Bad Boll / HANS STEINHERR  Uhr
Facebook, Apple oder Google haben unsere Welt auf revolutionäre Weise verändert. In der Reihe "Boller Unternehmergespräche" machte der Web-Experte Ibrahim Evsan auf Gefahren und Chancen aufmerksam.

Wir müssen flexibler werden, akzeptieren, dass sich alles verändere. Das sei unsere einzige Chance um in Zukunft ein Online-Leben in einer medialen Welt bestehen und meistern zu können, glaubt der Web-Experte Ibrahim Evsan. Der Unternehmer, Firmengründer und Buchautor gilt als einer der erfolgreichsten und wichtigsten Web-Experten in Deutschland. Auf Einladung der Kreissparkasse Göppingen kam der 36-Jährige am Montagabend in der Reihe Boller Unternehmergespräche nach Bad Boll, sprach über das Leben im Lifestream und darüber wie die digitale Welt kam und im Nu Leben verändert.

"Sie ist zu schnell gekommen und wir haben sie nicht verstanden", sagte Ibrahim "Ibo" Evsan. Rasant breitet sie sich aus. So schnell, dass erforderliche gesetzliche Regulierungen nicht nachkommen. Die Firmen Facebook, Amazon, Google oder Apple zählten zu den Supermächten, die die digitale Welt beherrschen. Untereinander herrsche ein Kampf, dessen Ausmaß bereits unvorstellbare Dimensionen angenommen habe. Auch in finanzieller Hinsicht. Allein das 1976 von Steve Jobs mit einem Startkapital von 1750 US-Dollar gegründete Computer-Unternehmen Apple verfüge über Geldreserven, die so groß seien, dass alle Dax-Unternehmen auf einen Schlag übernommen werden könnten, sagte Ibo Evsan.

"Der Mensch hat sich mit der Maschine vereint", sagte Evsan. "Das Radiogerät befand sich noch im Hörabstand, der Computer im Leseabstand und das Smartphone ist bereits in unseren Gedanken." Die Welt ist digital geworden und Google dabei, alles Mögliche zu erfassen und abzuspeichern - nicht nur jede einzelne Straße auf dem Globus. In drei Jahren, so Evsans Prognose, sei eine Datenmenge vorhandenen, die um das 80-fache gegenüber heute angewachsen sei. 420 Millionen Dollar habe das US-Softwareunternehmen Google ausgegeben, um in den Niederlanden ein einziges Daten-Center zu errichten.

Ein autarkes Zentrum, das selbst von externer Energieversorgung unabhängig ist. 32 solcher Center seien allein in Europa geplant. Im Vergleich dazu: Die Bundesrepublik stellte im Jahr 2009 270 Millionen Euro für die Entwicklung junger Unternehmen bereit. Und Google entwickelt sich weiter. Evsan: "Google hat jetzt eine weltweite Banklizenz erhalten."

Im kommenden Jahr soll als nächster großer Wurf die Google-Brille auf den Markt kommen: das Telefon der Zukunft, das das Smartphone bereits wieder in Frage stellt und mit Video-Calls und Fernsehen einen neuen Markt erschließen wird. Web-Experte Evsan ist sich da ganz sicher. Die Menschen haben bereits ihr Konsumverhalten verändert und sie arbeiten autonomer. Beim "crowdsourcing", einer interaktive Form der Leistungserbringung, lässt man andere für sich arbeiten und beim "co-working" beispielsweise realisiert Tchibo heute bereits die Verkaufs- und Produktideen von Jedermann und beteiligt sie am Gewinn.

Es ist ein faszinierendes und zugleich erschreckendes Bild einer neuen, digitalen Welt, das Ibrahim Evsan, der unter anderem als Berater für Digitalstrategien für die Deutsche Post tätig ist, zeichnete. Mit Gefahren und Chancen. Ohne die weltweit mögliche Online-Vernetzung, glaubt Ibo Evsan, wären die Revolutionen in den nordafrikanischen Staaten so nicht möglich geworden.