Wangen "Weltpremiere" neuer Bienzle-Geschichten

Felix Huby las in der Bücherei von Wangen aus seinem neuen Krimi mit Kommissar Bienzle und aus dem autobiografischen Roman "Heimatjahre".
Felix Huby las in der Bücherei von Wangen aus seinem neuen Krimi mit Kommissar Bienzle und aus dem autobiografischen Roman "Heimatjahre". © Foto: Staufenpress
ANNEROSE FISCHER-BUCHER 11.09.2015
Volles Haus für den bekannten Autor Felix Huby in Wangen, der mit Ausschnitten aus seinem Roman "Heimatjahre" und neuen Fällen von Kommissar Bienzle sein Publikum in den Bann zog.

Fast noch druckfrisch ist Felix Hubys neuestes Buch mit dem Titel "Gestatten, Bienzle, Pensionär" mit Geschichten des beliebten Kommissars, den Dietz-Werner Steck zwischen 1992 und 2007 in 25 Tatort-Verfilmungen verkörperte und mit dem Huby freundschaftlich verbunden ist. "Es ist eine Hommage an ihn, aber er kann sie aufgrund seiner Krankheit leider nicht mehr wahrnehmen", sagte Huby, bevor er drei Geschichten des Kommissars, der es auch im Ruhestand einfach nicht lassen kann, vorstellte.

"Oh je, da hat's aber Leut", hatte der Autor sichtlich erfreut gesagt, als er den vollen Saal unter der Gemeindebücherei in Wangen betrat, setzte seine Brille auf und fing an, aus seinem Roman "Heimatjahre" zu lesen. Der Roman, der zwischen 1944 und 1960 spielt, sei autobiographisch, "ohne dass die Hauptfigur ich sein muss". An Weihnachten 1946 helfen die Kinder Luise Ebingers nach anfänglichem Zögern einer Flüchtlingsfamilie mit Holz und selbst gestrickten Socken, den bitterkalten Winter zu überstehen. Der geschäftstüchtige Bauer Schätzle, der sich beim Holzbeschaffen zu helfen weiß und die Kinder lehrt, mehr Luft als Holz in die zu verkaufenden Säcke zu füllen, die kleine Episode um die Care-Pakete, die die Familie Ebinger aus Amerika bekommt, oder die Geschichte um den Lederball, der die Saublase ersetzen sollte, sich jedoch als ein eiernder American Football herausstellt, spiegelten seine damaligen Erfahrungen, so Huby.

Und die Begebenheiten seien nicht erfunden. Die subtile Erzählkunst in den Dialogen, die Lust am Fabulieren, das Wechselbad zwischen Tragischem und Komischen, die durchs Schwäbische über das Lokalkolorit hinausgehenden Charakterisierungen, vor allem aber die Mischung aus Fiktion, erlebter Realität und Aktualität faszinierte dabei die Zuhörer.

In der Pause hatte sich Huby leutselig unter die Leute gemischt und bei einem Glas Sekt und Salzstangen mit ihnen geplaudert und Bücher signiert, bevor er in der zweiten Hälfte der Lesung Bienzle wie beiläufig Fälle lösen lässt. In der Story "Ein Birnbaum in seinem Garten stand" wiegt der Autor seine Zuhörer zunächst wie Fontane in einer behäbigen, fast wohligen Atmosphäre, bevor Rombach auf seinem "Gütle" Knall auf Fall seine Frau mit dem Spaten erschlägt. "Das war's", sagt Huby und geht zur nächsten Kurzgeschichte, die von einem Bankraub in Häslach handelt, jedoch in Florenz in einem kleinen Hotel mit Blick auf das alte Gemäuer eines Nonnenklosters, in dessen Rosengarten ihm eine Eule Gesellschaft geleistet habe, geschrieben worden sei. Tiefsinniger Humor und analytische Erzählführung auch in der Geschichte "Der Sündenbock", bei der der Hörer schon längst den Mörder erahnen kann, bevor ihn Bienzle überführt.

Seine Figuren führten ein Eigenleben und er brauche eigentlich nur hinterher zu schreiben, antwortete Huby auf die Fragen der Zuhörer, und beim Film sei das Schlimme, dass so viele Leute mitredeten. "Sie haben uns heute mit einer Weltpremiere ganz besonders verwöhnt", bedankte sich die Leiterin der Bücherei, Monika Henninger, die den Autor nach Wangen geholt hatte, und die Zuhörer klatschten begeistert Beifall.