Landratsamt "High-Tech-Prachtbau" für Göppinger Landratsamt liegt auf Eis

So stellen sich die Architekten von BFK den Erweiterungsbau des Landratsamts vor. Jetzt zeigt sich, dass der Bau doppelt so teuer wird wie geplant war.
So stellen sich die Architekten von BFK den Erweiterungsbau des Landratsamts vor. Jetzt zeigt sich, dass der Bau doppelt so teuer wird wie geplant war. © Foto: Grafik: BFK
DANIEL GRUPP 10.07.2015
Zwischen Machbarkeitsstudie und Vorentwurfsplanung haben sich die Kosten für die Erweiterung des Landratsamtes auf 21,3 Millionen Euro verdoppelt. Der Verwaltungsausschuss forderte Einsparungen.

Einen „High-Tech-Prachtbau“ sah Matthias Wittlinger in den Plänen für den Erweiterungsbau des Landratsamtes. Der Kreis brauche keinen Ballsaal, sondern einen Sitzungssaal, meinte am Freitag der CDU-Sprecher. Wittlinger sprach damit die geplante Ausstattung des neuen Sitzungssaals im Erweiterungsbau an. Er reagierte im Verwaltungsausschuss des Kreistags auf die Vorstellung des Vorentwurfs „Landratsamt 2015 plus“ und die damit verbundene Kostenschätzung, die Helmut Klacher vom Architekturbüro BFK präsentierte. Sein Büro hatte den Architektur-Wettbewerb gewonnen. Demnach soll der Neubau insgesamt 21,3 Millionen Euro kosten. Baubeginn wäre im Februar 2017, der Umzug könnte zwei Jahre später erfolgen.

So wird es nicht kommen. Landrat Edgar Wolff nahm als einstimmigen Auftrag aus dem Verwaltungsausschuss mit, dass nach Einsparmöglichkeiten gesucht werden soll. Die vorgesehene Präsentation des Entwurfs am kommenden Freitag im Kreistag wurde abgesagt. „Man muss an den Kosten arbeiten“, räumte der Landrat ein. „Ich verstehe, das wir noch Zeit brauchen.“ Er sagte auch die von den Kreisräten geforderte Einbindung in ein Gesamtkonzept für die Finanzierung der Vorhaben des Kreises zu. Genannt wurde der Klinikneubau und anstehende Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

„Bitte nicht von Pracht und Prunk sprechen“

Landrat Wolff hat allerdings Wittlingers Einschätzung vom Prachtbau zurückgewiesen. „Bitte nicht von Pracht und Prunk sprechen.“ Es gehe um ein Landratsamt, dass funktionsfähig ist. Der Entwurf sei nicht „als Pracht- und Prunkbau zu verstehen“. Der Sitzungssaal müsse auch eine zukunftsfähige Lösung bieten.

In der Machbarkeitsstudie des Beratungsbüros Drees und Sommer (D&S) waren Kosten in Höhe von etwa 10,5 Millionen Euro für den Erweiterungsbau genannt worden. Zusätzlich sollten noch ein Parkhaus erstellt werden und der Altbau saniert werden. Als Gesamtkosten nannte das Büro im November 2013 25 bis 27,7 Millionen Euro. Am Freitag lagen allein die Kosten des Neubaus bei 21,3 Millionen Euro. Die neue Zahl beruht auf einer „belastbaren Kostenschätzung“, welche die D&S-Berater zusammen mit den Architekten des Stuttgarter Büros BFK sowie den Ingenieuren und Energieexperten des Büros EGS-plan (Stuttgart) erstellt haben.

Den Preisanstieg begründeten die Planer vor allem mit dem höheren Flächenbedarf. Der Entwurf sieht jetzt 4594 Quadratmeter Nutzfläche vor. Die Studie hatte noch mit 3515 Quadratmeter kalkuliert. Eingerechnet worden seien jetzt auch Außenanlagen und Ausstattung, sagte Matthias Stolz von D&S. Zum Beispiel war nicht einkalkuliert worden, dass der Anbau mit dem Altbau verbunden werden muss und deswegen Büros wegfallen, die zu ersetzen sind.

