Uhingen "Verrückten Zeiten" entgegenreiten

Gerald Buß vor seinem "Festspielhaus" respektive "Festspielhof". Gleich drei aufwendige Eigenproduktionen stemmt der Künstlerische Leiter für das Ende Juli anstehende Sommerfestival "Musik auf Schloss Filseck".
Gerald Buß vor seinem "Festspielhaus" respektive "Festspielhof". Gleich drei aufwendige Eigenproduktionen stemmt der Künstlerische Leiter für das Ende Juli anstehende Sommerfestival "Musik auf Schloss Filseck". © Foto: Sabine Ackermann
Uhingen / SABINE ACKERMANN 10.07.2014
In einer Porträtserie stellen wir Menschen vor, die seit Jahren zum Erfolg des Sommerfestivals auf Schloss Filseck beitragen. Heute: der Künstlerische Leiter Gerald Buß.

Gerald Buß und das Sommerfestival gehören zusammen wie Schloss Filseck und Uhingen. "Wenn ihr fünf Jahre durchhaltet, dann läufts!", so lautete der Rat von Freunden und Förderer, als Gerald Buß mit seinem kleinen Team im Jahr 1995 die "Konzertwoche mit alter und neuer Musik" ins Leben rief. Verrückte Zeiten sind das damals gewesen. Heuer steht bereits die zwanzigste Auflage des Sommerfestivals auf Schloss Filseck an.

Viele Größen und mehr als 75.000 Zuschauer haben sich seit 1995 die Ehre gegeben. Wenn es nach Ideengeber Gerald Buß und den etwa 170 Mitgliedern des Vereins "Musik auf Schloss Filseck" geht, darunter 100 ehrenamtliche Festivalhelfer, kann es mit den "Verrückten Zeiten" geradeso weitergehen. Gleich drei Eigenproduktionen stemmt der Künstlerische Leiter neben seiner Arbeit als Kirchenmusik sowie vielen anderen Musikprojekten - und wirkt im Gespräch doch immer locker und entspannt. Die Jüngsten dürfen sich auf ein witziges Zirkus-Musical freuen. Mit Bachs wuchtiger h-Moll-Messe bieten der Kammerchor Capella Nova und namhafte Solisten feinen Hörgenuss in der Oberhofenkirche. Ob die Titanic dem Fluch der Karibik verfällt oder King Kong und der Gladiator sich gemeinsam im Skyfall üben, mit sinfonischer Kinomusik, umrahmt von Filmausschnitten auf Großleinwand, kommt beim Abschlusskonzert allemal Hollywood-Glamour ins untere Filstal.

Für den 50-jährigen Kirchenmusikdirektor ist das Programm dank medienpräsenter Künstler wie den Berlin Comedian Harmonists oder des Ukulele Orchestra of Great Britain allererste Sahne. "Kritik wird es immer geben. Aber wir wollen die Eintrittspreise im Rahmen halten. Waren damals noch Klaus Maria Brandauer oder Max Raabe und sein Palastorchester finanzierbar, kosten sie heute das Dreifache", so Gerald Buß. Selbst wenn die stimmbandgeplagte Rezitation Senta Bergers aus Vivaldis und Piazzollas acht Jahreszeiten und deren Ungezwungenheit seit 2003 in Erinnerung bleiben, gelte es obendrein, Nischen zu besetzen. "Für uns ist wichtig, auch Unbekanntes zu Gehör zu bringen und Mut zeigen, indem wir dem Nachwuchs Chancen einräumen, ihn fördern und fordern."

Inspiration und Entspannung findet der gebürtige Albershäuser bei seiner Frau Barbara Riede, den zwei erwachsenen Kindern sowie auf dem Rücken seines Wallachs Rentano, auf dem er nach täglichem Striegeln im Morgengrauen über einsame Feldwege neuen verrückten Zeiten entgegen reitet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel