Ernsthaft gerechnet mit dem Auftauchen des „Konsuls von Terrania“ hatte eigentlich niemand. So blieben denn am Mittwoch im Göppinger Amtsgericht auch die Richterin, der Staatsanwalt und die Protokollführerin unter sich – wer nicht erschien, war ein Reichsbürger aus Albershausen, der immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gerät.

Mittwochvormittag am Rand eines kleinen Gewerbegebiets in Albershausen: Zügig, aber ohne Blaulicht, fahren zwei Streifenwagen vor. Drei Polizisten und eine Polizistin steigen aus, sie gehen zur Eingangstür eines älteren Hauses, das teilweise als Obdachlosenunterkunft der Gemeinde dient. Die Richterin hatte die Vorführung des Angeklagten angeordnet, zum wiederholten Mal war er wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt.

Der Konsul war nicht zuhause

Nach wenigen Minuten tauchen die Uniformierten wieder vor dem Haus auf – und ziehen unverrichteter Dinge ab. Der selbsternannte Konsul war nicht zuhause. Nach Informationen der NWZ war er zuvor mit dem Auto weggefahren.

Seit der spektakulären Zwangsräumung seiner „Botschaft von Terrania“ in Albershausen im März 2017, die der Reichsbürger mit seiner Lebensgefährtin bewohnte, die sich im Internet ebenfalls zu dem Fantasiestaat bekannte, ist der Mann in der Obdachlosenunterkunft untergebracht. Um 6 Uhr morgens war seinerzeit ein Gerichtsvollzieher in Begleitung der Polizei und vermummter Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos angerückt, um das Haus zu räumen. Der Grund für den Einsatz war trivial: Der „Konsul und Botschafter“ hatte seine Miete nicht bezahlt.

Notdurft im Polizeiauto verrichtet

Im vergangenen Jahr war der Mann schon einmal wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte – und diverser anderer Delikte – verurteilt worden, auch damals war er zuerst nicht zur Verhandlung erschienen. Der zuständige Richter erließ einen Haftbefehl, nach vier Wochen in einer Justizvollzugsanstalt fand dann die Verhandlung statt, Ergebnis: zehn Monate Haft auf Bewährung. Immer wieder war der Mann nicht vor Gericht aufgetaucht, immer wieder verstieß er gegen Gesetze jenes Staates, den er rundweg ablehnt. So bezahlte er 2016 ein Bußgeld nicht, wurde deshalb von der Polizei abgeholt – und verrichtete auf der Rückbank des Streifenwagens seine Notdurft. Anschließend ritzte er in der Gewahrsamszelle großflächig Hakenkreuze und SS-Runen in die Wand.

Nun wird wohl wieder ein Haftbefehl ausgestellt, wann die Verhandlung stattfindet, ist noch nicht bekannt.

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