Großprojekt „Hier hat sich etwas nachhaltig verändert“

Oberes Filstal / Rechberghausen / Ralf Heisele 09.11.2018

Die Astern und Chrysanthemen wiegen sich im Wind, das Schilf am Seeufer trocknet gelblich aus. Der Herbst hat im „Töbele“ Einzug gehalten. Doch der Landschaftspark übt zu jeder Jahreszeit seinen Reiz und seine Schönheit aus. Und das mitten in Rechberghausen. Die Gemeinde legte den 16 Hektar großen Park zur Gartenschau 2009 an. Das Großereignis zog damals 240 000 Besucher an. Wenn es nach dem Willen der Gemeinden im Oberen Filstal geht, soll es in den Jahren 2031, 2033 oder 2035 wieder eine kleine Gartenschau im Landkreis Göppingen geben. Was das bedeutet, weiß insbesondere der Bad Überkinger Bürgermeister Matthias Heim: Er war 2009 Hauptamtsleiter in Rechberghausen. Für das Gespräch mit unserer Redaktion hat er seine ehemalige Wirkungsstätte besucht.

„Es war eine sehr interessante, intensive  und lehrreiche Zeit. Alles hat toll geklappt.“  Heim erinnert sich nach fast zehn Jahren noch gerne an die Gartenschau zurück. Er war damals für das Marketing, für die Rechtevermarktung und für die Baumaßnahmen im Zusammenhang mit dem Projekt verantwortlich. „Durch die Gartenschau hat Rechberghausen unheimlich gewonnen“, findet Heim und spricht von einer Aufbruchstimmung,  die in der 5500 Einwohner zählenden Gemeinde mit Händen zu greifen war. Viele Bürger hätten sich als ehrenamtliche Helfer eingebracht: Von der Schülerin bis zum Rentner – alle hätten mitgezogen, Müll auf dem Gelände  eingesammelt oder Kassendienste verrichtet. Insgesamt waren 242 Rechberghäuser mit von der Partie und haben rund 25 000 Arbeitsstunden geleistet.

Die Gartenschau fungierte für Rechberghausen auch als Türöffner: Als Beispiel nennt Heim die Unterführung für Radfahrer an der Bundesstraße 297, mitten im Ort. Jahrelang habe man dafür gekämpft.  Umsonst. Immer wieder wurde das Vorhaben blockiert. Doch ein Jahr vor der Gartenschau sei die Gemeinde geradezu zum Bau gedrängt worden. Auch für den Hochwasserschutz flossen plötzlich Gelder.

Seit drei Jahren ist Claudia Dörner Bürgermeisterin in Rechberghausen. Sie hat schnell gespürt, „dass die Gartenschau hier nachhaltig etwas verändert hat.“ Wo einst Brachland und der Eisenbahndamm den Ort optisch begrenzten, sei durch die Gartenschau eine „grüne Mitte“ entstanden, die nach wie vor Dreh- und Angelpunkt für die Bürger und viele auswärtige Besucher sei. „Die Leute erzählen sich noch heute, was damals hier los war“, freut sich die Rathauschefin. Die Rechberghäuser seien nach wie vor stolz auf ihr „Töbele“ mit der restaurierten Mühle, dem eigens angelegten See, dem tollen Kinderspielplatz und dem Aussichtsturm „Luftikus“.

Vereine immer noch aktiv

Zwar habe es anfangs Kritiker gegeben, die nicht glauben konnten, dass ein Ort so etwas auf die Beine stellen könne. Doch diese wurden eines Besseren belehrt. Heute noch ziehen Veranstaltungen wie das Sommernachtsfest, die Kinder-Theaterwochen und der Gartenmarkt viele Besucher nach Rechberghausen.  Aus der Gartenschau heraus haben sich sogar Vereine gegründet: Während der Gartenschau luden die Bezirks-Landfrauen sonntags zu Kaffee und Kuchen ein. Daraus hat sich ein eigener Ortsverband gebildet, der seither im Vereinsleben aktiv ist. Auch der Förderverein „Landschaftspark Töbele“  wurde gegründet. Dieser ist eine wichtige Stütze für die Pflege des Geländes. Viele der ehrenamtlichen Helfer sind schon seit der Gartenschau dabei. Bürgermeisterin Dörner lobt das Engagement der vielen Freiwilligen. Um das Gelände in Schuss zu halten, werden jährlich tausende von Blumen gepflanzt und gepflegt. Der Förderverein kann dies alleine nicht bewerkstelligen. Deshalb sind auch zwei ortsansässige Gartenbauunternehmen sowie der Bauhof eingespannt. Das kostet die Gemeinde viel Geld. „Aber der Mehrwert für die Bürger wiegt das auf.“

Ein Blumenteppich aus 32 000 Pflanzen

Rund 240 000 Menschen haben im Sommer 2009 die Gartenschau in Rechberghausen besucht. Im Mittelpunkt stand damals wie auch heute noch der eigens für die Gartenschau angelegte Landschaftspark „Töbele. Das Gelände war vorher wenig ansehnlich: Der Bauhof war dort untergebracht, es gab mehrere alte Häuser und einen Sportplatz, der „mehr einer Sumpfwiese glich“, erinnert sich Matthias Heim. Zur Gartenschau wurde das Gelände eingeebnet, Wege und ein See wurden angelegt. Die öde Fläche verwandelte sich in einen Blumenteppich aus 32 000 Pflanzen.

Der Etat betrug 13 Millionen Euro – davon entfielen für die Gartenschau 3,1 Millionen Euro. Der Rest wurde für Verkehrs- und Sanierungsprojekte sowie für den Hochwasserschutz verwendet.

Bürgerwerkstatt am Samstag

Termin Bei einer Bürgerwerkstatt am 10. November können die Bürger einer jeden Gemeinde ihre Ideen einbringen. Sie findet von 9 bis 14.30 Uhr in Mühlhausens Gemeindehalle statt. Für Essen und Getränke ist gesorgt. Anmeldungen sind in den jeweiligen Rathäusern nötig.

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