Ehrenamt Lautersteiner schreiben Buch über Glaubenszeugnisse

Michael Beigelbeck, Michael Lang und Manuel Brühl waren auf Spurensuche in Lauterstein und verarbeiteten ihre Erkenntnisse in einem Buch.
Michael Beigelbeck, Michael Lang und Manuel Brühl waren auf Spurensuche in Lauterstein und verarbeiteten ihre Erkenntnisse in einem Buch. © Foto: Claudia Burst
Lauterstein / Claudia Burst 12.07.2018
Michael Beigelbeck, Michael Lang und Manuel Brühl betätigten sich in Lauterstein als Spurensucher. Ihre Erkenntnisse gibt es nun als Buch.

Angefangen hat das Interesse an den vielen Glaubenszeichen in und um Lauterstein bei Michael Beigelbeck am Stammtisch. „Da war’s immer wieder Thema. Wo stehen welche, warum stehen die da. Jeder wusste ein bisschen was und keiner was Genaues“, berichtet Beigelbeck davon, wieso bei ihm die Neugier an Wegkreuzen, Bildstöcken und Statuen gewachsen ist.

Plötzlich fielen sie ihm auf, als er in seiner Heimatgemeinde Nenningen unterwegs war. Beigelbeck begann zu recherchieren und aufzuschreiben, was er wusste und erfuhr. „Je mehr ich mich damit beschäftigte, um so spannender wurde das Ganze“, erzählt er. Der 75-Jährige fing an, strukturiert vorzugehen. Kaufte eine Flurkarte, trug die Glaubenszeichen ein, von denen er wusste und suchte andere, von denen er nur gehört hatte.

Er besuchte die Leute, die die Kreuze und Bildstöcke pflegen, stellte Fragen, wurde an weitere Personen verwiesen und stieß auf diese Weise immer wieder auf spannende Geschichten. „Das Ganze war unglaublich zeitaufwändig, ich habe über ein Jahr gebraucht“, sagt Michael Beigelbeck. Aber nach diesem Jahr war ihm klar: „Das gehört veröffentlicht.“

Dafür jedoch – das war dem Nenninger ebenfalls klar – musste dieselbe Arbeit auch in Weißen­stein durchgeführt werden. Immerhin sind die beiden Orte als „Lauterstein“ eine Einheit. Er wandte sich an Michael Lang. „Weil ich wusste, dass er die Weißensteiner kennt und weiß, wen er fragen muss. Und dass er durch das Projekt ,Spurensuche’ vor vier Jahren weiß, wie er vorgehen muss.“

Bei Michael Lang stieß er auf offene Ohren. „An diesen Kreuzen und Bildstöcken fährt man so oft vorbei und denkt sich nichts dabei. Inzwischen ist das anders“, sagt der 55-Jährige lachend. Lang machte ähnliche Erfahrungen wie Beigelbeck. „Es waren sehr herzliche Begegnungen mit den Leuten, mit denen wir Gespräche führten.“

Als dritten ehrenamtlichen Mitstreiter holte sich das Duo Manuel Brühl als Fotografen mit ins Boot. „Mich hat das gereizt. Weil ich eh viel mit dem Fahrrad und zu Fuß auf der Gemarkung unterwegs bin und außerdem gerne fotografiere. Bei der Herausforderung konnte ich beide Hobbys kombinieren.“

Beeindruckendes Erlebnis

Für den 34-Jährigen war es das beeindruckendste Erlebnis, als er nach langer Suche endlich „mitten im Wald und dann in die Abendsonne getaucht“ den Bildstock fand, der jetzt als „Nr. 9 Unterer Hohlenbach“ im Büchle zu finden ist. „Der ist deswegen mitten im Wald, weil hier im Februar 1938 ein Georg Grupp bei Holzfällerarbeiten tödlich verunglückte. Es ist ein Erinnerungszeichen.“

Andere Glaubenszeichen sind Zeichen der Fürbitte oder der Dankbarkeit. Etwa das Kreuz „Im Wörtle auf dem Hätzenberg“, das als Nr. 6 im Ortsteil Nenningen erfasst ist. Mit dem Kreuz erfüllten Maria und Georg Gaugele um etwa 1910 ein Gelübde und dankten für die Heilung ihres Sohnes Georg. Der war während eines Langholztransportes hinten auf dem Hänger auf den Stämmen gesessen. Die Ladung löste sich, das Kind wurde von einem Stamm schwer verletzt.

Wie bei allen Kreuzen haben Triple-M, wie sich die ehrenamtlichen Autoren scherzweise nennen, auch bei der Beschreibung dieses Glaubenszeichen dazugeschrieben, wer sich bis heute ehrenamtlich um die Pflege des Kreuzes kümmert.

39 Glaubenszeichen im Buch

Alle 39 Glaubenszeichen sind jetzt in dem Buch „Glaubenszeichen in und um Lauterstein“ auf 66 Seiten anschaulich zusammengefasst und mit vielen Fotos zu unterschiedlichen Jahreszeiten und mit einzelnen herausgearbeiteten Details dargestellt. Seit Februar kann es für 4 Euro erworben werden. Beim Stammtisch von Michael Beigelbeck werden zwischenzeitlich interessante neue Themen diskutiert.

Buch „Glaubenszeichen“ ist mit Co-Autoren entstanden

Co-Autoren: Die Einbettung in den geschichtlich-wissenschaftlichen Hintergrund zu manchen der Glaubenszeichen sowie das Lektorat übernahm die Historikerin Gabriele von Trauchburg. Aus ihren Kirchenführern stammen auch die Infos zu den Kapellen und Kirchen in den beiden Orten.

Layout: Dank des Einsatzes von Oliver Kage ist auch das Layout des Büchleins professionell gestaltet.

Preis: Das Buch „Glaubenszeichen in und um Lauterstein“ erhielt im Dezember 2017 den Stiftungspreis der Stiftung „Wegzeichen“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Außerdem wurde es in die Kleindenkmalbibliothek im Landesamt für Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Stuttgart aufgenommen.

Auflage: Die Lektüre wurde mit einer Erstauflage von 1000 Stück gedruckt und ist im Rathaus Lauterstein sowie in beiden Kirchen der Gemeinden für 4 Euro erhältlich. Telefonnummer des Rathauses: (07332) 9669-0.

Sponsoren: Als Sponsoren mit beim „Glaubensbekenntnisse“ Buch dabei sind die Kommunale Bürgerstiftung Lauterstein, die Kreissparkasse Göppingen sowie beide kirchlichen Gemeinden. cb

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