"Was macht Ihr denn hier in meinem Bücherschrank?" fragt zu Beginn der durch die Reihen gehende Schauspieler Achim Sonntag die teilweise lesenden Kinder, während er es doch war, der quasi verschiedene Leseköder auf jeden Sitzplatz gelegt hatte. Nach der Frage nach dem Lieblingsbuch der kleinen Zuschauer enthüllte er auf der Bühne sein überdimensionales Lieblingsbuch "Für Hund und Katz ist auch noch Platz" nach der gleichnamigen Bilderbuchvorlage von Julia Donaldson und Axel Scheffler.

Aber als er das Riesenbuch aufschlägt, ist die Hexe darin verschwunden. Also muss er selbst in die Rolle der Hexe schlüpfen, um sich sogleich seine Kleider und Utensilien mit den Kindern zusammenzusuchen. Und was braucht man als Hexe nicht alles: einen Hut, aber doch keine Nikolausmütze sagen ihm die Kinder -, einen Zauberstab und keine Zahnbürste, - wie dumm kann er nur sein - , einen Rock, der beim Ausschütteln richtig staubt, Clownssocken mit Löchern, Hexenschuhe, Hexenzopf und Hexentopf. Ach so, die Schleife für die Pelerine hat er zuvor extra noch geübt. Die dreijährige Lucy ruft auf dem Schoß ihrer Mutter: "Da fehlt ja noch die Hexennase". Richtig, und ein Hexenbesen, auf dem im Laufe des Spiels nacheinander alle Tiere Platz nehmen, weil sie die Hexe auf ihrer Reise begleiten dürfen: Hund, Katz, Vogel und Frosch, der noch mit einer Gießkanne nassgemacht wird und wie aus Versehen einige kleine Zuschauer.

Wunderbar, wie es Achim Sonntag versteht, die Tiere dazu zu bringen, auf "menschisch" zu reden. Wie die Kinder ihm helfen dürfen, Wind und Regen zu machen, wie er den Frosch den verlorenen Zauberstab im Teich finden lässt, wie die Tiere in den Untergrund fallen, wie ein Drache die Hexe mit Pommes zum Abendessen fressen möchte, wie aber doch am Ende die Geschichte gut ausgeht, weil die Tiere die Hexe retten können - das alles ist hervorragend gespielt, gekonnt rezitiert oder mit eigenen Texten ergänzt, um die Geschichte als Mischung aus Schauspiel, Figurenspiel und gereimter Rezitation theatertauglich zu machen.

Der Schauspieler kommt nach der Aufführung selbst ins Schwärmen, wenn er an seine Figuren mit verschiedenen Akzenten denkt, die er im Repertoire hat: den spanischen Clown, den italienischen Familienzirkusmenschen oder einen steifen Engländer mit seinen Macken.

In Eislingen hat Sonntag den "französelnden" Koch Jacques als Pause eingeführt. "Mesdames et Messieurs, wir machön jetz ein Theatermansche, naturellement, und nicht verwechseln ein (H)exe mit ein Exe" war auch ein Vergnügen für die Erwachsenen. Als am Ende die Hexe wieder ins große Buch eingeklebt wird, fragt die kleine Lucy: "Und was kommt jetzt?"