Gammelshausen "Kunst im Ort": Öffnung bereichert Ausstellung

Kerstin Stöckler blickt durch eine ihrer Skulpturen aus Zeitungspapier. Stöckler gehört zu den neuen Künstlern von auswärts bei "Kunst im Ort".
Kerstin Stöckler blickt durch eine ihrer Skulpturen aus Zeitungspapier. Stöckler gehört zu den neuen Künstlern von auswärts bei "Kunst im Ort". © Foto: Inge Czemmel
INGE CZEMMEL 01.02.2016
Abwechslungsreich, vielfältig und stimmig - "Kunst im Ort" wagte ein Experiment, das aufging. Künstler der Gammelshäuser Werkstatt "Schnapsidee" und auswärtige Kunstschaffende stellten gemeinsam aus.

Vor dem Gemeindehaus trafen die zahlreichen Besucher am Sonntag zunächst auf einen "alten Bekannten". Schmiedekünstler Herbert Häbich ließ trotz Sturm und Schnürchenregen wie gewohnt die Funken fliegen und zeigte, wie Figuren aus Metall Gestalt annehmen. Figuren, die Wind und Wetter standhalten.

Ganz im Gegensatz zu den filigranen Skulpturen die Kerstin Stöckler zeigte. Reißen, knüllen, drehen, formen, modellieren - die Künstlerin aus Altshausen arbeitet mit Zeitungspapier. Sie lässt daraus Neues, Figürliches entstehen und spielt dabei mit Wortfragmenten.

Neues aus Altem gestaltet auch Axel Birgin aus Karlsruhe. Nämlich "schräge Vögel", deren Körper aus Schwemmholz bestehen und mit originellen Beinen und Köpfen aus "Ausrangiertem" versehen werden. "Dinge die sonst nicht zueinander finden würden", erklärte Birgin, der sich selbst als "Kreativornithologe" bezeichnet, "Humorvolles mit Charakter" schaffen will und Freude daran verspürt, dem Betrachter ein ächeln ins Gesicht zu zaubern. Das gelang ihm vorzüglich.

Achim Brückner, der in Stuttgart Malerei studierte, ein Faible für alte Meister hat und sich in der Malerei der Tradition verpflichtet fühlt, zeigte Landschaften und Menschenbilder in einer Mischung aus gegenständlicher Malerei und dem Spiel mit Formen und Farben. Einen Querschnitt von Skulpturen aus Holz und Stein präsentierte Helmut Tschiderer aus Samnaun, der Holz- und Steinbildhauer gelernt hat. Inspiriert von der Natur spielt er mit Linien und Flächen, wobei es ihm organische Formen und der weibliche Torso angetan haben.

Bei den Künstlern der "Schnapsidee" waren im Vergleich zur vergangenen "Kunst im Ort" einige Veränderungen und Entwicklungen auszumachen. Kettensägenkünstler Dieter Gaiss bleibt zwar seinem Faible für originelle Stuhlskulpturen treu, doch er wagt sich auch erfolgreich an menschliche Proportionen. Marion Gaiss wendet sich in der Malerei wieder mehr dem Gegenständlichen, dem Lebendigen zu und hat derzeit Mensch und Tier im Fokus. Jochen Pietrowski hat die hellen, frischen, fröhlichen Farben für sich entdeckt und kombiniert sie mit Ausgleichsmasse, Dachlack und anderen Materialien auf der Leinwand. Tanja Joos, bekannt für farbenfrohe Porträts, widmet sich mehr der Zeichnung und Akten und Ulla Späth zeigte einen Querschnitt durch verschiedene Techniken und Motivwelten.