Anderthalb Ananas, fünf Schalen Erdbeeren, drei Früchtebecher, eine kleine Kiste Pastinaken, drei etwas „lätschige“ Paprika, fünf Bananen und Birnen. Je nach Geschäft dürfte man etwa 25 Euro dafür bezahlen. Hanna Kahindi bekommt es beim Obst- und Gemüsestand Reicherter auf dem Wochenmarkt gratis und sogar noch ein freundliches Lächeln dazu geschenkt.

Lebensmittel vor dem Müll retten

Bei ihrem „Einkauf“ handelt es sich um Ausschussware, welche die Standbetreiber nach dem Markttag weggeschmissen hätten. Nun ist die 33-Jährige keineswegs bedürftig. Hanna Kahindi ist „Botschafterin“ von „Foodsharing“ (wörtlich: „Essen teilen“) für den Raum Kirchheim und bezeichnet sich als  „Lebensmittelretter“. Diese kümmern sich um Nahrungsmittel, die aussortiert worden sind, weil sie Druckstellen oder ein schrumpeliges Äußeres haben, aber trotzdem noch genießbar sind. „Man weiß natürlich nie, was man bekommt. Da muss man den Speiseplan etwas anpassen“, sagt Christiane Gebecke, die Hanna Kahindi an diesem Tag unterstützt. Als Konkurrenz zu den Tafeln sehen sich die Foodsharer aber nicht. „Die haben immer Vorrang“, sagt David Jans vom Foodsharing-Vorstand in Stuttgart.

Es ist unter den Lebensmittelrettern verpönt, mit einem festen Speiseplan zu kommen und Spenden auszuschlagen, weil man keinen Appetit darauf hat. Nehmen was kommt, heißt die Devise. Darum muss jeder Aspirant auf den Job als Lebensmittelretter zuvor einen Fragebogen ausfüllen, ob er sich wirklich mit den Zielen der Bewegung identifiziert. Händlerin Catrin Schadt freut sich über die Abnehmer. „Die Kunden erwarten top-frische Ware“, sagt sie. Da müsse viel aussortiert werden, obwohl es noch perfekt genießbar sei.

„Unser Ziel ist es, überflüssig zu werden“

„Unser Ziel ist es, überflüssig zu werden“, sagt Kahindi. Tatsächlich zeige sich, dass sie von den Unternehmen, wo sie Nahrung abholen, immer weniger bekommen. Offenbar animiere es zum sparsamen Umgang mit Essen, wenn jemand das Übriggebliebene abholt.