Integration Syrer wünscht sich Kontakt mit Deutschen

Auch beim Familientreff ist Bassel Elias Saeid engagiert dabei – hier schafft er gerade das Spielzeug für die Kinder herbei.
Auch beim Familientreff ist Bassel Elias Saeid engagiert dabei – hier schafft er gerade das Spielzeug für die Kinder herbei. © Foto: Evelyn Krix
Göppingen / Evelyn Krix 21.04.2017
Seit zweieinhalb Jahren ist der Syrer Bassel Elias Saeid in Deutschland. Im Haus der Familie unterstützt er nicht nur den Familientreff, sondern ist dort seit Januar auch im Bundesfreiwilligendienst aktiv.

Zu siebt hat sich die Familie des Syriers Bassel Elias Saeid auf den Weg nach Europa gemacht. „Ich kam aus dem Libanon nach Deutschland“, erzählt der 30 Jahre alte Migrant. Während seine Eltern mit einem kleinen Bruder nach Schweden weiterzogen, hat er mit seinen anderen Geschwistern im Landkreis Göppingen sein neues zu Hause gefunden. Gemeinsam mit seinem großen Bruder und seiner Schwester lebt Saeid in einer Wohngemeinschaft in Eislingen. Ein weiterer Bruder ist mit seiner Frau in Uhingen daheim.

Seit Januar ist Bassel Elias Saeid im Bundesfreiwilligendienst im Haus der Familie in Göppingen aktiv. „Es war naheliegend, weil er schon im Haus war“, erzählt die Vorsitzende des Vereins Ilse Birzele. Über die Stadtbibliothek sei der Kontakt zum Haus der Familie entstanden. „Ich bin vor eineinhalb Jahren dort hin gegangen und habe gesagt, ich möchte mit Deutschen Kontakt haben“, blickt Saeid zurück. „Ich wollte nicht vergessen, was ich bisher in der Schule gelernt hatte.“

Seit diesem Zeitpunkt engagiert Saeid sich zwei Mal in der Woche ehrenamtlich im Familientreff. Bereitet ihn vor und spielt dort mit den kleinen Besuchern. „Das ist wichtig für mich, weil ich jeden Tag neue Wörter lerne und auch mithelfe“, sagt er mit einem überzeugtem Lächeln. Die Menschen im Haus seien nett, verständnisvoll und stets hilfsbereit.

Mit der Einstellung als Bufdi wolle man ihm eine Chance bieten, meint Birzele: „Wir haben im Haus der Familie auch interkulturelle Angebote. Damit findet Bassel hier Menschen, die genauso neu sind wie er und die auch von außen in eine bestehende Gesellschaft kommen.“

Es sei normal und selbstverständlich, zusammen zu arbeiten. „Wir sind ein offenes Haus“, erklärt Barbara Hofgärtner, die als stellvertretende Leiterin im Haus der Familie arbeitet. Das wiederum verstehe man als geschützten Raum zum Lernen. „Alle, die wir einladen, sind Teil unseres Teams. Für Flüchtlinge ist das auch eine Möglichkeit, den deutschen Arbeitsalltag kennen zu lernen.“

Innerhalb seines Dienstes unterstützt Saeid nun die Hausmeisterin Barbara Maier: Er hilft bei der Gartenarbeit, beim Kehren, bereitet Räume für die Kurse vor und verteilt Programmhefte. „Bassel ist sehr freundlich und hilfsbereit. Er sieht auch, wo man anpacken kann“, lobt Hofgärtner und Sabine Meigel, Leiterin und Geschäftsführerin, ergänzt: „Das wird auch von außen so gesehen. Wenn er für uns Programme verteilt, wird oft gesagt: Es war ein ganz freundlicher, junger Mann da, ob er jetzt bei uns arbeitet.“ Im Haus der Familie sehe man diese Zusammenarbeit als Chance für beide Parteien. Man könne damit Vorurteile abbauen und die andere Kultur mit jedem Tag besser verstehen.

Seine Zukunft sieht der 30-jährige Bassel Elias Saeid in seiner neuen Heimat: „Mir gefällt das Wetter.“ Im Gegensatz zu Schweden, wo seine Eltern leben, sei es schön. „Ich habe hier jetzt Freunde und spiele Fußball in Göppingen.“ In seinem Heimatland habe er als Glaser im eigenen Familienbetrieb gearbeitet. Mit diesem Beruf möchte der Syrer auch in Deutschland wieder sein Geld verdienen. Schon jetzt habe er als Praktikant in mehreren Firmen im Kreis gearbeitet. Gleichzeitig könne er sich aber vorstellen, gemeinsam mit seinen Geschwistern den Familienbetrieb wieder aufleben zu lassen.

Nicht nur in der Freizeit oder beruflich scheint er angekommen zu sein, sondern auch kulturell: An der Fasnet kam er als Koch und einmal als Baby verkleidet zur Feier ins Haus der Familie. In Syrien feiere man in der syrisch-orthodoxen Kirche ebenfalls Fasnet: „Andere haben das nicht. Manchmal kamen meine Freunde.“ Ebenso seien andere kirchliche Gebräuche nicht sehr unterschiedlich: „Was man hier macht, machen wir dort auch.“

BAFzA: „Ein wichtiger Schritt zur Integration“

Zahlen Insgesamt sind laut Peter Schloßmaier vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) 43 504 Personen im Bundesfreiwilligendienst (BFD) aktiv: „Derzeit sind im Landkreis Göppingen 147 Menschen im Einsatz. Davon sind 70 Männer und 77 Frauen.“ Wie viele davon Flüchtlinge sind, könne man nicht sagen. Für diese Personen könne so ein freiwilliger Dienst aber „ein wichtiger Schritt zur Orientierung und Integration in Deutschland sein“.

Zielgruppe Seit Dezember 2015 dürfen sich neben Einheimischen auch Asylberechtigte oder Asylbewerber, die dauerhaft bleiben dürfen, an dem Sonderprogramm „BFD mit Flüchtlingsbezug“ beteiligen, brauchen aber eine entsprechende Beschäftigungserlaubnis. „Im Sonderprogramm müssen die Freiwilligen grundsätzlich volljährig sein, können den Dienst aber auch als unter 27-Jährige in Teilzeit absolvieren“, erklärt Peter Schloßmaier.

Einsatz „Sie engagieren sich in Betreuung und Pflege, schützen die Umwelt und fördern die Kultur, sorgen dafür, dass der Ball rollt und die Integration funktioniert“, sagt Schloßmaier weiter. Dabei unterstützen die Freiwilligen hilfsbedürftige Menschen und Organisationen und leisten praktische Hilfstätigkeiten in gemeinnützigen Einsatzstellen. Für ihren Einsatz erhalten sie dann Taschengeld und sind sozialversichert. „Zahlungen aus dem Bundesfreiwilligendienst können dabei auf andere staatliche Leistungen oder Ansprüche angerechnet werden.“

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