Wiesensteig Abenteuer fangen vor der Haustür an

Robert Jasper ließ sich gerne mit seinen jungen Fans fotografieren. Foto: sgk
Robert Jasper ließ sich gerne mit seinen jungen Fans fotografieren. Foto: sgk
Wiesensteig / SABINE GRASER-KÜHNLE 27.10.2012
Er sucht die Extreme und den Nervenkitzel: Robert Jasper. Der Extremkletterer hat seine Zuhörer bei einer Multivisionsschau am Donnerstagabend im Wiesensteiger Schloss mit auf seine Abenteuer genommen.

So mancher im Saal hatte schon eigene Erfahrungen mit dem Bergsteigen gemacht. Trotzdem blieb am Donnerstagabend nicht wenigen Besuchern der Multivisionsschau im Wiesensteiger Residenzschloss die Luft weg. Die Bergwacht-Bereitschaft Geislingen/Wiesensteig hatte anlässlich des 75. Jubiläums der Bergwacht Württemberg den Extremkletterer Robert Jasper zu Gast. Und der berichtete sehr anschaulich über dramatische Gefahrensituationen, von der Plackerei und den Entsagungen auf seinen Bergsteigertouren - und zeigte dazu betörend schöne Bilder der Bergwelt.

Gebirge, so weit das Kameraauge schaut, nähergezoomt werden sie zu einzelnen Bergmassiven mit schneebedeckten Steinöden, unwirtlich, kalt und doch von bizarrer Schönheit. Die Berge erschienen den Zuschauern auf der Großbildleinwand als unüberschaubare und kaum überwindbare große Flächen, deren unermessliche Dimensionen nur Respekt einflößen kann.

Die berüchtigte Eiger-Nordwand zum Beispiel: "Er war einer der letzten unbestiegenen Berge um 1935, die Elite hat sich dran versucht und die meisten haben mit dem Tod bezahlt", hört man die Stimme von Bergsteiger Jasper. Dann folgen Schwarzweißaufnahmen, Fotos, die offenbaren, mit welch primitiven Mitteln die Bergsteiger damals unterwegs waren, bei der Erstbesteigung 1938 von Anderl Heckmair. "In solche Zelte würde ich heute nicht einmal meinen Hund reinsetzen", meint Jasper und erzählt, wie er seinen Kindheitstraum wahr gemacht hat: Die Ersteigung der Eiger-Nordwand auf der Heckmair-Route. "Für mich war es einfach unglaublich, dass Heckmaier überhaupt einen Weg gefunden hat, denn dort oben ist es wie in einem Labyrinth." Einen Helm hat Jasper auf seiner ersten Tour dort gefunden, innen blutige Haare: "Das war echt grausig." Vom Weitermachen hat es ihn nicht abgehalten, dieses Zeugnis eines Bergunfalls, 15 Mal habe er den berüchtigten Berg inzwischen erklommen, immer wieder auf anderen Touren. Seine Erfahrung kam einem anderen Bergsteiger zugute: John Harlin III. Sein Vater ist in der Nordwand tödlich verunglückt, die Besteigung mit Jasper als Führer habe ihn von seinem Trauma befreit. Die Bilder dieser Tour, die zusätzlich in dem preisgekrönten Film "The Alps" festgehalten wurden, demonstrieren den Zuschauern eindrücklich die gefährlichen und anstrengenden Situationen, sie zeugen vom Aufgeben ebenso wie vom unvergleichlichen Gipfelerlebnis.

Ebenso beeindruckend und doch mit ganz anderer Botschaft war der Vortrag "Feuerland - Bergsteigen am Ende der Welt" nach der Pause. "Dort, wo noch niemand war, wo ich keinen 500 Menschen beim Bergsteigen begegne, da zog es mich hin." Jasper erzählt von seiner Expedition in eisiger Kälte, auf stürmischer See in den Kanälen hinter dem Kap Horn, an sumpfigen und seifig-schlüpfrigen Bergflächen, bei einem Wetter, das von einer Minute zur anderen wechselt und nie Sicherheit aufkommen lässt. Er berichtet vom kräftezehrenden Aufstieg auf den chilenischen Monte Sarmiento, einem Abstieg, der wegen des plötzlich umgeschlagenen Wetters zum "Höllentrip" wird. "Man verflucht sich schon mal, dass man das auf sich genommen hat. Und doch ist es die Sternstunde eines jeden Bergsteigers", so Jasper, "wenn man nach solchen Touren neue Freunde gefunden hat." Und dann die Bilder dieser wilden, unberührten Natur, getaucht in ein Licht, wie es in unseren Breiten nie erstrahlt. Diese Bilder ließen das Publikum erkennen, was die Faszination des Extrem-Bergsports ausmacht. "Ich bin süchtig nach Bergsteigen und dem Nervenkitzel, aber jeder soll so weit gehen, wie er es für sich selber als richtig erachtet", mahnte Robert Jasper, "Abenteuer fangen vor der Haustür an, zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb."

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