Eislingen "Wo gestritten wird, freut sich der Archivar"

Das Eislinger Stadtarchiv hat einige Besonderheiten zu bieten. Martin Mundorff ist auf die Pergamenturkunden besonders stolz. Foto: Iris Ruoss
Das Eislinger Stadtarchiv hat einige Besonderheiten zu bieten. Martin Mundorff ist auf die Pergamenturkunden besonders stolz. Foto: Iris Ruoss
Eislingen / IRIS RUOSS 14.08.2013
Archivarbeit ist spannend und vielfältig. Wir stellen verschiedene Archive im Landkreis, die "Archivarbeiter" und besondere Schmuckstücke vor.

Wer im Eislinger Stadtarchiv stöbern möchte, der muss ins Dachgeschoss der Alten Post hochsteigen. "Das Archiv ist vor elf Jahren vom Rathaus in die Alte Post umgezogen", berichtet Archivar Martin Mundorff, der in den späten 90er Jahren in die Eislinger Archivarbeit eingestiegen ist und die bereits bestehende Ordnung und Verzeichnung der Akten weitergeführt hat. "Geleitet wurde das Eislinger Stadtarchiv von 1961 an von Rainer Weiler, der das Archiv fast bis zu seinem Tod ehrenamtlich betreut hat", erklärt der Archivar. Er selbst sei eher zufällig dazu gestoßen, als der ehrenamtliche Archivar seine Hilfe anfragte. Das erste Findbuch, in dem der Bestand akribisch verzeichnet ist, wurde 1963 angelegt. Das älteste Dokument und zugleich eines der Schätze im Archiv ist eine Pergamenturkunde aus dem Jahr 1518. Pergamenturkunden sind die ältesten, schriftlichen Überlieferungen. Die Urkunde aus dem Jahr 1518 ist noch in gotischer Schrift verfasst, die Martin Mundorff fließend lesen kann. "Es ist sozusagen ein Darlehensvertrag", erklärt Mundorff. Niedergeschrieben ist ein Darlehen für den Hohenstaufener Bürger Ottmar Ziegler, dem damals die Kirchenkasse Großeislingen Geld lieh und der dafür Haus und Grund verpfändet hat. Im Bestand des Eislinger Archivs finden sich insgesamt elf Pergamenturkunden. "Ein bemerkenswerter Bestand für ein solch kleines Archiv", meint Mundorff.

An den Urkunden könne man sehr gut die strukturellen Veränderungen ablesen, den Weg weg von der bäuerlichen Struktur, hin zur Industrialisierung. Martin Mundorff holt die nächste Pergamenturkunde her, an ihr hängt noch das Siegel der Fürstbischöfe von Würzburg, mit dem ein Vertrag zwischen dem Bischofstum und der damaligen Eislinger Brauerei besiegelt wurde. Mundorff zeigt auf 150 laufende Meter Material, das im Eislinger Stadtarchiv gelagert ist, akribisch geordnet nach Bänden, Urkunden, Karten, Plänen und losen Akten. "Wo gestritten wird, freut sich der Archivar", meint Mundorff schmunzelnd und holt eine Zeichnung aus dem Jahr 1741 heraus. Die Zeichnung zeigt den kompletten Verlauf der Fils auf der Gemarkung Eislingen. "Eine Art Flächenplan", erklärt der Archivar. In Auftrag gegeben wurde der Plan, weil sich mehrere Landwirte, alles Anrainer der Fils, wegen Flächennutzungen in die Haare gekriegt hatten. Geschichtlich sei der Plan wertvoll, denn man könne genauestens ablesen, wie die damaligen Verhältnisse waren. Mundorff: "Das ist sozusagen eine Momentaufnahme der Geschichte, etwa in punkto Bebauung der Stadt". Historisches und Rechtliches wird im Archiv verwahrt, denn auch die gesammelten Gemeinderatsakten gehören zum Inventar. "Wir nehmen auch gern interessantes Material von Privatpersonen, etwa aus Nachlässen oder von Vereinen an", sagt der Archivar. Viele Ordner sind mit dem Eislinger Amtsblatt, der heutigen Eislinger Zeitung, gefüllt. Ab 1908 sind alle Ausgaben lückenlos vorhanden. Das Eislinger Stadtarchiv erfreut sich bei den Interessierten steigender Nachfrage. "Ahnenforscher", nennt Martin Mundorff nur ein Beispiel. Aber auch Schulklassen kommen regelmäßig zu Besuch.

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