Strom Grüne: „Energiewende ist wichtig“

Rechberghausen / Bernd Rindle 28.02.2017

Die Grünen hatten es schon leichter, ihre Kernthemen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Ausgerechnet im Vorfeld der Bundestagswahl wird die Tagesaktualität zum Verdrängungsfaktor. Von der Anschlagsgefahr bis zur Zuwanderung und Donald Trump bestimmen die Schlagzeilen. „Es ist schwierig, unsere Themen unterzubringen“, gab die atompolitische Sprecherin von Bündnis 90/­Die Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, bei ihrem Vortrag in Rechberghausen unumwunden zu.

Umso glühender war ihr Plädoyer für die Energiewende, die angesichts der weltpolitischen Verwerfungen, lautstarken Populisten und bröckelnden Solidarität in Europa in den Hintergrund zu rücken scheint. Und das nicht nur aus Gründen des Wahlkampfs, der, wie sie befürchtet, „für uns Grüne nicht ganz einfach sein wird“. Zumal mit dem Auftritt von Martin Schulz nun „zwei Alphatiere“ um das Kanzleramt ringen und „erstmals wieder ein echter Wechsel möglich“ sei. Es ist die Sorge um den Planeten, der die „Atomfrau“, wie sie sich selber flapsig nennt, weil sie für die Grünen diesen Beritt federführend verantwortet, umtreibt. „Ich erkenne jeden Tag, wie wichtig die Energiewende ist.“ Aber sie hegt leise Zweifel, dass diese Erkenntnis allerorten geteilt und der Umbau so nachhaltig betrieben wird, wie nötig. Denn: „Wir können mit dem Planeten nicht über seine Grenzen verhandeln.“

Anzeichen dafür gebe es zur genüge. Noch nie sei soviel Meer-Eis in der Antarktis geschmolzen, wie gegenwärtig. Seit 1880 sei die durchschnittliche Erderwärmung um ein Grad gestiegen, der Meeresspiegel um 19 Zentimeter. Flankiert von Dürreperioden, wachsenden Wüsten und, „was jeder bereits bemerkt hat“, einer Zunahme extremer Wetterereignisse.

„Kohlekraftwerke sind die größten Klimakiller“, schreibt sie jenen ins Stammbuch, die die Energiewende „nur halbherzig“ vorantreiben. „Und Kernkraft ist ein absoluter Irrweg. Ein Auslaufmodell, das für eine Million Jahre Müll hinterlässt.“ Gleichwohl wäre ein unzulänglich vorbereiteter Ausstieg fatal für die Deckung des Energiebedarfs, wenn der letzte Reaktor einmal vom Netz gegangen ist.

Dabei sei die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung laut aktueller Umfragen für die Energiewende. Richtig betrieben, intelligent gesteuert und transparent vernetzt sei sie auch ökonomisch ein Gewinn durch das Zusammenwirken von Windkraft, Photovoltaik und anderen Alternativmethoden. Für einen „sozialverträglichen Wandel“  scheut Sylvia Kotting-Uhl, die CO2-Budgets statt Emissionshandel befürwortet, auch nicht, sich „mit den großen Konzernen anzulegen“. Zumal sich die Energieriesen ohnehin nicht mit Ruhm bekleckert hätten, was die Vorsorge für die Zukunft betreffe.

Was zu tun ist, steht für die „Atomfrau“ der Grünen ebenso außer Frage, wie für wen: „Für unsere Kinder.“

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