Dicht an dicht geparkte Lastwagen auf Rastplätzen, blockierte Ein- und Ausfahrten – an vielen Rastanlagen entlang deutscher Autobahnen ist das, spätestens wenn es zu dämmern beginnt, der normale Alltag. Häufig suchen Lkw-Fahrer vergebens nach einem Stellplatz, um die ihnen vorgegeben Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten und wissen sich nicht anders zu helfen, als verbotenerweise die Zu- und Abfahrten oder gar Standstreifen zu nutzen.

A8: Lkw-Fahrer ärgern sich über fehlende Parkplätze

Auf dem Autobahnrastplatz Gruibingen scheint die Welt dagegen noch halbwegs in Ordnung zu sein. „Entlang der A 8 ist die Parkplatznot landesweit ein Thema“, weiß Timo Hagenmaier von der Autobahnpolizei in Mühlhausen, fügt jedoch gleich hinzu: „In Gruibingen ist es nicht so dramatisch.“ Es sei dort bisher weder zu schweren Unfällen gekommen, noch sei das Thema ein Dauerbrenner.“ Hin und wieder käme es vor, dass bei den regelmäßig stattfindenden Kontrollen, die zum ganz normalen Streifendienst gehören, ein Lastwagen in der Zu- oder Abfahrt entdeckt werde. „Dann bekommt der Fahrer die Weisung weiterzufahren und von uns geleitet, die nächstmögliche Parkgelegenheit anzufahren.“

Auch die Brummifahrer, die am Samstagabend auf dem Autobahnparkplatz an der Raststätte Gruibingen anzutreffen sind, sind sich einig: „In Gruibingen gibt es mit dem Parken selten Probleme.“ Tatsächlich sind einige freie Lücken zwischen den vielen Lkw zu entdecken. Dort haben es sich Fahrer aus aller Herren Länder in kleinen Grüppchen gemütlich gemacht. Es ist Wochenende, das Wetter ist schön, man gönnt sich ein Fläschchen Bier oder ein Glas Wein. Auf kleinen Grills brutzeln Würstchen und in Töpfen, die auf Gascampingkochern stehen, köchelt es vor sich hin.

Harter Alltag statt Trucker-Romantik

Was nach Trucker-Romantik aussieht, stellt sich schnell als Teil eines harten Alltags heraus. Eine Gruppe polnischer Fahrer versucht mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Deutsch zu verdeutlichen, dass der Gruibinger Parkplatz und die Natur drum herum ein „Daumen hoch“ verdient hätten, wenn da nicht das Problem wäre, dass es weit und breit keine Einkaufsmöglichkeit gibt. „Raststätte viel zu teuer“, macht Oleg deutlich. Er genießt im Gegensatz zu vielen Kollegen zumindest den Luxus, später in einem der Zimmer des Rasthofes übernachten zu dürfen.

Die meisten Fahrer schlafen in ihrem Lkw, können sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie der EU-Beschluss, dass längere Ruhezeiten bald nicht mehr im Lkw verbracht werden dürfen, umgesetzt werden soll. „Kann ich doch Fahrzeug nicht allein lassen“, erklärt ein Fahrer, der wertvolle Autoteile geladen hat und drückt der Fragestellerin, als sie partout keinen Wein mittrinken will, einen Pfirsich in die Hand.

Zu wenig Schlafgelegenheiten an den Raststätten

Das Grüppchen rumänischer Lkw-Fahrer, die die Besucherin auch zum Mitessen und einem Glas Wein einladen, schüttelt ebenfalls verständnislos den Kopf. Einer der jüngeren Fahrer, der recht gut englisch spricht, übersetzt. Das Fahrzeug unbeaufsichtigt lassen? Unmöglich! Außerdem seien Hotelübernachtungen viel zu teuer. Die Schlafgelegenheiten an den Raststätten würden sowieso nicht ausreichen.

Hattenhofen/St. Martin

„Wie soll man denn in ein Hotel kommen? Wir können doch nicht mit den Lkw in die Ortschaften fahren.“ Sie seien ja schon auf Discounterparkplätzen unerwünscht. Wenn sie dort parkten, um einzukaufen, gebe es regelmäßig Theater und häufig werde die Polizei gerufen. „Fahrer mit deutschen Kennzeichen haben da weniger Probleme“, schildert der junge Rumäne die Situation. „In Raststätten ist es ähnlich. Wenn wir ins Restaurant gehen, werden wir oft komisch angeglotzt. Aber wir sind auch Menschen, die essen und trinken müssen.“

Trucker wünschen sich mehr Verständnis, genügend Parkplätze, Einkaufsmöglichkeiten

Es sei nicht sein Wunsch, am Wochenende mit Kollegen zusammensitzen, die er bis vor ein paar Stunden noch gar nicht kannte. „Ich wäre auch lieber bei meiner Familie“, erklärt er, aber ich habe keine andere Wahl. Rumänien ist ein armes Land, und ich muss irgendwie Geld verdienen. Also werden die Kinder ohne mich groß und meine Frau ist alleine daheim.“

Ein bisschen mehr Verständnis, genügend Parkplätze und zu Fuß erreichbare Einkaufsmöglichkeiten in Nähe der Rastplätze, würden die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Lkw-Fahrer mehr verbessern, als Ideen wie die Ruhezeit außerhalb der Fahrerkabine zu verbringen, sind sich die rumänischen Brummifahrer einig.