Kreis Göppingen Abzocke von Radlern beklagt

Übervolle Nahverkehrszüge, kein Platz für Radfahrer – das beklagt Christian Stähle in einem Brief.
Übervolle Nahverkehrszüge, kein Platz für Radfahrer – das beklagt Christian Stähle in einem Brief. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 27.08.2018
In einem Brief an Verkehrsminister Hermann schildert Kreisrat Stähle, wie ein Zugbegleiter gezielt Fahrradfahrer kontrolliert – und wieder verschwindet.

Pendler auf der Filstalbahn berichten wieder vermehrt von Verspätungen und Zugausfällen, erst vor wenigen Tagen listete Sven Detzer aus Donzdorf neun von ihm beobachtete Totalausfälle an zwei Tagen auf. Immer wieder wird auch bemängelt, dass keine Zugbegleiter an Bord seien. Eine ganz andere Beobachtung hat nun der Göppinger Stadt- und Kreisrat Christian Stähle (Die Linke) gemacht – und einen Brief an Landesverkehrsminister Winfried Hermann geschrieben.

Zugbegleiter kontrolliert gezielt Radfahrer

Stähle bittet Hermann darum, „die Abzocke bei Fahrgästen mit dem Fahrrad“ zu beenden und schildert einen Fall, den er am vergangenen Freitag erlebt hat, er hat auch Fotos mitgeschickt. Um 7 Uhr fährt der Zug nach Stuttgart ein, „kurzer Zug, mal wieder viel zu wenig Waggons“, stellt Berufspendler Stähle fest. „Drei Fahrgäste mit Fahrrädern steigen ein. Die wissen nicht wirklich, wo sie die Räder im übervollen Zug überhaupt platzieren sollen“, berichtet er. „Zum Glück kam kein Kinderwagen oder Rollstuhl, die hätten keinen Platz mehr gefunden“, schreibt er an Hermann.

Dann sei Folgendes geschehen: „In der Regel bekommt man/frau in den Frühzügen die Zugbegleiter sehr selten zu sehen. Heute schien der Zugbegleiter regelrecht vom Himmel gefallen zu sein. Er interessierte sich allerdings nicht für die Fahrgäste im Allgemeinen, sondern hechtete direkt auf den ersten Radfahrer zu. Er kam gleich zur Sache und wollte das Ticket für das Rad sehen.“ Der Zugbegleiter habe dem Mann erklärt, dass zwischen 6 und 9 Uhr für Fahrräder ein Ticket zu lösen sei – dies hatten die drei Ausflügler aber nicht. Also wurden pro Nase 60 Euro Strafe fällig. „Er kassierte faktisch innerhalb von 15 Minuten 180 Euro Strafe ab. Weitere Ticketkontrollen führte er nicht mehr durch.“

Was Stähle besonders ärgerte: „Der Zugbegleiter verschwand sofort, bis zur Ankunft in Stuttgart, im Führerstand des Lokführers.“ Für alle anwesenden Fahrgäste sei klar gewesen, dass der DB-Mitarbeiter sich gezielt die drei Radfahrer herausgepickt hatte – sich dann aber weiter nicht mehr kümmerte. So sei viel zu wenig Platz für die Fahrräder im komplett überfüllten Zug gewesen. Stähle wundert sich, dass die Bahn einerseits die Mitnahme von Fahrrädern bewirbt, dann aber keinen Platz dafür zur Verfügung stellt. „Zu guter Letzt wurde dann auch noch mit den Strafzahlungen die Bevölkerung abgeschreckt, auf Bahn/Fahrrad umzusteigen.“

Bahnverkehr nach Ulm und Lindau beeinträchtigt

Behinderungen: Die Südbahn von Ulm bis Lindau wird bis voraussichtlich 2021 elektrifiziert. Das führt immer wieder zu Behinderungen, die auch den Interregio-Express von Göppingen nach Lindau betreffen.

Ersatzbus: Von Montag, 10. September, bis Freitag, 21. Dezember, ist die Strecke zwischen Neu-Ulm und Laupheim West gesperrt, es gibt einen Ersatzbus. Regionalexpress-Züge fahren nur bis Ulm, auch hier verkehrt dann ein Bus.

Gleisarbeiten: Vom 25. Oktober bis 9. November finden zudem Gleisarbeiten im Ulmer Hauptbahnhof statt. Deshalb wird es geänderte Fahrzeiten zwischen Stuttgart und Ulm – also auch im Fils­tal – geben.

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