schmieren.“ Üblicherweise sind die Kisten mit Schubkarren- oder Fahrradrädern ausgestattet. Das Schiff von Müller und Hommel hat Motorradräder bekommen – vorne eins, hinten zwei. „Weil das Ding doch etwas groß und schwer wird, wollten wir Räder nehmen, die mehr aushalten“, erklärt Hommel. Die Kiste wiege etwa 300 Kilogramm. Der Bremsweg sei aber ungefähr so lang wie der der kleinen.

Für die beiden liegt der Reiz im Nervenkitzel und der Geschwindigkeit. Für den Vorsitzenden des austragenden Vereins, Patrick Frey, gehört auch Spaß dazu: „Man sieht jedes Jahr die Teams – die sind alle voll motiviert. Da ist nicht unbedingt gewinnen das Wichtigste, sondern einfach, da mal dabei zu sein.“ Trotzdem sei immer ein bisschen Konkurrenzkampf da. Er selbst sei durch das Rennen zum Verein „www.jetzt­ischdrdeifellos.de“ gekommen: „Da lass ich es mir  natürlich nicht nehmen, mit meinem Team wieder am Start zu sein.“ Wie immer fährt Frey in der Seifenkiste „Schengawuschd“.

In diesem Jahr starten die Teilnehmer zum vierten Mal im Sommer zum närrischen Seifenkistenrennen. Davor war das Rennen zur Fasnetszeit – nach der zwölften Auflage hat man es in den Sommer verlegt. Seit einigen Jahren nähmen die Süßener, die ein eigenes Häs haben, immer häufiger an Umzügen teil. Für das Rennen wäre ein Wochenende verloren gegangen, erklärt Frey. Es gebe „schon so viele Veranstaltungen während der Fasnet und „bissle Fasnet unterm Jahr schadet nie“.

Seit das Fasnetskistenrennen in den Sommer verschoben wurde, hätten sich immer mehr Hästräger von anderen Vereinen, „die das während der Fasnet einfach zeitlich nicht geschafft haben“, zum Mitmachen entschlossen. Der Teilnehmer mit der längsten Anreise kommt in diesem Jahr aus Heidenheim. „Wir haben festgestellt, dass es im Sommer eine gute Sache ist und es kommen jedes Jahr neue Teams aus anderen Vereinen dazu“, sagt Frey. „Als wir es noch während der Fasnet gemacht haben, hatten wir gegen Ende schon größere Probleme, genügend Mannschaften zusammenzubekommen.“ Da sei schon mal bei acht Teams Schluss gewesen. Jetzt sei man bei zwölf.

Buckel runter fahren – aber mit Regeln

Rennen: Zwei Teams fahren gegeneinander im Ko-System. Starthilfe bekommen sie von Anschiebern. Diese stehen am Streckenbeginn und am Pitstop.

Pitstop: Zwei Linien grenzen in der Hälfte der Strecke den Pitstop ein. Dort müssen die Teams anhalten und einen Becher Sekt oder Antialkoholisches pro Person austrinken. Erst wenn der Becher im Müll landet und ein Anschieber hinter der Kiste steht, darf man weiterfahren.

Beginn: Am Samstag um 13.59 Uhr fällt der Startschuss. Die Strecke verläuft vom Moserhof in Süßen den Geigenweg hinunter bis zur Baumschule Clement.Am Ziel spielt die Guggamusik Kocher-Fetza aus Aalen auf.

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