Bad Ditzenbach Kindergarten: „Es wird einen Neubau geben“

Bad Ditzenbach / Ilja Siegemund 09.05.2018
Wo der neue Kindergarten in Bad Ditzenbach entstehen soll, ist noch offen. Bezüglich des Standorts gibt es neue Aspekte, betont Bürgermeister Herbert Juhn.

Das Thema Kindergarten sorgt in Bad Ditzenbach derzeit für Diskussionsstoff. Dass noch nichts in Stein gemeißelt ist, betont Bürgermeister Herbert Juhn im Gespräch mit GZ-Redakteur Ilja Siegemund. Der Schultes geht im Interview auch auf den FTSV Bad Ditzenbach-Gosbach ein, der sich mit seinem Wunsch nach einer neuen Halle übergangen fühlt.

Herr Juhn, sind Sie und der Gemeinderat nach der Kritik am Kindergarten-Neubau eingeknickt?

Nein. Es war eine wesentliche Entscheidung. Denn wir benötigen ab September eine neue Betreuungsgruppe im Kindergarten, weshalb die Aufstockung der Container wichtig ist. Der Gemeinderat hat in seinem Verantwortungsbewusstsein eine mehrheitliche Entscheidung getroffen. Und dabei geht es auch um Zuschüsse.

Von wie viel Geld sprechen wir?

Das Regierungspräsidium sagte uns rückwirkend einen Zuschuss in Höhe von 120.000 Euro für die seit zwei Jahren bestehende Container-Lösung zu. Vorausgesetzt, die Gemeinderäte fällen noch in der ersten Jahreshälfte 2018 eine Entscheidung über eine Dauerlösung wie einen Neubau. Dann würden wir das Geld rückwirkend erhalten, obwohl es die Kindergartengruppe im Container schon gibt. Der Gemeinderat kann sich natürlich auch mehr Zeit lassen – dann müssten wir aber auf die 120.000 Euro verzichten.

Gemeinderat Wolfgang Bosch hat beantragt, den Grundsatzbeschluss der Sitzung vom 5. April über den Abriss des Mühlenkindergartens und einen Neubau komplett aufzuheben. Wäre es überhaupt zulässig, einen gefassten Beschluss zu kippen?

Ja, das ist zulässig, wenn sich neue Aspekte ergeben haben. Und das ist zwischenzeitlich geschehen.

Welche neuen Aspekte gibt es? Beziehen sie sich auf den Standort für einen Neubau?

Ja, da kann ich jetzt aber noch nicht ins Detail gehen. Das muss im Gemeinderat behandelt werden, was bei der Klausurtagung am 15. Mai geschehen soll. Nur so viel: Die Gemeinde besitzt ein Grundstück in einem Bereich, von dem wir bisher davon ausgegangen waren, dass es sich komplett um ein Überschwemmungsgebiet handelt. Doch das ist nicht der Fall. In einem hinteren Bereich dieser Fläche drohen keine Überschwemmungen. Dort wäre ein Neubau möglich, allerdings wären dafür weitere Grundstückskäufe notwendig.

Könnte es dann im Kurort zwei Kindergärten geben?

Da gibt es alle Möglichkeiten, das muss der Gemeinderat letztendlich ausloten und entscheiden. An dieser Stelle wäre ein Neubau möglich, aber auch eine abgespeckte Variante. Alles hat ein Für und Wider. Ein großer Neubau hätte den Vorteil, dass alles unter einem Dach ist. Wenn wir zwei getrennte Gebäude haben, wird die Personalführung schwieriger. Dann bräuchte man jeweils zwei Kindergartenleiter und Stellvertreter. Es wird aber sicher weiterhin einen Kindergarten im Ortsteil Bad Ditzenbach geben, so viel kann ich jetzt schon sagen.

Steht ein Anbau an den katholischen Kindergarten Sankt Josef in Gosbach auch zur Debatte, um den Platzbedarf zu decken?

Das wäre ebenfalls eine Möglichkeit. Dann könnte es eine Krippe auch in Gosbach geben. Dies wäre eine gute Sache, weil derzeit auch Gosbacher Kinder die Krippe in Ditzenbach besuchen. Das ändert aber nichts daran, dass wir eine Erweiterung im Ortsteil Bad Ditzenbach benötigen, um den Bedarf zu decken. Denn die Kinderzahlen steigen auch in Zukunft.

Manche Eltern in Bad Ditzenbach befürchten, dass es künftig keine Kleinkindbetreuung mehr vor Ort geben wird.

Wir haben jetzt schon eine Krippe und die wird es auch weiterhin im Ortsteil Bad Ditzenbach geben. Der Gemeinderat muss aber noch klären, an welchem Standort.

Was passiert, wenn die Gemeinde gar nicht reagiert und keine zusätzlichen U3-Plätze anbietet?

Dann wird es schwierig, weil Eltern einen Rechtsanspruch haben. Wenn Eltern in den Nachbargemeinden einen Betreuungsplatz haben, müssen wir uns an den Kosten beteiligen. Neben den Betreuungskosten müssen wir Aufwendungen übernehmen, die für die Eltern entstehen, weil sie ihr Kind zum Beispiel nach Deggingen bringen – also Fahrtkosten oder vielleicht Lohn-Ersatzkosten, weil Arbeitszeit geopfert wird. Das kann richtig teuer werden, weil wir von 30 Kindern reden. Wenn man das hochrechnet, haben wir bald die Kosten für einen Neubau erreicht – da spart man nichts.

War der Gemeinderatsbeschluss ein Schnellschuss? Warum gab es keinen Architektenwettbewerb?

Wir reden hier nur von einer Machbarkeitsstudie. Und das ist in der Bevölkerung nicht richtig angekommen. Es ist ein Unterschied, ob ich in die konkrete Planung gehe oder eine Machbarkeitsstudie auf den Weg bringe. Ein Architektenwettbewerb kostet immer Geld, den gibt es nicht umsonst. So war es bei der Turnhalle in Gosbach vor einigen Jahren auch: Der Architektenwettbewerb hat eine Menge Geld gekostet. Deshalb haben wir diesmal darauf verzichtet.

Kurz vor ihrem Amtsantritt Anfang 2015 hinterließ Ihnen Ihr Vorgänger Pläne für einen Neubau der Turnhalle in Gosbach. Was passierte damit?

Es war noch vor meiner Zeit, dass der Gemeinderat beschlossen hat, das Thema erst einmal ruhen zu lassen. Die finanzielle Lage hat einen Turnhallen-Neubau bis heute nicht hergegeben. Wir haben ja auch noch andere Aufgaben im Ort zu erfüllen. Hinzu kommt, dass es seit 2014 eine Änderung im Wasserhaushaltsgesetz gibt, wonach in Überschwemmungsgebieten ein Bau nicht mehr möglich ist. In dem Bereich, wo die neue Turnhalle entstehen sollte, haben wir ein Überschwemmungsgebiet und somit zunächst keine Möglichkeit, dort den Neubau anzugehen.

In Reichenbach finanziert die Sportvereinigung die Sanierung und den Umbau der Halle weitgehend selbst. Der TV Deggingen hat für den Hallenneubau einen Sponsoren gefunden. Wären das nicht auch Modelle für den FTSV Bad Ditzenbach-Gosbach?

Das haben wir versucht auszuloten. Wir waren vor etwa einem Jahr mit dem FTSV in einer Gemeinde, in der der Sportverein eine sogenannte Kalt-Halle gebaut hatte. Das ist eine Halle ohne Heizung in Leichtbauweise. Dort wurde aber mittlerweile eine Heizung nachgerüstet, weil es doch zu kalt war. Trotzdem ist die Halle super, und der Verein hat eine Million Euro in die Hand genommen: Sponsoren haben Geld gespendet und Mitglieder konnten die Kosten durch Eigenleistungen senken. Die Gemeinde gewährte einen Zuschuss, der unter 100.000 Euro lag. Damals sah sich der FTSV aber nicht in der Lage, so etwas hinzubekommen.

Nur 26 Plätze für mindestens 72 Kinder

72 Kinder unter drei Jahren haben momentan einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz in Bad Ditzenbach.  Zum Kindergartenjahr 2018/19 werden 19 weitere Kinder hinzukommen. Derzeit sind aber nur 26 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren vorhanden. Die Gemeindeverwaltung geht davon aus, dass die Kinderzahlen der unter Dreijährigen weiter steigen.

Bei Kindern über drei Jahren stehen den 132 vorhandenen Plätzen 143 Kinder mit einem Anspruch gegenüber. Hier steigen die Zahlen in den nächsten Jahren wohl um zehn Kinder.

Landesweit wird von einer durchschnittlichen Betreuungsquote von 37 Prozent als bedarfsgerecht ausgegangen. Im laufenden Kindergartenjahr liegt die Betreu­ungsquote im Kurort bei 33,3 Prozent.

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