Fokus „Fernsehbier“ von hier

Gruibingen / Axel Raisch 23.08.2017

„Fernsehbier“ erinnert an Einheitsgeschmack und Großkonzern. Das Gruibinger Lammbräu und andere regionale Biere aus dem an kleinen und feinen Familien-Brauereien reichen Süden Deutschlands gehören nicht dazu, sie schalten keine bundesweite Werbung in Länderspielpausen und vor Tatortfolgen. Sie setzen mit ihrer Individualität andere Akzente. Und doch wird die Brauerei von Hans-Dieter Hilsenbeck gerade deshalb im September während eines SWR-Thementages im dritten Programm zu sehen sein. Filmemacher Christopher Paul besucht derzeit rund ein Dutzend Bierproduzenten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für seine 90-minütige Dokumentation über Brauereien im Südwesten. In Gruibingen war er schon.

Warum gerade dort? Hans-Dieter Hilsenbeck sei eine faszinierende Persönlichkeit mit wahnsinnig guten Kenntnissen, erklärt Christopher Paul. Begeistert hat ihn auch die Offenheit des Braumeisters und seine Bereitschaft, „in der Craft-Beer-Szene mitzumischen“. Diese auf handwerklich eingebraute Spezialbiere konzentrierte Sparte erobert Hilsenbeck mit seinem Partner Jürgen Arndt aus Esslingen.  Das dritte Bier ist auf dem Weg. Arndt, der in der Craft-Beer-Szene bestens vernetzt ist, und Hilsenbeck mit seiner seit 1728 in Familienbesitz befindlichen Traditionsbrauerei gehen auch bei der Kundenbeziehung neue Wege. Biere entstehen im basisdemokratischen Dialog. So wurden die Anteile der Aromahopfen, die dem dritten Bier der beiden Partner seine Geschmacksnote geben, auf dem Stuttgarter Craftbeer-Festival über eine Wahl ermittelt. „Die Auswertung der Stimmzettel bildet das Rezept dafür, wie wir den Sud 2 kalthopfen werden“, erklärt Jürgen Arndt.

Versuchsbrauerei entsteht

Die Einbindung der Bierfreunde erfolgt nicht nur in der Theorie sondern auch in der Praxis. Eine kleine Versuchsbrauerei auf dem Gelände der Lammbrauerei in Gruibingen befindet sich im Bau. Ende Mai fand in der Gruibinger Glemmer-Scheuer von Peter Böhringer ein Schaubrauen statt. Hobbybrauer konnten zusammen mit Hans-Dieter Hilsenbeck und Jürgen Arndt ausschließlich unter Verwendung der Zutaten, die die beiden für ihr zweites Beier gewählt hatten, ihr eigenes Bier brauen. „Mit dem Brauschiff Enterprise hatten wir uns in die unendlichen Weiten des Craftbier-Universums begeben“, so Arndt. Dass diese wirklich sehr weit und äußerst interessant sind, zeigte das Ergebnis, das Ende Juni verkostet wurde. Trotz der für alle gleichen Zutaten und Grundlagen waren auf der strengen Grundlage des Reinheitsgebotes höchst unterschiedliche Biere entstanden. „Die Mischung, der Zeitpunkt, die Art der Hopfung, die Temperatur: alles spielt eine Rolle bei der Kunst des Bierbrauens“, erklärt Arndt.

Spannend wie ein Krimi, abwechslungsreich wie eine Unterhaltungsshow, in jedem Fall fernsehreif. So wollten auch Filmemacher Christopher Paul und Kamerafrau Ingalena Klute die Prämierung des Bieres, das dem zweiten Bier von Hilsenbeck/Arndt am nächsten kam, nicht verpassen und waren dazu erneut nach Gruibingen gekommen.

Wer ebenfalls einen Einblick in diese Bierwelt gewinnen möchte, sollte sich die SWR-Sendung im September nicht entgehen lassen. Der genaue Sendetermin steht noch nicht fest.

Spaß am Rande: Ingalena Klute verführte auch eines der in der Glemmer-Scheuer stehenden Skelette zu einer Verkostung des Bieres vor laufender Kamera. „Das kommt nicht in den Film“, raunte Filmemacher Christopher Paul der unbeeindruckten Kamerafrau zu. Man darf gespannt sein, wer sich durchsetzt.

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