Viele offene Fragen

Ulrike Haas (Grüne) würdigte den „innovativen und zukunftsfähigen Bau“. Es gebe aber noch viele offene Fragen, etwa zum Mehrbedarf an Flächen. Allerdings bestehe auch ein gewisser Zeitdruck. Auch Sascha Binder (SPD) meinte, dass nachgearbeitet werden muss. Es stelle sich die Frage, in welchem Ausmaß erweitert werden muss. „Brauchen wir im Erdgeschoss einen Festsaal oder einen Sitzungssaal?“ Die Büros seien aber völlig normal geplant. „Brauchen wir das alles?“, fragte auch Werner Stöckle (Freie Wähler). Man müsse hart ran gehen. Die Kreisräte und Landrat Wolff betonten aber auch, dass wegen des Brandschutzes und wegen der Mitarbeiter im Landratsamt nicht bis in alle Ewigkeit gewartet werden darf.

Guido Till regte an, auf den neuen Sitzungssaal zu verzichten. Deswegen seien die Kosten so hoch, auch im Vergleich zum Technischen Rathaus, das Göppingen bauen will. Nach Ansicht des Göppinger OB tut es auch der alte Saal. Auf dem neuen Sitzungssaal ruht allerdings der Erweiterungsbau. Daher müsste auch eine neue Architektur und ein neues Baufenster gefunden werden.

Till dankte dem Landrat, dass alternative Standorte untersucht worden sind. Das Gremium war sich aber einig, dass weder die alte Klinik noch das Böhringer- oder das Telekom-Gebäude in Frage kommen.

Alternativen zum Erweiterungsbau geprüft und wieder verworfen

Alternativen: Das Landratsamt hat zusammen mit den Planern von Drees und Sommer Alternativen zur Sanierung und Erweiterung des Landratsamts geprüft und verworfen. Die Weiterentwicklung am Standort soll dazu beitragen eine „dienstleistungsorientierte Kreisverwaltung“ zu schaffen und Weichen für einen sehr langen Zeitraum stellen.

Telekomgebäude: Der Kreis hat mit der Telekom über das Gebäude im Reusch gesprochen. Demnach wäre die Firma nur an einer Komplettvermietung des überdimensionierten Objekts interessiert. Ein Mieter müsste zudem etwa zehn Millionen Euro rein stecken. Die Telekom strebe ohnehin einen Abriss an und versuche dies über ein Bebauungsplanverfahren zu erreichen. Selbst wenn das Gebäude zu mieten wäre, wäre es nicht wirtschaftlich, unabhängig von der Größe.

Böhringer-Gebäude: Der Bürokomplex an der Stuttgarter Straße, in dem schon Kantine und Sozialräume untergebracht waren, müsste generalsaniert werden. Selbst bei einer Aufstockung um ein Stockwerk, die der Vermieter in Aussicht gestellt habe, werde kein dem Erweiterungsbau vergleichbares Raumangebot geschaffen. Dort sind 103 Arbeitsplätze vorgesehen, im Böhringer-Gebäude kämen nur 88 Stellen unter. Das Landratsamt stellt Nachteile für Kunden und Mitarbeiter fest. Auch finanziell seien nur unter günstigen Annahmen geringe Vorteile zu erwarten, so eine Vorlage der Kreisverwaltung.

Klinik: Geprüft wurde auch, ob das Landratsamt nach dem Neubau in die alte Klinik am Eichert ziehen könnte. Auch diese Nutzung sei nicht geeignet, findet das Büro Drees und Sommer. Grund sei die hohe Bruttogeschossfläche, von denen nur ein Teil benötigt würde. Zudem wären Sanierungskosten von bis zu 90 Millionen Euro fällig. Die große Gebäudetiefe sei für eine Büronutzung ungeeignet.