Ärger „Die nehmen uns nicht ernst“

Gruibingen / Jürgen Schäfer 15.06.2018

Für Gruibingen wäre es ein Segen, wenn der Ausbau am Albaufstieg kommt. Dann wäre die Gemeinde nicht mehr der staugeplagte Flaschenhals am Übergang von neuer dreispuriger zu alter zweispuriger Strecke. Aber der Gemeinderat ist von der Vergangenheit geprägt. Man solle doch, so schlug Heinz Schopp seinen Ratskollegen vor, aufschreiben, was noch offen sei vom Autobahnbau bei Gruibingen  und einfordern, bis wann es erledigt sein müsse. Die „uralte Sache“ mit dem Feldweg am Rufstein, der nicht kommt. Jetzt habe sich die Zuständigkeit dafür beim Regierungspräsidium wieder verändert. „Da wartet einer auf den anderen oder ist froh, wenn er’s los hat“, kommentiert Schopp. Spärlich findet er die Bepflanzung auf dem Lärmschutztunnel und der Wand zur hinteren Fahrbahn. Bürgermeister Roland Schweikert ärgert sich. Er habe das gleich angemahnt, als er gesehen habe. „Auf dem Schotter wächst doch nichts“. Das Tempolimit 120 in Fahrtrichtung Stuttgart, das Gruibingen versagt bleibe. „Bei uns lässt man es drei Kilometer bis zur Raststätte laufen.“ Er habe es von drei Stellen schriftlich, „dass wir’s nicht kriegen.“ Hans Ströhle: „Wer hat so großes Interesse, kein Tempolimit zu erlassen? Wer zieht die Fäden?“ Das sei die große Politik, sagt Bürgermeister Schweikert. Er verstehe auch nicht, warum Ferrari, Porsche und Co. so laut sein müssten. „Es ginge auch leiser.“

Eine „Bringschuld“ sehen Gemeinderäte beim Bundestagsabgeordneten Hermann Färber: Er habe versprochen, beim Tempolimit nachzuhaken. Versprechen könne Färber nichts, winkt der Schultes ab. Man solle es beim neuen Verkehrsminister Scheuer probieren, schlägt Bernd Lebender vor. Das müsse über die Luftreinhaltung gehen, meint Claudia Leier. Für Bürgermeister Schweikert ist das ein Gedanke: „Dann müssen wir ein Gutachten machen und kucken, was rauskommt.“

Beim Lärmschutz sieht sich Gruibingen genauso stiefmütterlich behandelt. Die Erhöhung am Autobahndamm mit Gabionen ab der Bauernbrücke lässt auf sich warten, die Ausbesserung auch – auf freier Strecke klafft ein Loch. Das wäre eine klassische Vorwegmaßnahme für den Abschnitt Albaufstieg, urteilt Bürgermeister Schweikert. Wobei „Vorwegmaßnahme“ für Thomas Kielmann ein irreführendes Wort ist. „Es kommt ja hinterher.“

Es kommt für die Räte einiges zusammen, was man dem Regierungspräsidium vorhalten will. Das Schlimme sei, so Schopp, dass die Vertreter der Behörde die Gruibinger Belange verharmlosten „und uns nicht ernst nehmen“. Sie wischten das mit dem großen Thema Albaufstieg beiseite. Diesen Eindruck hat der Schultes auch. Er merkt an, dass Gruibingen im Grunde gar keine Stellungnahme mehr zu den geänderten Plänen des Albaufstiegs abgeben könne, weil sich für die Gemeinde nichts ändere. Aber das will er ignorieren. Zu bedenken gibt er, dass man von der Autobahn noch Grunderwerb wolle. Der Gemeinderat sieht darin kein Hindernis für eine Reklamation. Der Schultes will die Stellungnahme aufsetzen, die Räte sollen draufschauen. 

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