Uhingen Wittlinger möchte 2021 wieder antreten

„Immer wenn Veränderungen kommen sollen, ist ein Stück weit Angst dabei“: Für den Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger ist Stillstand dennoch keine Alternative.
„Immer wenn Veränderungen kommen sollen, ist ein Stück weit Angst dabei“: Für den Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger ist Stillstand dennoch keine Alternative. © Foto: Staufenpress
Uhingen / Ingrid Zeeb 23.08.2018
Uhingens Bürgermeister Matthias Wittlinger möchte die angestoßenen Projekte in den nächsten Jahren weiter begleiten.

Herr Wittlinger, macht Ihnen Ihr Job noch Spaß?

Matthias Wittlinger: Ja, nach wie vor. Es ist das sehr Spannende an diesem Beruf, dass man jeden Tag, jede Woche, jeden Monat neue Aufgaben bekommt.

Verderben Ihnen die Proteste gegen das Baugebiet Weilenberger Hof 3 und gegen den Gewerbepark Fils im Gebiet Strut nicht die Freude an der Arbeit?

Es gibt Unterschiede zwischen Weilenberger Hof und Strut. Weilenberger Hof war im Großen und Ganzen eine relativ sachliche Diskussion. Da haben wir mit der Strut eine neue Qualität erreicht, wo bei einer Infoveranstaltung jegliche Sachlichkeit außer Acht gelassen wurde. Aber das ist nichts, was an mir persönlich hängen bleibt. Da kann ich zum Glück zwischen Amt und Person unterscheiden.

Wie sieht Ihre persönliche Zwischenbilanz nach 13 Amtsjahren aus?

Ich habe mal bei meiner Wiederwahl 2013 überprüft, was wir auf die Agenda gesetzt hatten für Uhingen und was tatsächlich erreicht wurde. Ich war damals schon überrascht, dass fast 100 Prozent der Ziele erreicht waren.

Zum Beispiel?

Wir haben viel gemacht, was den Bereich Ehrenamt betrifft, den Bürgerbusverein und eine ehrenamtliche Demenzgruppe gegründet, mit der Lokalen Agenda Kinderkulturtage gemacht und die Feuerwehr top aufgestellt. Im Bereich Stadtentwicklung ist viel gelaufen. Als ich gekommen bin, war noch der Bahnhof da mit einem Bahnhofsvorplatz, der wie ein Güterbahnhof war mit all den Verschmutzungen. Das ist saniert. Dann haben wir den Rückbau der B 10 fertiggestellt, haben Bauland entwickelt und konnten kleine Gewerbeflächen entwickeln.

Und in den letzten fünf Jahren?

Wir haben gemeinsam mit den Bewohnern im Oberdorf das Projekt „Soziale Stadt“ umgesetzt, das ist sehr gut gelungen. Das zweite große Projekt war die Stadtentwicklung 2030. Da haben wir in zahlreichen Workshops die unterschiedlichsten Bereiche von Uhingen angeschaut, sowohl die Flächenentwicklung aber auch Themen wir Sport, Ehrenamt, ÖPNV, die Versorgung der Teilorte. Daraus haben wir jetzt eine Riesen-Agenda mit 180 Punkten, die wir in den nächsten zwölf Jahren umsetzen dürfen.

Was war die wichtigste Entscheidung in Ihrer bisherigen Amtszeit?

Eine herausragende Entscheidung war sicherlich, dass Uhingen sich im Herbst 2015 der Aufgabe der Flüchtlingsunterbringung stellte. Damals war überhaupt nicht klar, wie das läuft, wie viele Menschen kommen, welche Aufgaben wir als Kommune bekommen. Damals hat der Gemeinderat eine gute Entscheidung getroffen, obwohl viel Druck aus der Bevölkerung da war, diese Aufgabe nicht zu übernehmen. Eine zweite sehr wichtige Entscheidung war die Schulentwicklung. Wir haben im Verglich mit anderen Kommunen keine Rückschritte gemacht, sondern sind vorwärtsgegangen.

Wo lief es nicht so gut, wo gab es Hindernisse?

Es wird immer schwieriger, Veränderungen zu erreichen. Wirtschaftlich ist es uns noch nie so gut gegangen wie heute. Aber immer wenn Veränderungen kommen sollen, ist ein Stück weit Angst dabei, dass es einem dann nicht mehr so gut gehen könnte. Das haben wir im Weilenberger Hof erlebt. Das ist ein extrem wichtiges Projekt für Uhingen, und die Mehrheit der Bevölkerung sieht es genauso. Aber die unmittelbar Angrenzenden hatten Angst, dass es für sie schlechter wird. Überzeugungsarbeit zu leisten, ist ein immer größerer Teil unserer Arbeit.

Uhingen steht gut da. Warum gibt es hier trotzdem so ein großes Protestpotenzial?

Man könnte ja jetzt sagen, wir lassen einfach alles so wie es ist. Wenn wir Bauland entwickeln, dann haben wir Flächenverbrauch, dann haben wir einen Eingriff in die Natur und im Zweifelsfall mehr Verkehr. Ich bin aber fest überzeugt, wenn wir heute stehenbleiben würden in der Entwicklung, wären wir irgendwann ganz hinten. Im Bereich Stadtentwicklung schläft keine der Nachbarkommunen. Wir müssen bei all dem natürlich aufpassen, dass wir nicht sinnlos Fläche verbrauchen.

Werden im Uhinger Gemeinderat zu wenige Konflikte offen ausgetragen?

