Wirtschaft Mitarbeiter der SAM fordern bei Warnstreik mehr Lohn

Thomas Hehn 07.06.2017
Die Beschäftigten der Firma SAM wollen mehr Lohn. Am Mittwoch rief die IG Metall dafür zum Warnstreik auf. Der erste in der Geschichte des Automobilzulieferers.

Sturmböen fegen über die Alb und peitschen kräftige Regenschauer vor sich her. Auch der neuen Geschäftsführung der Firma SAM Automotive Group (früher Binder) bläst ein heftiger Gegenwind ins Gesicht: Rund 150 Beschäftigte des Automobilzulieferers haben sich vom dem Werkstor auf den Heidhöfen bei Böhmenkirch versammelt, um mit einem Warnstreik für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. In IG-Metall-Westen gepackt verleihen sie ihren Forderungen mit Trillerpfeifen ohrenbetäubenden Nachdruck. „Wir lassen uns nicht weiter verarschen“, fasst IG-Metall-Sekretär Manuel Schaefer die Enttäuschung der Mitarbeiter zusammen.

Als die Gebrüder Binder ihr Unternehmen  im Februar vergangenen Jahres an die Firma Bregal verkauften, keimte zunächst Hoffnung auf bei den rund 1500 Beschäftigten, dass sich mit dem neuen Besitzer endlich auch Arbeitsbedingungen und Löhne in den zehn Werken verbessern. Mit einer bis Jahresende laufenden Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und IG Metall schien ein erster Schritt dazu gemacht.  Als dann im Februar die ersten Verhandlungen für einen Haustarifvertrag bei SAM begannen, wurden die Hoffnungen allerdings enttäuscht.

 So sieht es jedenfalls die IG Metall. „Nach fünf gescheiterten Verhandlungsrunden wollen wir endlich ein Angebot, das die Menschen respektiert und mit dem sie am Ende des Monats auch mehr  Geld in der Tasche haben“, ruft Gewerkschafter  Schaefer der johlenden Menge zu. Nachdem er die Forderungen der IG Metall und das „nicht verhandelbare Angebot“ der Geschäftsführung kurz erläutert hat (siehe Info), wird Schaefer kämpferisch: „Wir wollen nicht die Krümel und Brosamen, die vom Tisch fallen wie früher bei Binder“, tönt der Gewerkschafter und erinnert die Chef­etage daran, dass es ohne die Beschäftigten nicht geht und die im Kampf um mehr Lohn und Gerechtigkeit bei SAM auch zusammenstehen wollen: „Einen Finger kann man brechen. Fünf Finger bilden eine Faust – und die kann auf den Tisch  hauen.“

Als gegen 13.45 Uhr die Spätschicht eintrifft, schließen sich weitere Mitarbeiter den Streikenden an. Das spornt den Betriebsratsvorsitzenden Alexander Bechtle zusätzlich an: „21  Jahre haben die Mitarbeiter auf diesen Augenblick warten müssen“, erinnert Bechtle an die historische Bedeutung des ersten Warnstreiks in der Geschichte der Firma Binder/SAM. Der Betriebsrat sieht das als besondere Verpflichtung: „Für den ganzen Staub, den wir schlucken, und die Überstunden muss eine gerechte Lohnerhöhung her. Dafür werden wir kämpfen.“

SAM: Die Firma, die Forderungen und das Angebot

Unternehmen SAM Automotive ist einer größten Zulieferer für Zierleisten und Dachreelings in der Automobilbranche. Zu den Kunden gehören Premium-Marken wie VW, Audi, Mercedes und BMW. Eigenen Angaben zufolge lag der Umsatz im Jahr 2015 bei  290 Millionen Euro.  SAM beschäftigt in zehn Werken insgesamt 2400 Leute. Davon sind nur 1500 fest angestellt. Weitere 500 sind Leiharbeiter und zirka 400 über Werkverträge Beschäftigte.

Forderungen Für den neuen Haustarifvertrag bei SAM fordert die Gewerkschaft:
· Lohnerhöhungen in Höhe von 70 Cent pro Stunde in einer ersten Stufe und weitere 70 Cent, um unterschiedliche Löhne anzugleichen.
 · Ein nach Betriebszugehörigkeit gestaffeltes Weihnachtsgeld, das nach dem ersten Jahr 400 Euro und ab dem 5. Jahr 1300 Euro beträgt.
· Ein einheitliches Urlaubsgeld in Höhe von 50 Prozent pro Urlaubstag für alle Beschäftigten ohne Abzug für Krankheitstage.

Angebot Die Geschäftsführung bietet ab 2018 eine Lohnerhöhung von 9,20 auf 9,50 Euro für Mitarbeiter ab einem Jahr Betriebszugehörigkeit und 9,75 Euro ab fünf Jahren bei der SAM. Das Weihnachtsgeld wurde bereits im vergangenen Jahr vereinbart und liegt derzeit bei 400 Euro und  600 Euro (ab fünf Jahren Betriebszugehörigkeit). Die Berechnung des Urlaubsgeldes ist Personalchefin Martina Klein zufolge kompliziert. Klar ist dafür, dass Krankheitstage und Fehlzeiten nicht mehr vom Urlaubsgeld abgezogen werden.