Kreis Göppingen / Dirk Hülser Im AfD-Kreisverband stehen sich zwei Lager gegenüber. Der Europakandidat Dietmar-Dominik Hennig bekommt drei Abmahnungen und wird im Netz öffentlich beschimpft.

Für den Europakandidaten der AfD aus Göppingen, Dietmar-Dominik Hennig, ist das Fass nun übergelaufen. Nach der mittlerweile dritten Abmahnung durch den Kreisvorstand will er juristische Schritte einleiten. Außerdem hat er nach übelsten Beschimpfungen im Netz seine Facebook-Seite entfernt. „Du dreckiges Kameradenschwein, Dich werden wir auch noch schaffen!“ und viele weitere Hasstiraden waren dort noch vor zwei Tagen zu lesen. Hennig hatte ein Video gepostet, in dem er vor dem Landesparteitag in Heidenheim am kommenden Wochenende klar Stellung gegen die Rechtsaußen der Partei um Christina Baum und Emil Sänze ergriff.

Bereits dritte Abmahnung

In einschlägigen Gruppen kursierte seit Tagen eine Abmahnung gegen Hennig, auf Anfrage der NWZ bestätigte der 42-Jährige die Echtheit des Dokuments. Neu ist nun: Am Montag wurde die dritte Abmahnung verfasst, Hennig soll auf seinem Dienstrechner in den Räumen der Landtagsfraktion unbefugt eine Mitgliederliste des Kreisverbands Göppingen gespeichert haben. Wie schon die zweite Abmahnung ist auch Nummer drei vom Kreisvorsitzenden Michael Busch und dessen Stellvertreter Sandro Scheer unterzeichnet. Scheer leitet wiederum das Büro des Bundestagsabgeordneten Volker Münz. Insgesamt besteht der Kreisvorstand aus zehn Männern, der gleichberechtigte Co-Vorsitzende Simon Dennenmoser hat die Dokumente nicht unterschrieben.

„Da sage ich im Moment nichts dazu“, meinte Dennenmoser gestern. „Da ist noch einiges zu klären.“ Für Hennig ist allerdings eine rote Linie überschritten, vier Mitglieder des Kreisvorstands hält er nicht länger für tragbar: „Das Tischtuch ist zerschnitten. Ich fordere die Herren Scheer, Goßner, Busch und von Wangenheim aufgrund erheblicher Störungen meines Europawahlkampfs auf, ihre Kreisvorstandsämter niederzulegen und die AfD nicht länger mit ihrer Mitgliedschaft zu belasten.“

Vorwurf: Dem Ansehen der AfD werde geschadet

Hauptberuflich ist Hennig als persönlicher Referent beim Reutlinger AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Peter Stauch angestellt, Hennig wurde jedoch im November zum 28. Februar fristgerecht gekündigt. Stauch gehört zu jenen von Hennig kritisierten Abgeordneten um Baum und Sänze, die am Sonntag einen Brief an alle Parteimitglieder verschickt haben und hart mit dem Fraktionschef Bernd Gögel ins Gericht gehen.  Die Unterzeichner werden dem rechten Parteiflügel zugerechnet.

Die Kreisvorstandsmitglieder Scheer und Busch haben ein Problem mit Hennig. Das zeigt bereits die zweite Abmahnung. Sie ist 20 Seiten lang. Unter anderem werfen sie ihm vor, dem „Ansehen des AfD-Kreisverbands Göppingen in der Öffentlichkeit zu schaden“. Hintergrund ist ein verweigertes Grußwort beim Neujahrsempfang in Uhingen. Wenige Tage zuvor war Hennig in Riesa auf dem Bundesparteitag auf Platz 25 der Liste zur Europawahl gewählt worden. Auf Facebook hatte er sich öffentlich beschwert, dass er als Kandidat nicht reden dürfe, darüber erschien auch eine Meldung in der NWZ.

Scheer, der auch stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Unteres Filstal ist, und Busch werfen Hennig zudem vor, Scheers Ortsverband „verächtlich“ gemacht  zu haben. Er hatte ihn öffentlich als „OV Unteres Spaltertal“ bezeichnet.

„Der Kreisverband ist im Prinzip tot“

Als „absolutes Unding“ bezeichnet Hennig nun die neuerliche Abmahnung. Scheer, Busch und Beisitzer Hans-Jürgen Goßner hätten illegal Einsicht in seinen passwortgeschützten Rechner genommen, was ihnen von Hennigs Chef Stauch ermöglicht worden sei. „Das ist sowohl  arbeits- wie auch strafrechtlich eine Bombe“, glaubt Hennig.

Lediglich der halbe Vorstand habe dann satzungwidrig über die neueste Abmahnung entschieden. Es habe sich um ein privates Treffen gehandelt, dass dann nachträglich zur Vorstandssitzung deklariert worden war. „Der Kreisverband ist im Prinzip tot“, glaubt Hennig. „Er ist nicht handlungsfähig, der zehnköpfige Vorstand ist fünf zu fünf gespalten.“

Öffentliche Beleidigungen

Dass der 42-Jährige sich immer öffentlich kritisch äußert – so auch auf der Kreismitgliederversammlung im Oktober – und sich gegen rechtsextremistische Äußerungen wendet, gefällt vielen Mitgliedern nicht. „Facebook bleibe ich jetzt erst einmal fern“, sagte Hennig gestern. Öffentlich musste er unzählige Beleidigungen einstecken. „Du hast einfach die eklige Fratze eines Haters, alleine deswegen werden wir Dich auf Dauer schon mürbe machen!“ oder „Parteischädlinge wie Du haben auf Dauer keine Chance“ – Kommentare wie diese wurden ungeniert gepostet.

Nicht der erste Streit im Kreisverband

Bereits im vergangenen Sommer war der Kreisverband Göppingen durch Zwist aufgefallen: Mit einem illegal mitgeschnittenen Telefonat war der frühere Göppinger Baubürgermeister und damalige Kreisvorsitzende Joachim Hülscher erpresst worden, nach einer turbulenten Versammlung gab es auch eine Anzeige bei der Polizei wegen Beleidigung.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Münz geht unterdessen auf Distanz zum Europakandidaten: „Ich pflege mit diesem Mann keinen Kontakt“, sagte er gestern. Unterdessen hat auch der Göppinger Landtagsabgeordnete, der aus der AfD ausgetretene Heinrich Fiechtner, von den Göppinger Querelen Wind bekommen: „Man hat mir mitgeteilt, dass es richtige Turbulenzen im Kreisverband gibt.“ Er spricht von „subversiven Racheaktionen“ und davon, dass Hülscher, Scheer und Busch 2016 gegen ihn geputscht hätten. „Sie waren die Hauptprotagonisten.“ Hennig wirft seinen Gegnern ein unterirdisches Niveau vor: „Das Problem ist gar nicht primär der Rechtsruck, sondern die Verpöbelung.“

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