Donzdorf "Kompostierte Hirnfürze"

Drommeldar Trio
Drommeldar Trio © Foto: INGE CZEMMEL
Donzdorf / INGE CZEMMEL 23.11.2012
Jubiläums- und Abschiedskonzert zugleich? Mit einer "Best-of"-Veranstaltung in der Stadthalle Donzdorf gibt das für Absonderliches bekannte Drommeldar-Trio morgen beides in einem.

Schon seit 25 Jahren ziehen drei Donzdorfer, die sich Drommeldar Trio nennen, kreuz und quer durchs Ländle. Das skurrile Gemisch aus Musik und aberwitzigem Humor, das Berti Jo Müller, Dieter Schimak und Hansjörg Hummel auf die Bühne bringen, lässt sich nur schwer beschreiben und erst recht in keine Schublade stecken. Wie bitte will man es nennen, wenn drei gestandene Männer als spre-chende Klodeckel, singende Tupperschüsseln oder wandelnde Tempopackungen auftreten und dabei einem mannigfachen Instrumentarium Musik entlocken?

Klamauk, Satire, Comedy, Kabarett oder auf gut schwäbisch "Släbbschdigg" - alle Bezeichnungsversuche sind irgendwie zu kurz gegriffen. Wenn das Drommeldar Trio sich in schriller Klamottage das Maul über dLeut zerreißt, "Mucken" der Schwaben ins Visier nimmt oder herzzerreißende Bällädla, Schwabenrock, Blues oder Hipf-Hopf serviert, ist brüllendes Gelächter garantiert.

Dass das Trio vor 25 Jahren "aus der Not geboren" wurde, ist einem Bänderriss zu verdanken, der Berti Müller daran hinderte, beim Eröffnungsabend der Donzdorfer Fasnet seine geplante Solonummer abzuziehen. Der spontane "flotte Dreier" zog neben weiteren Fasnetsauftritten bald Anfragen für Einlagen bei anderen Festivitäten nach sich. Bekannte Lieder humorig "umzutexteln" und "einzuschwäbeln", war dem einfallsreichen Trio bald nicht mehr genug. Abendliche Lagerfeuer und Hüttenabende gerieten zur Brutstätte geistreicher Spaßideen, die nach eigenen Melodien schrien. Also machte sich Berti Müller daran, die "Hirnfürze" musikalisch zu "verkompostieren". "1991 führten wir im Donzdorfer Gymnasium das erste abendfüllende Programm mit 70 Prozent eigenen Sachen auf", erzählt Hansjörg Hummel. Ein Jahr später gabs die erste Trennung auf Zeit. Berti Müller verschlug es beruflich ins Land des Lächelns, wo er sich intensiv mit der Gestaltung japanischer Gärten befasste. Nach seiner Rückkehr fand das Trio wieder zusammen und brütete ein neues Programm aus. Die stetig wachsende Fangemeinde durfte sich über Tüftler, Bästler, Most, Hämorrhoidensalbe und Linkshang-Schafe sowie an Heimat-Hymnen wie der "Streuobstwies im Täle" erfreuen. Das Drommeldar Trio machte gar Fernsehkarriere und trat bei verschiedenen Sendungen im SWR-Fernsehen auf.

2006 gab es in der Donzdorfer Stadthalle ein lachtränenreiches Abschiedskonzert, weil es Dieter Schimak beruflich in den Schwarzwald verschlug. Zum Glück nicht lange. Nach eineinhalbjähriger Pause hatten die Entzugserscheinungen der Fans und Protagonisten ein Ende. "Mir send widder do", verkündete das Trio - und tourte fortan mit "Riaba, Rotz und Ranzawai" erfolgreich durchs Ländle. Nun nehmen die Drommeldarer abermals Abschied. Die Karriereleiter führt Dieter Schimak zu oft ins Ausland, als dass es momentan möglich wäre, ein neues Programm auf die Beine zu stellen und zu proben. "Wir haben lange mit der für uns alle schmerzhaften Entscheidung gerungen", erklärt Hansjörg Hummel, "aber nach vier Jahren ist das derzeitige Programm ausgelutscht". Ob das Trio, das auf ein Vierteljahrhundert gemeinsamen Spaßes zurückblicken kann, irgendwann "Hello again" sagt, steht in den Sternen. Vielleicht ja mit einer "satirischen Verkompostierung" des einzigen Flopps, der in Erinnerung blieb. Bei diesem Auftritt außerhalb des schwäbischen Sprachraums fingen die Leute während der Vorstellung an zu tanzen und verlangten nach "I want to break free".

Info Das morgige Jubiläumskonzert des Drommeldar-Trios in der Stadthalle Donzdorf ist ausverkauft.

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