Bühnenpunk mit Texten verspricht das Programm der Geislinger Rätsche für den Freitagabend. Die „Textpistols“ Nils Heinrich, Tilmann Birr und Götz Frittrang sind mit ihrem Programm „God save the Spleen“ zu Gast. Doch statt mit Irokesen-Haarpracht, Sicherheitsnadeln in Nasen und Ohren und Ratten im Ausschnitt kommt das Trio ordentlich und in gedeckten Farben gekleidet auf die Bühne und gibt sich zahm: „Wir sind liebe, harmoniesüchtige Menschen“, versichert Nils Heinrich dem Rätschepublikum auch gleich.

Dann beginnt das Wortspektakel. Die Texte der drei spitzen Alltagssituationen zu, sind wortwitzige Miniaturen, ironisch, teilweise skurril, klug, aber nicht schmerzhaft böse. Allen dreien merkt man ihre Erfahrung als Poetry-Slammer an.

Er habe damals, in den Ruinen, angewiesen auf Lebensmittelkarten, das Poetry-Slammen quasi erfunden, gibt Tilmann Birr zu. Nils Heinrich, in der ehemaligen DDR aufgewachsen und daher mit Zahnfüllungen aus zwei unterschiedlichen Gesellschaftssystemen geschlagen, quält das Rätsche-Publikum mit Details seines Besuchs beim Endodontologen (korrekte Übersetzung: Auftragsmörder im Zahnarztkittel). Da geht es gnadenlos zurück zu den Wurzeln.

Götz Frittrang frönt dagegen seinen schwäbischen Wurzeln, denn in seiner neuen Heimat Franken klingen sogar die Schwüre verliebter Paare wie das Gebell arabischer Kampfhunde mit Katarrh.

Nur mit der schwäbischen Seitenbacher-Werbung hat Frittrang arge Probleme. Seit Herr Seitenbacher auch Werbung für „ÖÖÖle“ macht, plagen ihn schlimme Fantasien von stark behaarten, nackten, eingeölten Männern in überfüllten U-Bahnen.

Besonders schön geraten die „Trialoge“ der drei. Etwa das aberwitzige Kammerspiel mit Stubenfliege (Heinrich), Hund (Frittrang) und im schönsten Wienerisch daher parlierender Katze (Birr). Oder die Moritat von der Begattung einer Gottesanbeterin – mit unhappy ending für den männlichen Part.

Die drei Kabarettisten, allesamt mit bekannten Preisen ausgezeichnet, geben sich locker, kommentieren die Auftritte der jeweils anderen launig, ihre Gespräche zwischen den Nummern klingen nicht einstudiert. Das tut der Stimmung im Zuschauerraum gut. Das Publikum ist entspannt, amüsiert, gibt immer mal wieder Zwischenapplaus.

Und auch musikalisch kommen die Gäste in der Rätsche auf ihre Kosten. Während Nils Heinrich einen Rap auf Hartmut Mehdorn reimt, präsentiert Tilmann Birr eine kleine Auswahl seiner ins Hessische übersetzten Welthits der vergangenen 100 Jahre. „Stellen Sie sich vor, Jaques Brel wäre Hesse gewesen und hätte Gloria Gayner gesungen“, kündigt er seine Interpretation des Liedes „Ich überleb’s“ an.

Im Gegenzug erklärt Götz Frittrang dem Geislinger Publikum die komplizierte und bis ins kleinste Detail ausgetüftelte Choreografie der Bezahl-Zeremonie bei einem Essen unter schwäbischen Freunden. Punk-Rock auf Schwäbisch.