Dürnau "Ich wollte den Armen ein Gesicht geben"

Dürnau / INGE CZEMMEL 08.07.2014
Wie im 17. und 18. Jahrhundert in Dürnau gelebt, geliebt und gelitten wurde, zeigt Manfred Wolfhard in seinem Buch "Dürnauer Schicksale".

Zahlreiche Gäste waren in den Dürnauer Schlosskeller gekommen, der genau das passende Ambiente für Manfred Wolfhards Buchvorstellung bot. In "Dürnauer Schicksale" schildert er anhand von 18 Einzelschicksalen, wie man sich das Leben der Menschen im 17. und 18. Jahrhundert am Albtrauf vorstellen muss.

"Die Familie Wolfhard ist ein Glücksfall für die Gemeinde Dürnau", erklärt Bürgermeister Friedrich Buchmaier in seiner Begrüßungsrede. Manfred Wolfhard habe das Ortsarchiv auf Vordermann gebracht, am historischen Ortspfad mitgearbeitet, geschichtliche Jahreskalender herausgebracht und zahlreiche Vorträge gehalten. Vor allem sei seinem Engagement, seiner Fachkenntnis, Geduld und Hingabe zu verdanken, dass verschiedene geschichtliche Quellen verknüpft werden konnten. Pfarrer Klaus Steiner-Hilsenbeck machte deutlich, dass es Wolfhard gelungen ist, die Ortsgeschichte Dürnaus schichtweise aus den Tiefen des Brunnens der Vergangenheit zu holen und mit der "größeren" Geschichte in Zusammenhang zu bringen.

"Wie kommt ein pensionierter Schulmeister dazu, ein Buch zu schreiben?" Auf amüsante Weise erzählte Wolfhard, wie er, als er einst krank im Bett lag, seine Frau das Buch "Räuber und Gauner in Deutschland" besorgen ließ, das von der Armut der Menschen im 17. und 18. Jahrhundert handelt. "Nach der Lektüre begann ich auf Räuberforschung zu gehen und stellte zunehmend fest, dass die Armen keine andere Möglichkeit hatten zu überleben. Ich wollte den Geschlagenen und Getretenen, deren Gebeine auf dem Dürnauer Friedhof liegen, ein Gesicht geben."