Die Bevölkerung braucht ein gewisses Vertrauen in die politischen Gremien. Konflikte auf der sachlichen Ebene haben wir in Uhingen immer wieder. Es wird aber nie persönlich, und darüber bin ich sehr froh und dankbar. Wir haben in Uhingen eine gute Kultur, dass die Verwaltung sich korrigiert, wenn der Gemeinderat sagt, ihr seid auf der falschen Spur. Jüngstes Beispiel war der Kreisverkehr bei der Firma Allgaier. Ich hätte den gern gehabt aus städtebaulichen Gründen und aus Überlegungen der Wirtschaftsförderung heraus. Aber der Gemeinderat sagte, für ihn stimmen die Rahmenbedingungen nicht.

In Uhingen wird viel nichtöffentlich vorberaten . . .

Das ist in der Tat so.

Uhingen hat eine sehr gute, aber auch teure Infrastruktur: Hallenbad, Freibad, Uditorium als Schlagworte. Wie kann die Stadt diese Infrastruktur erhalten und trotzdem so ehrgeizige Projekte wie das Sportzentrum am Haldenberg  verwirklichen?

Wir haben drei Säulen der Finanzierung: die Steuereinnahmen der Stadt Uhingen, die Steuerzuweisungen der Länderebene und das dritte ist der Entwicklungsvorteil, wenn wir Bauland ausweisen oder ähnliches. Die Steuereinnahmen sind gut, und aus der Baulandentwicklung schauen wir, dass wir jährlich zwischen 500 000 und einer Million Euro für Investitionen in den Haushalt spülen. Unter diesen Rahmenbedingungen haben wir zwischen vier und sechs Millionen, vielleicht auch sieben Millionen Euro Luft. Das brauchen wir für den Unterhalt des Bestandes, und wir haben noch etwas übrig für Neuinvestitionen, in der Größenordnung von einer Million, wenn es so läuft wie in den letzten Jahren.

Was heißt das für das Sportstätten-Konzept?

Wir haben das Sportstätten-Entwicklungskonzept grob auf 15 Millionen Euro taxiert. Das wären 15 Jahre, um es zu verwirklichen. Das geht natürlich nicht, deshalb hat der Gemeinderat Prioritäten gesetzt und gesagt, der Rasenplatz in Sparwiesen muss kommen, und das Sportzentrum am Haldenberg muss um einen Kunstrasenplatz erweitert werden. Dann sind wir bei drei bis dreieinhalb Millionen Euro, die wir dieses und in den nächsten zwei Jahren investieren. Und dann müssen wir schauen. Es gibt ja noch weitere Projekte, zum Beispiel die Kirchstraße 1, deren Sanierung zwei Millionen Euro kosten wird. Es muss politisch entschieden werden, was man als nächstes macht. Wir werden nicht das gesamte Sportstätten-Konzept in einem Rutsch umsetzen können.

Wo kann Uhingen sparen?

Wo man immer sparen kann, ist im Service. Wir haben steigende Ausgaben in der Stadtpflege, weil die Leute leider immer mehr wegschmeißen. Mit jeder neuen Grünanlage, die man ja auch will, um Uhingen grüner zu machen, ist zusätzlicher Pflegeaufwand verbunden. Da könnte man natürlich sagen, man macht nur das Notwendigste. Einen Grüngutplatz muss man auch nicht zwingend betreiben, aber wenn man das nicht macht, leidet der Bürger darunter. Auch die Bäder sind ein solches Thema. Aber wir sind zum Glück in der Lage, dass wir es uns leisten können.

Sie sind nicht nur Bürgermeister, sondern auch CDU-Kreisrat, Kreisjägermeister, Vorsitzender des Bürgerbusvereins, des Krankenpflegevereins, des Zweckverbands Gewerbepark Fils und und und. Wie bekommen Sie all das unter einen Hut?

Das geht gut. Vieles davon hängt ohnehin ein Stück weit am Bürgermeisteramt, zum Beispiel der Bürgerbus. Ich habe extrem gute Stellvertreter im Verein, die viel Arbeit übernehmen. Dasselbe gilt für die Kreisjägervereinigung. Im Kreistag zu sein, ist wichtig für einen Bürgermeister. Es gibt da ja unterschiedliche Ansichten, manche sagen, es sollen keine Bürgermeister in den Kreistagen sitzen. Aber man ist einfach am Ball und bekommt Informationen sehr frühzeitig. Das tut auch der Stadt Uhingen gut. Aber es ist zeitaufwendig und braucht Disziplin.

Haben Sie eigentlich noch ein eigenes Jagdrevier?

Sogar zwei. Eines in meiner Heimatstadt Geislingen und eines hier im Nachbarort in Wangen. Aber auch da ist es so, dass gute Leute dabei sind, die nach dem Rechten schauen. Ich kann sicher keine zehn Stunden jede Woche für jedes Revier aufbringen.

Fast zwei Drittel Ihrer zweiten Amtszeit sind schon um. Wie stehen die Chancen, dass der Uhinger Bürgermeister nach 2021 auch Matthias Wittlinger heißt?

Wer gewählt wird, ist natürlich offen. Aber ich werde antreten. Wir haben viele Projekte laufen, die sicher über das Jahr 2021 hinaus Begleitung brauchen, die mir persönlich sehr wichtig sind und die Uhingen voranbringen. Wenn es funktioniert, würde ich gern noch eine dritte Amtsperiode anhängen.

Jurist, CDU-Kreisrat und Kreisjägermeister

Matthias Wittlinger ist seit 13 Jahren Bürgermeister von Uhingen. Der 46-Jährige sitzt außerdem für die CDU im Kreistag und ist Vorsitzender der Kreisjägervereinigung.

Abitur machte er 1992 am Geislinger Helfensteingymnasium. Im Jahr 2000 legte der Jurist sein zweites Staatsexamen ab. Bevor er 2005 in Uhingen gewählt wurde, war er parlamentarischer Berater im Landtag in Stuttgart.

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