Deggingen „Eagle Eye“ sieht die kleinsten Schäden

Deggingen / Brigitte Scheiffele 24.08.2018
Die Gemeinde Deggingen lässt mit einem elektronischen Kamerasystem den Zustand ihrer Straßen erfassen.

„Eric, fahr’ hier rechts“, leitet Systemingenieur Gregor Radtke den Fahrer des orangefarbenen Messfahrzeuges in die Ditzenbacher Straße. Eric van Dyck lenkt das Fahrzeug mit fünf Kamerasystemen auf der aufwendigen Dachkonstruktion 35 Kilometer durch die Straßen von Deggingen und Reichenbach. Im Abstand von fünf Metern schießt das orangefarbene Messfahrzeug Fotos. „Einmal die Straße hinauf, einmal die Straße hinunter – von beiden Seiten, macht das 70 Kilometer. Zum Glück gibt es hier nur eine einzige Einbahnstraße“, sagt van Dyck. Anhand der Bilder kann die von der Gemeinde beauftragte „eagle eye technologies GmbH“ mit ihrer mobilen Straßentechnik bald exakte Angaben zur Beschaffenheit der Straßenoberfläche liefern.

Neben möglichen Rissen, Absenkungen oder sonstigen Schäden der Oberfläche werden zudem Länge und Breite der Straßen vermessen. „Das geht mit diesem System weitaus schneller als wenn wir die 35 Kilometer zu Fuß ablaufen würden“, erklärt Radtke. Außerdem werde jede Aufnahme mit exakter Position eingegeben, wodurch die Gemeinde mögliche Ausbesserungen ganz genau nachvollziehen kann.

„Bei eagle eye besteht zu unserem Glück die Kompatibilität mit der Software der Gemeindeverwaltung. Die Schnittstellen sind analog“, fügt Detlev Rademacher vom Technischen Amt der Gemeinde hinzu. Es seien damit keine hohen Aufwendungen bei der späteren Verwendung der Daten erforderlich. Über die Kosten der Aktion will Rademacher nicht sprechen: „Hauptaufgabe ist die Straßenbewertung. Über die Aufnahmen können wir genau erkennen, welche Straßen in welchem Umfang zu sanieren sind“, so Rademacher. Der dann vorliegende Plan sei auf 10 Jahre ausgelegt und die Prioritäten könnten durch diese fundierte Grundlage leichter festgesetzt werden: Welche Sanierungsverfahren sind notwendig? Welche Straßen sind wirtschaftlich geeignet? Wo sind die Schwachpunkte? Welche Bereiche sind eilig und welche haben noch Zeit?

Im Zuge der Eigenkontrollverordnung hat die Gemeinde Deggingen bereits Kenntnis über den Zustand verlaufender Wasserleitungen und Kanäle, so dass bei Sanierungen eine sinnvolle Abstimmung und Ergänzung möglich ist. „Das Geld liegt allerdings im Untergrund“, bemerkt Rademacher mit einem Augenzwinkern. „Unten“, bei den Kanälen, seien Sanierungskosten weitaus höher.

Neben Straßen, Schächten und Straßenabflüssen nimmt das Geo-Infosystem von eagle eye auch Bäume und Laternen in den Plan mit auf. Natürlich hätten Dorfbewohner bereits auf private Grundstücke und ihre Privatsphäre hingewiesen, räumt Rademacher auf Nachfrage ein.

Während Eric van Dyck als Fahrer agiert und das auffallende Fahrzeug weiter durch die Gemeinde lenkt, verfolgt Gregor Radtke hinter ihm sitzend an seinem Bildschirm die Aufnahmequalität der Fotos. Die Kamerasysteme sorgen für eine dreidimensionale Wirkung. Nicht nur im Außenbereich ist es an diesem Freitag heiß, sondern auch im Inneren des Fahrzeugs: „Die Rechner und die Technik heizen hier gehörig ein“, erklärt Radtke. Für die innerörtliche Erfassung benötigt er etwa eineinhalb Tage, sofern das Wetter mitmacht. Feldwege hat die Gemeinde nicht in Auftrag gegeben. Auf jeden Fall aber müssen die Straßen trocken sein.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel