Birenbach Frank Ansorge im Interview vor der Wahl

Birenbach / Kristina Betz 12.06.2018
Bürgermeisterwahl: In knapp zwei Wochen wird in Birenbach gewählt. Frank Ansorge kandidiert für eine zweite Amtszeit. Vorab überraschte er mit einem offenen Brief an die Birenbacher.

Ich weiß, dass viele meine Bewerbung in Bad Ditzenbach nicht gut gefunden haben“, schreibt Frank Ansorge  in einem Brief Anfang April, noch vor seiner Bewerbung um eine zweite Amtszeit als Birenbacher Bürgermeister. Der Brief richtet sich an die Birenbacher Bürger und beschreibt Ansorges erste Amtszeit, „sie waren Lehrjahre“, resümiert der 51-Jährige. Für ihn sei klar gewesen, dass auch im Wahlkampf nur ein offener Umgang mit der Vergangenheit in Frage kommt.

Herr Ansorge, wie schätzen Sie Ihre Ausgangslage vor der Wahl ein?

Ich empfinde die Stimmung sehr gut und ich bin optimistisch bei einer hohen Wahlbeteiligung die Wiederwahl zu packen.

In ihrem Schreiben an die Birenbacher gestehen Sie Fehler ein. Vor allem Ihre Bewerbung 2015 als Bürgermeister in Bad Ditzenbach. Wie war die Resonanz auf den Brief?

Die Menschen waren überrascht, die Resonanz sehr positiv. Die meisten hätten nicht erwartet, dass ich das so offen anspreche.

Wieso haben Sie sich für diese Wahlkampftaktik entschieden?

Taktik würde ich das nicht nennen. Ich habe mich einfach hinterfragt. Ich bin ein Typ, der offensiv mit den Dingen umgeht und Fehler auch eingestehen kann.

Wieso haben Sie sich damals nach so kurzer Zeit von Birenbach wegbeworben?

Ich hätte mir zu der Zeit mehr Wertschätzung gewünscht. Der Aufwand im Amt ist gerade am Anfang sehr hoch, die positiven Rückmeldungen sind eher selten und man nimmt vor allem Kritik wahr. Das hat mich zu der Einschätzung gebracht, nicht willkommen zu sein. Heute weiß ich, dass ich das falsch eingeschätzt habe.

Würden Sie die Entscheidung als Flucht bezeichnen?

Nein, es war keine Flucht. Es war die Hoffnung, dort mehr Wertschätzung zu erfahren. Aber wie gesagt: heute sehe ich die Dinge anders.

Sie kandidieren aber für eine zweite Amtszeit. Was hat sich also nun verändert?

In den letzten drei Jahren bin ich angekommen in Birenbach. Jetzt ist klar: Hier oder Nirgendwo.

Sie bezeichnen die vergangenen acht Jahre als Lehrjahre. Was wollen Sie künftig besser machen?

Ich will mehr auf die kleinen Dinge achten. Wenn man mit Großprojekten beschäftigt ist, verliert man die kleinen Dinge manchmal aus den Augen. Das ist es aber, was die Menschen am meisten bewegt.

Können Sie Beispiele nennen?

Die Bürger wollen vor allem Hilfe im Alltag. Kleine Dinge wie das zu hohe Gras am Nachbargrundstück, die Sauberkeit des Friedhofes oder der Service im Rathaus sind den Bürgern wichtig. Das habe ich auch im Gespräch in den vergangenen Wochen festgestellt.

Haben sich die Ansprüche an eine Verwaltung und an einen Bürgermeister verändert?

Das Denken hat sich komplett verändert, es gibt eine höhere Erwartungshaltung an ein Rathaus. Früher hat ein Anwohner die Straße gefegt, damit sie sauber ist, heute erwartet man von einer Verwaltung, dass sie sich kümmert.

Was wollen Sie dieser Entwicklung entgegnen?

Wir müssen Prozesse optimieren und Dienste anbieten. Auch digital. Zum Beispiel durch ein Bürgerportal. Wir nutzen auch den Formulardienst Baden-Württemberg, über 1000 Formulare können so jetzt online abgerufen werden. Wir planen auch einen Infodienst auf der Webseite, das soll Entlastung schaffen.

Haben Sie weitere Visionen, die Sie im Falle eine Wiederwahl angehen wollen?

Mit dem Kinderhaus haben wir qualitativ gut vorgelegt. Das Niveau muss man bei der Grundschulkinderbetreuung halten. Bislang gibt es eine Übergangslösung. Von einem Umbau, über einen Anbau bis hin zu einem kompletten Neubau ist aber alles denkbar. Zum Beispiel ein Gebäude, in dem die Betreuung und das Mittagessen stattfinden können und das gekoppelt ist an einen barrierefreien Zugang im Erdgeschoss, wo wir die Gebäudenutzung mit einem Seniorenmittagstisch kombinieren.

Wie sähe der Zeitplan aus?

Das gehen wir sofort an. Bis ­zur Sommerpause könnten wir bereits die ersten Ergebnisse präsentieren.

Zur Person: Frank Ansorge

Frank Ansorge ist 51 Jahre alt, parteilos, katholisch und verheiratet mit Sandra Ansorge mit der er zwei Kinder im Alter von 14 und 17 Jahren hat. Er ist gelernter Polizist und seit 2010 im Amt als Bürgermeister von Birenbach. Viele Jahre war Ansorge ehrenamtlicher Jugendtrainer im Fußball.

Gewählt wird in Birenbach am Sonntag, 17. Juni. Das Wahllokal befindet sich im Bürgersaal des Rathauses. Der zweite Wahlgang, sofern notwendig, ist für den 8. Juli angesetzt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel