Kuchen "Haben den Fuß in der Tür"

Ortstermin auf der Trasse der neuen B 10 in Kuchen: Anhand einer Computersimulation erläutert Bürgermeister Bernd Rößner (rechts), wie die 241 Meter lange Brücke über das im Hintergrund liegende Seetal aussehen wird. Foto: Thomas Hehn
Ortstermin auf der Trasse der neuen B 10 in Kuchen: Anhand einer Computersimulation erläutert Bürgermeister Bernd Rößner (rechts), wie die 241 Meter lange Brücke über das im Hintergrund liegende Seetal aussehen wird. Foto: Thomas Hehn
Kuchen / THOMAS HEHN 18.07.2012
Kuchen hat vieles für seine Bürger auf den Weg gebracht. Doch ein Problem bleibt: Lärm, Dreck und Gestank vom Verkehr auf der B 10. Da hilft nur eine Umgehung. Das fordert auch Landrat Edgar Wolff.

Zwei Stunden lang hat sich Landrat Edgar Wolff am Montag im Rahmen seiner Gemeindevisiten unter dem Titel "Begegnung: Kreis und Kommunen" von Bürgermeister Bernd Rößner und einigen Gemeinderäten die Gemeinde Kuchen zeigen lassen. Der Kreischef sah dabei eine Kommune, die vieles für ihre Bürger erfolgreich auf den Weg gebracht, aber auch ein riesiges Problem hat: die B 10. "Wenn der Feierabendverkehr losgeht, stauen sich die Autos bis Süßen", konstatierte Bürgermeister Bernd Rößner. Was in Kuchen los ist, wenn die neue B 10 erst mal bis Gingen geht, weiß der Schultes schon heute: "Dann geht hier gar nix mehr." Umso eindringlicher war dann auch Rößners Appell, der Landkreis möge die Kommune bei ihrem Kampf um den Weiterbau der Umgehung bis Geislingen unterstützen.

Beim Landrat und der Handvoll zur Gemeindevisite mitgereisten Kreisräte rannte der Kuchener Bürgermeister mit seinem Hilferuf offene Türen ein: Natürlich fordere er die Weiterführung des Planfeststellungsverfahrens: "Die B 10 ist auch das Verkehrsproblem Nummer eins für den Landkreis", versicherte Wolff. Die Aufnahme der Bauabschnitte 3 (von Süßen-Ost bis Gingen Ost) und 4 (die Anbindung der B 466 in Süßen Richtung Donzdorf) in die Prioritätenliste der Landesregierung und den damit in Aussicht gestellten Weiterbau ab 2014/15 sieht Wolff hier als einen ersten Erfolg: "Damit haben wir den Fuß in der Tür."

Allerdings wussten am Montag auch alle, dass die allseits begrüßte Prioritätenliste einen möglicherweise entscheidenden Haken hat: den Kosten-Nutzen-Faktor. "Bei 75 Millionen Euro für 4,9 Kilometer Straße von Gingen-Ost bis zu den Y-Häusern in Geislingen drohen wir da durchs Sieb zu fallen", fürchtete nicht nur Bürgermeister Rößner (siehe auch Info-Kasten).

Dabei sind die enormen Kosten bei Weitem nicht das einzige Problem in Kuchen: Die B 10-Umgehung wird herrliche Streuobstwiesen durchschneiden und mit zwei Brücken idyllische Täler überspannen. Das kritisiert vor allem die SPD im Ort und fordert seit Jahren massiv Nachbesserungen bei der Planung. Unter anderem soll die neue B 10 etwas tiefer gelegt werden: Damit würde die bislang 241 Meter lange und bis zu 20 Meter hohe Brücke über das Seetal kürzer und ein tiefer Geländeeinschnitt würde in einem Tunnel verschwinden.

Diese Lösung wäre dem Bürgermeister ebenfalls lieber. Schließlich sieht auch Rößner, dass "hier die Umwelt massiv zerstört wird". Allerdings hat das Regierungspräsidium ausgerechnet, dass die Tunnelvariante nochmal 25 Millionen Euro extra kostet. "Das würde die neue B 10 um Kuchen herum bis zum Sankt Nimmerleinstag verschieben", fürchtet der Bürgermeister und plädiert daher dafür, "lieber so weiterzuplanen, bevor gar nix kommt."

In Rößners Augen wird es für Kuchen angesichts der engen Tallage, den schwierigen topografischen Bedingungen und der immer noch relativ nah am Ort liegenden Trasse nie die Ideallösung geben. Von einer Umgehung könne man daher auch nicht sprechen: "Die Kuchener werden immer an der B 10 wohnen - an der alten wie an der neuen." Und so werde es Gewinner und Verlierer geben - "aber die Gewinner überwiegen."