Heimatgeschichte Rapp-Gelände wird neu bebaut

Inge Czemmel 28.12.2016

Landauf, landab baut Rapp, Rapp, Rapp“ hieß Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre ein Slogan des Gammelshäuser Bauunternehmens Johannes Rapp. Das Werksgelände des Unternehmens befand sich dort, wo die Gemeinde nach Kauf des Grundstücks den Wertstoffhof ansiedelte. Dieser wurde nun verlegt, weil der Gemeinderat beschloss, das ehemalige Rappgelände in Bauplätze umzumünzen.

Als der Maurermeister Johannes Rapp, der zuvor bei Leonhard Weiss tätig war, arbeitslos wurde, fasste er den Entschluss, sich selbstständig zu machen. Er gründete 1936 ein Bauunternehmen und richtete in der Fuchseckstraße eine Werkstatt ein. „Bei der hohen Arbeitslosigkeit gab es keine Aussicht auf eine andere Stelle“, berichtet der Sohn, der ebenfalls Johannes Rapp heißt und noch immer im Ort lebt.

„Der erste größere Auftrag, war der Bau des Lehrerhauses in Gammelshausen“, erzählt der Sohn und erinnert sich: „Die Hauptarbeit meines Vaters waren jedoch zunächst Reparaturen an alten Häusern. Außerdem fertigte mein Vater, der auch immer wieder Arbeitslose auf Zeit beschäftige, Rohre zwischen 10 und 50 Zentimetern  Durchmesser für die Kanalisation und für Bachverdolungen.“

Als Rapp zum Zweiten Weltkrieg eingezogen wurde, ruhte der Betrieb. Anschließend gab es für den Heimkehrer jede Menge Arbeit. „Nach dem Krieg gab es viel zu reparieren“, erzählt der Sohn. „Hauptsächlich hatte er es mit Dachabdeckungen zu tun und kaum, dass das meiste fertig war, kam ein schlimmer Hagel und alles begann von vorn. Das Problem war, dass es keine Dachplatten mehr gab und überhaupt sämtliches Material knapp war.“

Später vergrößerte Rapp seinen Betrieb und baute Häuser. „Mein Vater stellte einen Zimmermann und weitere Mitarbeiter an und auch wir drei Buben mussten immer mithelfen“, weiß Johannes Rapp junior noch. „Kaum waren wir von der Schule daheim, flog der Ranzen in die Ecke und es ging ab auf den Bau.“ Als hierzulande die Arbeitskräfte knapp wurden stellte Rapp Gastarbeiter ein. „Anfang der 50er-Jahre kamen die ersten aus Bayern, dann Italiener aus Norditalien, später dann aus Sizilien und noch später aus der Türkei“, berichtet Rapp.

„Zeitenweise waren es um die 30 Mitarbeiter. Die Gastarbeiter kamen teilweise mit ihren Familien und wohnten in den Mitarbeiterwohnungen, von denen sich auch einige im alten Rathaus befanden, das Rapp von der Gemeinde gekauft hatte. Mit meinem Vater hatten die Mitarbeiter nicht immer Spaß“, erzählt Rapp. „Er war ein grober derber Mann, ein richtiger Bauigel halt. Meine Mutter Berta hat für die Gastarbeiter immer gut gesorgt und den alleinstehenden Männern die Wäsche gewaschen und geflickt. Gekocht haben sie selbst.“ Johannes Rapp lernte durch die Gastarbeiter früh die italienische Küche kennen. „Auf Spätzle waren sie nicht so scharf“ lacht er. „Aber auf die Weinbergschnecken auf den Wiesen. Die haben sie gesammelt und im Hof über dem Feuer gebraten.“ Obwohl es an der Sprache oft gehapert hätte – das meiste wurde mit Händen und Füßen geklärt – hätten sich die Sizilianer schnell gut eingearbeitet. „Das waren ja keine Facharbeiter“ erklärt Johannes Rapp, „aber einige haben so viel bei meinem Vater gelernt, dass sie später zu Hause einen Betrieb aufmachten. In den 80ern sind die meisten zurück nach Hause und haben sich dort ein Haus gebaut.“

Zusammen mit Frau und Kindern war Johannes Rapp junior in jüngeren Jahren dreimal in Sizilien. „Wir haben alle 36 Familien besucht, von denen mal jemand bei meinem Vater tätig war. Ich habe jedes Mal in drei Wochen zehn Kilo zugenommen, weil so viel aufgetischt wurde“, lacht er. Er selbst habe trotz des Wunsches des Vaters keine Ambitionen gehabt, einen Beruf zu lernen, der „irgendetwas mit Bau zu tun hat“. Johannes Rapp lernte Schlosser, den Betrieb übernahm Mitte der 70er-Jahre sein Bruder Heinz, der in den 90ern Konkurs anmelden musste.

Die Geschichte des alten Schul- und Rathauses

1806 Gammelshausen wird württembergisch und muss ein Schulhaus stellen. Die Gemeinde kauft 1815 ein 50 Jahre altes Gebäude.  Das Obergeschoss wird Lehrerwohnung.

1848 Die Gemeinde baut ein neue, größere Schule hinter der alten. Die Lehrerwohnung bleibt,  im alten Schulzimmer darf der Schulmeister einen Krämerladen betreiben.

1867 Aus dem Laden werden Verwaltungsräume. 

1934 Ein Lehrerhaus löst die Lehrerwohnung ab. Die Gemeinde zieht ins Obergeschoss. Das Erdgeschoss wird für die Hitlerjugend, Handarbeitsunterricht und den Schularzt genutzt.

1946 Das Erdgeschoss wird vermietet.

1956 In Dürnau wird ein neues Schulhaus gebaut.

1959/61 Ein neues Rathaus wird gebaut, das alte an die Baufirma Rapp verkauft, die es für ihre Gastarbeiter braucht. Während der Bauzeit wandern die Akten in den „Ochsen“, wo der Gemeinderat tagt.

1987 Die Gemeinde kauft das Gebäude von der Firma Rapp wieder zurück

2006 Nach Diskussionen über ein mögliches Ortsmuseum verkauft die Gemeinde das alte Schul- und Rathaus für einen Euro an Privatleute, die es renovieren.