Zeltlager „Ein fleißiger Urlaub“

Gruibingen / Michael Scheifele 16.08.2018

Die Lagerhymne „Magic in the Air“, ertönt: Für die Jugendlichen das Signal, um in der Mitte des Platzes tanzend zusammenzukommen. Drei verkleidete Zauberer erscheinen nach dem Song auf einem Podest und kündigen das nächste Geländespiel an.

Beim Zeltlager des katholischen Jugendwerks Geislingen auf dem Kornberg bei Gruibingen ist von Langeweile nichts zu spüren – im Gegenteil: „Unser Lagerbanner muss vor Eindringlingen und Dieben geschützt werden“, sagt Betreuerin Isabelle Krotz aus Bad Ditzenbach. Drei Leute halten aus diesem Grund Nachtwache: Sie werden  jeweils nach einer Schicht von zweieinhalb Stunden abgelöst. Die Camper haben aus schlechten Erfahrungen gelernt: „Das Banner wurde in den vergangenen Jahren mehrmals geklaut und musste durch eine Kiste Bier wieder zurückgetauscht werden“, erzählt Phillip Fritsch aus Geislingen.

Das Zeltlager verwandelt sich dieses Jahr in die aufregende Fantasiewelt aus den Harry Potter-Romanen der englischen Autorin  Joanne K. Rowling. Außer Bannerdieben lauern in der Zauberwelt des Kornbergs auch „Dementoren“ – rein fiktiv versteht sich. Die düsteren Wesen gilt es zu bekämpfen. Zunächst sind die Zeltstadtbewohner allerdings noch zu schwach und müssen fliehen: Sie verbinden die Flucht mit einer Wanderung und Übernachtung auf der Burgruine Reußenstein. Die Bedrohten finden auf dieser Survival-Tour durch bestandene Aufgaben Zutaten für einen Zaubertrank. Durch diesen werden die Abenteurer gestärkt und besiegen schließlich die Angreifer.

Der Sieg wird mit einer Partie Quidditch gefeiert: Dazu sind auf beiden Seiten des Spielfelds drei runde Tore auf halber Höhe aufgebaut, die es zu treffen gilt. Der Torhüter verteidigt sie mit einem Besen. Auf die Sucher kommt dabei eine besondere Rolle zu: Wenn sie den versteckten „goldenen Schnatz“ finden, können sie das Spiel entscheiden. Quidditsch-Ultras feuern die Spieler von selbst gebauten Tribünen herunter an und machen mit Kochlöffel und Eimern Krach. Bei den jungen Zauberlehrlingen ist im Übrigen das „Trimagische Turnier“ beliebt: Die Schützlinge versuchen dabei unter anderem,  das goldene Ei des Drachens zu fangen.

Nebenher schicken sich Bewohner Mitteilungen mit der Kornbergpost. „Manche Nachrichten werden auch laut vorgelesen – nur keine Liebesbriefe“, sagt die 19-jährige Isabelle Krotz. „Die gibt es zwar, aber nur einige davon sind ernst gemeint.“

„Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind auf dem Kornbergzeltlager besonders willkommen“, sagt Phillip Fritsch. „Sie machen eigentlich alles mit. Bei der Wanderung war einer von ihnen sogar fitter als ich.“ Der 22- jährige Student erzählt: „Jeder bei uns hat einen anderen Hintergrund, aber das spielt keine Rolle. Es geht darum, zusammen die Zeit zu genießen und vom Alltag runterzukommen.“ Die Studentin Isabelle Krotz bestätigte das: „Es gibt mir ein gutes Gefühl, lächelnde und zufriedene Teilnehmer zu sehen. Wir machen hier einen fleißigen Urlaub.“

Während in der ersten Woche Kinder im Zeltlager zu Gast waren, gehörte der Kornberg in der zweiten Woche den Jugendlichen. Eine gute Zeit scheint den Besuchern dort garantiert zu sein: „Ein paar Kinder hat es so gut gefallen, dass sie diese Woche gleich nochmals kommen wollten“, erzählt Isabelle Krotz.

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