Handwerk Integration: „Häufig Defizite in der Berufsschule“

Kreis Göppingen / hel 02.11.2018
Die Integration von Flüchtlingen in die Betriebe bleibt für viele Unternehmen im Kreis Göppingen eine Herausforderung.

„Der Fachkräftemangel ist nach wie vor eklatant – Tendenz steigend. Und das quer durch alle Gewerke im Handwerk.“ Das betonen Kreishandwerksmeister Jürgen Schmid und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Alexander Gonzalez, in einer Erklärung.

Da Nachwuchs fehle, seien immer mehr Unternehmen bereit, Flüchtlinge einzustellen und somit auch zu integrieren, so die Kreishandwerkerschaft. Es gebe „schon viele gute Beispiele in unseren Betrieben, wo Flüchtlinge ihre Lehre erfolgreich oder sogar mit Auszeichnung abgeschlossen haben“.

Sprachliche Barrieren größte Herausforderung

Jedoch sei es für viele Unternehmer nach wie vor eine Herausforderung. Dabei spiele nicht die „andere Kultur“ die größte Rolle, sondern eher die sprachlichen Barrieren, betonten Schmid und Gonzalez nach einem Treffen mit der CDU-Integrationspolitikerin Birgül Akpinar in Göppingen. Wenn ein Flüchtling als Lehrling eingestellt werde, sei dieser oft im praktischen Bereich sehr gut und integriere sich schnell im Betrieb.

Defizite gibt es allerdings häufig in der Berufsschule, da diese Personen auf Grund der nicht so guten Sprachkenntnisse dem Stoff nicht oder nur schwer folgen können und den theoretischen Lern­inhalt nicht verstehen“, bedauert Schmid. Resultate seien „schlechte Noten und sinkende Motivation, bis hin zur Aufgabe der Lehre“. Genau hier sei die Politik „mehr denn je gefordert“. Es müsse „endlich erkannt werden, dass die Bereitschaft der Betriebe, Flüchtlinge zu beschäftigen und zu integrieren, vorhanden ist“, so Schmid. Allerdings müsse es im Vorfeld viel mehr und intensive Sprachkurse geben. Das vorhandene Angebot von Sprachkursen sei „viel zu gering und oft mit viel zu hohen bürokratischen Hürden verbunden“.

Frage nach Loyalität stellen

Zudem, und das gehöre zu einer guten Integration dazu, müssten „natürlich unsere Werte vermittelt und von den Flüchtlingen auch angenommen werden“. Damit verbunden müsse die Frage nach der Loyalität stehen, fordern Schmid und Gonzalez. Weiter müssten Vorurteile, die beide Seiten betreffen, abgebaut werden. Nur so könnten zukünftige Facharbeiter richtig Fuß fassen.

Ein gutes Beispiel ist für die Kreishandwerkerschaft, „was unser Mittelstand mit unseren Unternehmerfrauen im Handwerk auf die Beine stellt: Sie haben ein Wörterbuch erarbeitet, in dem für viele Gewerke Vokabeln mit dazugehörigem Bild  in fünf Sprachen aufgeführt sind.“

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