Adelberg "Viva Voce": Die Kraft der fünf Stimmen

Farbenfroh präsentierte sich die A-cappella-Gruppe "Viva Voce" am Sonntagabend bei den Freilichtspielen Adelberg.
Farbenfroh präsentierte sich die A-cappella-Gruppe "Viva Voce" am Sonntagabend bei den Freilichtspielen Adelberg. © Foto: Sabine Ackermann
SABINE ACKERMANN 14.07.2015
Fein ausbalancierte Klangkörper, die keine Begleitband brauchen. Gleichwohl "selbst gemacht" sind Instrumente sowie viele ihrer Lieder. "Viva Voce" - eine A-cappella-Band in purer Perfektion.

Setzen! Eins! Auch bei ihrem zweiten Auftritt im Kreis Göppingen haben "Viva Voce" ihre "mündliche Prüfung" locker bestanden. Zwar verwandelte sich die Klosterfestwiese in Adelberg nicht in ein Tollhaus wie bei der Premiere im Alten E-Werk in Göppingen, doch gefallen hat es dem Publikum allemal. Erst mal genau hinhören, ein wenig sacken lassen, um dann am Ende in stehenden Ovationen Zugaben einfordern. Wer die A-cappella-Gruppe "Viva Voce" zuvor noch nie gehört hatte, war vielleicht ein wenig überrascht oder gar enttäuscht, dass relativ wenig bekanntes Liedgut dabei war. Das Quintett haut nicht nur die Töne raus, sondern schreibt auch eigene Lieder.

Und weil alle nicht nur tonal mit Talent gesegnet sind, greift jeder Mal zur Feder. Nach dem Motto: Jeder kann, keiner muss. Soll heißen, singt einer hingebungsvoll sein Solo, agiert der Rest mit den üblichen Begleitinstrumenten einer A-Cappella-Gruppe. Dabei geht jeder Sänger musikalisch und technisch in die Extreme und enthüllt zahlreiche, sehr individuelle Facetten seiner Persönlichkeit. Manche drücken das zudem mit ihrem Kleidungsstil aus. Mit einer pfiffigen Bühnenpräsenz singen sie sich mit gehaltvollen oder humorigen Titeln wie unter anderem "MC Schuhbeck" in die Herzen der Zuschauer.

Im stetigen Wechsel - jeder steht mal im Rampenlicht - präsentiert sich die A-cappella-Boyband von "Viva Voce" aus Ansbach frech und stimmlich extrem zwischen mehreren Oktaven. Nach dem Motto "hier ist er Bass, hier darf er sein", dringt Heiko Benjes in gesangliche Tiefen hervor, die selbst Rocker Heino das Fürchten lehrt.

In die entgegengesetzte Richtung geht es bei David Lugert, der weder Probleme mit dem hohen "C" noch mit seinem Modegeschmack hat. Im feinen Zwirn und adretter Frisur verkörpert er den typischen charming Boy(Group)-Typ. Seinem Namen alle Ehre macht Bastian Hupfer, weil er augenscheinlich das beste Bewegungsrepertoire drauf hat.

Der beste Geräuschemacher schlechthin ist Jörg Schwartzmanns, alles echt und mundgemacht. Mateusz "Mate" Phouthavong ist der Mann der leisen Töne und mit dem meisten Soul in der Stimme.

Das Quintett vereint Witz, Charme, aber auch nachdenkliche Töne miteinander so grandios, dass sogar die Klostervögel mitzwitschern oder voller Ehrfurcht gar davon fliegen. Die ehemaligen Sänger des Windsbacher Knabenchors bestechen durch ihr virtuoses Sängertum, kombinieren das mit Beatbox-Effekten und bringen die Ergebnisse ihrer humoristischen Grundeinstellung mit einer großen Dosis beißender Selbstironie auf die Bühne.

Es war ein außergewöhnlicher Konzertabend, vor dem sogar der Regen Respekt hatte. Quasi mit dem Schlussakkord fing es am Sonntagabend erst an zu tröpfeln.