Gingen "Nicht alles reglementieren"

Gingen / HARTMUT ALEXY 13.11.2014
Aus der Debatte über eine einzelne verkehrsberuhigte Zone wurde in Gingens Gemeinderat eine Grundsatzdiskussion: Soll alles reglementiert werden?

Seit vier Jahren gilt in ganz Gingen - mit Ausnahme der Straßen im Immenreich, der Brunnenstraße im Gewerbegebiet und der Bundesstraße 10 - Tempo 30. Das war damals Bürgermeister Marius Hick zufolge der Wunsch der meisten Bürger und auch die Verkehrsschau des Landkreises hielt eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung für sinnvoll. Als es am Dienstagabend im Gemeinderat aber um die Frage ging, ob die Friedrichstraße zur verkehrsberuhigten Zone gemacht werden sollte, in der man nur Schritttempo fahren darf, wurde aus der Debatte über einen Einzelfall schnell eine Grundsatzdiskussion. Zum Schluss stellte Gemeinderat Hagen Gunzenhauser (SPD) die Frage: Würde eine verkehrsberuhigte Zone überhaupt etwas bringen? Er selbst bezweifelte das und die meisten seiner Kollegen schienen ähnlich zu denken. Keine der vorgeschlagenen Varianten bekam eine Mehrheit. Nun bleibt in der Friedrichstraße auch nach der Sanierung alles beim Alten.

Gerade die 2015 geplante Kanal- und Straßensanierung hatte das Rathaus nämlich dazu gebracht, über eine Verkehrsberuhigung nachzudenken. Die Friedrichstraße sei übersichtlich angelegt, also würden hier viele Autofahrer weit über Tempo 30 hinaus beschleunigen, argumentierte Bürgermeister Marius Hick im Gemeinderat. Kämmerer Rainer Kienbacher erläuterte die Möglichkeiten, dem zu begegnen:

Die sieben Meter breite Fahrbahn wird durch vier oder fünf Baum- oder Pflanzinseln auf dreieinhalb Meter Breite gebracht.

Zum selben Zweck vier oder fünf Baum- oder Pflanzkübel als "ortsveränderliche Hindernisse" am Fahrbahnrand.

Links und rechts abwechselnd Parkbuchten markieren.

"Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit, etwas ohne wesentliche Mehrkosten zu tun", sagte der Bürgermeister. Doch die Gemeinderäte hatten allerlei Bedenken. Hagen Gunzenhauser sagte schließlich: "Ein überwachtes Tempo 30 müsste hier doch auch reichen." Die Friedrichstraße sei im Übrigen schon schmal genug. Und: "Man muss nicht alles herunterregeln, was uns nicht passt."