Menschen Familie verliert Zuhause: „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“

Sonja und Patrick in dem ausgebrannten Zimmer, in dem der Ölofen im vergangenen März Feuer gefangen hat. Der starke Rauch machte das Haus unbewohnbar.
Sonja und Patrick in dem ausgebrannten Zimmer, in dem der Ölofen im vergangenen März Feuer gefangen hat. Der starke Rauch machte das Haus unbewohnbar. © Foto: Markus Sontheimer
Gingen / Stefanie Schmidt 04.05.2017
Hinter einer kurzen, nüchternen Nachricht in der Zeitung verbirgt sich oft ein menschliches Schicksal: Eine Frau aus Gingen und ihr Sohn verloren bei einem Brand ihr Zuhause.

Ölofen fängt Feuer: 42-jährige Gingenerin wird bei Zimmerbrand verletzt“:  Für die GEISLINGER ZEITUNG war es eine kleine Meldung, für Sonja Maier war es ein Weltuntergang. Sie und ihr Sohn  Patrick haben bei dem Brand ihr Zuhause verloren.

Es war ein normaler Samstagmorgen im März: Gegen 11.15 Uhr schaut Sonja Maier nach dem Ölofen im Erdgeschoss des Hauses, in dem sie mit ihrem 23-jährigen Sohn zu Miete wohnt. Denn es war schon vorgekommen, dass der Ofen ausgegangen war und sie es erst bemerkte, als es kalt in der Wohnung wurde.  Dass Sonja Maier gerade in diesem Moment nach dem Ofen schaut, wird sich als Glück im Unglück erweisen. „Sonst wären wir oben von Feuer und Rauch eingeschlossen worden.“ Aus dem Ofen ist an der Seite Öl ausgelaufen und hat sich entzündet. Die Metallwanne steht in Flammen.

Verzweifelt versucht Sonja Maier mit einem Feuerlöscher und schließlich auch mit einer Decke, die ein zu Hilfe eilender Nachbar  mitgebracht hat, die Flammen zu ersticken. „Die standen sicher einen Meter hoch“, erinnert sie sich. Bald ist klar: Es bleibt nur  die schnelle Flucht aus dem Haus. Vorher dreht die Gingenerin noch geistesgegenwärtig den Hahn am Ofen zu, damit kein weiteres Öl nachströmt. Die Feuerwehr ist schnell zur Stelle und kann den Brand in kurzer Zeit löschen. Doch der Raum, in der der Ofen steht, ist bereits komplett ausgebrannt.

Rauchgas und feiner Staub haben sich in der gesamten Wohnung und in den Möbeln festgesetzt. Die verrußten Räume sind nicht mehr bewohnbar. Wie es zu dem Brand kommen konnte, kann sich Sonja Maier bis heute nicht erklären. „Erst im  November war Feuerstättenschau“, betont sie. Beanstandungen habe es damals keine gegeben.

Ihr Sohn und der hilfsbereite Nachbar bleiben bei dem Brand zum Glück unverletzt. Bei Sonja Maier fällt den Rettungskräften sofort ihre vom Rauch schwarze Zunge auf, sie muss zur Untersuchung ins Krankenhaus. Außer einer leichten Rauchvergiftung „war alles okay, Gott sei Dank“, sagt sie. Noch im Krankenhaus bekommt Sonja Maier Besuch von Gingens Bürgermeister Marius Hick, der ihr sofort eine Notunterkunft anbietet: Sie könne zusammen mit ihrem Sohn in ein Haus, das der Gemeinde gehört, einziehen.

Als sie sich die Wohnung ein paar Tage später ansieht, ist sie  allerdings „ernüchtert“.  Räume und Einrichtung wirken auf sie, als seien sie „vor 40 Jahren verlassen worden“. Es habe keine Matratzen zum Schlafen gegeben, dafür viele tote Fliegen, erzählt sie. Ihre spontane Reaktion: „Da können wir nicht wohnen.“

Deshalb nimmt sie das Angebot ihrer Nachbarn, einer fünfköpfigen Familie an, bei ihnen unterzukommen. Sonja Maier und ihr Sohn schlafen nun in einem der Kinderzimmer. Inzwischen häufen sich für Sonja Maier  die Probleme. Im Moment absolviert sie eine Fortbildung für Menschen mit psychischen Problemen in Kirchheim  und bekommt Übergangsgeld vom Jobcenter. Ihr Sohn wartet auf einen Platz für eine Umschulung im Herbst.

Wann das Haus, in dem sie zweieinhalb Jahre lang wohnten, wieder gerichtet ist, stehe in den Sterne, meint sie. Für die Renovierung muss Sonja Maier die Wohnung nun räumen, einen Container beschaffen und für ihre wenigen verbliebenen Habseligkeiten –  eine Hausratsversicherung hatte sie nicht  – einen Unterstellplatz besorgen.

Dazu kommt die schwierige Suche nach einer neuen Bleibe: Bisher sucht sie ohne Erfolg nach einer Zwei- oder kleinen Dreizimmerwohnung im Kreis Göppingen. „Bei Besichtigungen stehen oft 30 bis 40 Leute Schlange,“ berichtet sie. „Oder die Wohnungen sind wahnsinnig teuer.“ Dass sich von der Gemeinde niemand mehr nach ihr erkundigt hat, ist für sie eine Enttäuschung.

Schon vor dem Brand machte ihr eine psychische Erkrankung  zu schaffen. „Aber die ganze Situation macht mich jetzt natürlich noch mehr fertig“, gesteht Sonja Maier „Ich habe kein Zuhause mehr und weiß nicht, wie es weitergehen soll.“

Info Wer Sonja und Patrick Maier weiterhelfen kann, zum Beispiel mit Möbeln, einer Unterstellmöglichkeit für ihre verbliebenen Sachen oder einem Wohnungsangebot, kann sich bei der Geislinger Zeitung melden. Email: geislinger-zeitung.redaktion@swp.de