Sie sagt beim Abschied nicht leise Servus. Sondern lieber Ade, das kommt von Adieu – „Gott befohlen“ – und spiegelt damit die gut schwäbische und die frankophile Seite von Pfarrerin Friederike Maier wider. Die 50-jährige Seelsorgerin verlässt Süßen nach 15 Jahren und bricht mit ihrem Mann Tilo nach Asperg im Kreis Ludwigsburg auf. Tochter Ann-Kathrin ist schon aus dem Haus und geht eigene Wege.

„Erste ständige Pfarrerin“

Friederike Maier hat in Süßen ein Stück Geschichte geschrieben: Sie war hier „die erste ständige Pfarrerin seit der Reformation“, sagt sie und lacht ein herzliches ansteckendes Lachen. Inzwischen leiten mit Kollegin Michaela Köger zwei Pfarrerinnen die Geschicke der evangelischen Kirchengemeinde. Noch bis Sonntag ist das so, dann feiert Friederike Maier ihren Abschiedsgottesdienst. Ihre Stelle ist ausgeschrieben, allerdings umfasst sie künftig nur noch einen 75-Prozent-Anteil für Süßen plus 25 Prozent für Donzdorf.

Der Beginn in Süßen war ungewöhnlich: „Wir hätten nicht mal die Namensschilder am Pfarrhaus auswechseln müssen“, erinnert sich die Theologin. Denn ihr Vorgänger hieß Jochen Maier. Er hatte sie auch auf die Idee gebracht, sich in Süßen zu bewerben. Denn Jochen Maier war 2002 als Pfarrer an die Kirchheimer Martinskirche gewechselt, wo Namensvetterin Friederike als Pfarrerin zur Anstellung tätig war. Er erzählte ihr eines Tages, dass seine alte Stelle in Süßen noch nicht wieder besetzt sei. So kam eines zum anderen.

„Viele Menschen sollen ihre Gaben einbringen“

Friederike Maier ist eine Teamplayerin und jemand, der Talente bei Menschen erkennt. Wenn sie jemanden für eine bestimmte Aufgabe gewinnen wollte, sprach sie ihn auch schon mal direkt an – und bekam dank ihrer charmant-mitreißenden Art auch nicht immer Absagen. „Mir war es immer wichtig, dass nicht die Pfarrerin alles macht, sondern dass möglichst viele Menschen ihre Gaben einbringen.“

Ein gutes Beispiel dafür sind die Impuls-Gottesdienste, die ab 2004 viermal im Jahr gefeiert und von einem engagierten Team gestaltet wurden. Sie fanden nachmittags statt mit modernen Liedern, Anspielen und Mitmach-Elementen, es gab Kinderbetreuung und hinterher Gespräche und Häppchen. Das Bibelwort „Alles hat seine Zeit“ bewahrheitete sich aber auch hier, denn nach gut zehn Jahren ließ der Besuch nach, das Mitarbeiterteam orientierte sich teilweise neu. Parallel war inzwischen die Reihe „Gottesdienst mit neuem Klang“ entstanden, die ebenfalls den Wünschen nach anderen Musikstilen Rechnung trug. So kam es 2015 zum Ende der Impuls-Reihe.

Großes Herz für Frömmigkeitsstile

„Mein Herz schlägt aber auch für die klassische Liturgie“, bekennt die Theologin. Ohnehin zeichnet sie aus, dass sie zu den unterschiedlichsten Gruppen ihrer Gemeinde einen guten Draht hatte: zu eher evangelikal orientierten Gläubigen, die in Süßen traditionell stark engagiert sind, zu gesellschaftspolitisch aktiven Christen und auch zu eher kirchenfernen Menschen. „Ich habe ein großes Herz für unterschiedliche Frömmigkeitsstile“, stellt sie fest. „Die Gemeinde Christi ist vielfältig und bunt.“

Menschen buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre in unterschiedlichsten Lebenssituationen zu begleiten, das ist es, was für sie den Pfarrerberuf ausmacht. Wenn sie die Grundschüler beim Religionsunterricht erlebt, geht ihr das Herz auf. Auch die Gottesdienste in der Wilhelmshilfe hätte sie nicht missen wollen: „Die Dankbarkeit und die Gemeinschaft unter den alten Menschen dort ist etwas ganz Besonderes.“ Rund 40 Besucher kommen freitags zu den Feiern, die von der evangelischen und der katholischen Gemeinde abwechselnd gestaltet werden.

„Süßen hat sich gewandelt“

Die Ökumene war neben der Jugendarbeit einer ihrer Schwerpunkte, und „in Süßen läuft da sehr viel“. In ihrer Zeit wurde der ökumenische Familientag ins Leben gerufen, zuletzt hatten kurz vor Weihnachten die ersten Süßener Friedenstage, initiiert von einem jungen Katholiken, über hundert Besucher angezogen.

Es wurde der Jugendtreff Bergwerk im Untergeschoss des Kindergartens Lindenstraße ausgebaut, ein Konfi-Camp für alle Konfirmanden des Kirchenbezirks eingeführt, die Jugendarbeit wurde auf neue Füße gestellt, und der Gemeindebrief erhielt auf ihre Initiative hin ein neues Gesicht. „Süßen hat sich gewandelt in diesen 15 Jahren“, stellt sie fest: mehr Zuzug durch junge Familien, aber auch losere Bindungen zur Kirche. Auch persönlich hat sich viel verändert: „Wir kamen als junge Familie mit unserer Tochter, die in die fünfte Klasse eingeschult wurde. Inzwischen ist sie aus dem Haus, und bei uns als Paar mehren sich die grauen Haare.“ Die Zeit im Filstal war prägend, in vielerlei Hinsicht: „Ich gehe reich beschenkt von hier fort.“

Info Die Verabschiedung von Friederike Maier findet am morgigen Sonntag um 9.30 Uhr in der Süßener Ulrichskirche statt. Anschließend ist im Gemeindehaus noch Zeit zur Begegnung.