Gruibingen „Der Bund will unbedingt bauen“

Die meisten Besucher interessierten sich am Mittwoch beim Infoabend in der Gruibinger Sickenbühlhalle auch für die Pläne des geplanten A 8-Albaufstiegs.
Die meisten Besucher interessierten sich am Mittwoch beim Infoabend in der Gruibinger Sickenbühlhalle auch für die Pläne des geplanten A 8-Albaufstiegs. © Foto: sgk
Gruibingen / Sabine Graser-Kühnle 08.06.2018
Großes Interesse am Infoabend in Gruibingen zum A 8-Albaufstieg zwischen Mühlhausen und Hohenstadt.

Knapp 500 Interessierte sind am Mittwochabend zur Veranstaltung des Regierungspräsidiums Stuttgart in die Sickenbühlhalle nach Gruibingen gekommen. Dort standen Jürgen Holzwarth, Direktor im Verkehrswesen vom RP und Johannes Fischer, der Projektleiter des Autobahnausbaus ­­A 8-Albaufstieg, Rede und Antwort über die geänderten Entwürfe dieses Planfeststellungsverfahrens. Die meisten Besucher wollten hauptsächlich eines hören: Wann endlich gebaut wird? Fischer bestätigte die im März in einer ähnlichen Veranstaltung in Wiesensteig bereits benannten Termine: Am 25. Juni wird die 2. Planänderung öffentlich ausgelegt, die Einwendungsfrist endet am 24. September. Anfang 2019 ist der Erörterungstermin vorgesehen, der ziemlich sicher mit dem Planfeststellungsbeschluss, also der Baugenehmigung, ausgehen wird.

„Das Vorhaben ist fest disponiert, der Bund will unbedingt bauen“, sagte Fischer. Demnach würde 2021 mit dem Aus- und Neubau begonnen und im besten Falle rollt bereits 2026 der Verkehr über die neue Autobahnteilstrecke.

Doch noch ist es nicht so weit, betroffene Gemeinden und Bürger können sich mit Kritik und Anregungen zu den neuen Änderungen einbringen. Jürgen Holzwarth betonte: Die bislang im Planverfahren vorgebrachten Einwendungen bestehen weiter und werden bei der Erörterung Anfang 2019 einbezogen.

Ebenso verlief die Fragerunde an diesem Abend – eine Grundsatzdiskussion wollte man nicht mehr führen. Ein besonderer Knackpunkt ergab sich gleich mit den ersten beiden Wortbeiträgen. Sie kritisierten die neu geplante Anschlussstelle bei Widderstall, die ausschließlich in Richtung München geplant ist. Nur in eine Richtung, weil in Richtung Stuttgart zu wenige Fahrzeuge auffahren würden, argumentiert das RP. Diese Anschlussstelle ist vorgesehen, nachdem der jetzige Albaufstieg mit der aktuellen Behelfsausfahrt bei Hohenstadt zur Landstraße werden soll. Auf dieser wiederum soll der Verkehr über die Anschlussstelle in Mühlhausen auf die A 8 nach Stuttgart geführt werden. Vor allem die Laichinger Alb-Region wünscht sich die neue Anschlussstelle Hohenstadt/Widderstall, jedoch in beiden Richtungen, am liebsten sogar in der sogenannten Kleeblattform, also keine  Auf- und Abfahrt im Gegenverkehr, sondern jeweils eine eigene Spur. Der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann kündigte gleich seinen Besuch zu diesem Thema im RP Stuttgart an.  Sein Argument: Der Merklinger Autobahnanschluss sei bald überlastet, wenn die regionale Entwicklung sich wie geplant mit Bahnhof und interkommunalem Gewerbegebiet in Merk­lingen fortsetzt. Er setzt auf eine vernünftige und zukunftsfähige Lösung dort und sieht eine solche nach der aktuellen Planung nicht als gegeben. Ebensowenig findet er dort zukunftsorientierte Zahlen, was die Entwicklungen der Gemeinden auf der Albhochfläche anbelangt.

Nachdem Laichingen und Merk­lingen direkt an der Grenze zum Regierungsbezirk Stuttgart und Tübingen liegen, befürchtet er hier Nachteile für die Region. Als eine Baumaßnahme des Bundes sollten Regierungsbezirksgrenzen keine Rolle spielen, meint Kaufmann. Dazu will er die Bürgermeister der Region hinter sich bringen. Der Hohenstadter Bürgermeister Günter Riebort steht schon hinter ihm, will sich auch für diese Lösung einsetzen.

Die Gruibinger Bürger hingegen sind von dem geplanten Lärmschutzvorhaben gar nicht begeistert. „Die entsprechen gar nicht unseren Vorstellungen“, beschwerte sich eine Bürgerin. Denn der Lärmschutz bleibe unverändert in dieser zweiten Planänderung. Zwar führte Fischer an, dass vier Meter hohe Glaswände auf den beiden Brücken über das Fils- und Gosbachtal, eigentlich zum Artenschutz angebracht, auch den Lärm im Tal reduzieren. Doch die lärmgeplagten Bürger wünschen sich zusätzlich ein Tempolimit oder einen Flüsterasphalt. Das sei nicht Gegenstand dieses Verfahrens, sondern obliege nach Bauende der Verkehrsbehörde, klärte Holzwarth auf.  Überhaupt baten die Gruibinger, während der mehrjährigen Bauphase „doch bitte mehr nach Gruibingen zu schauen“. Insbesondere die Ampelregelungen vor den Autobahntunneln und durch die Ortschaften, in denen der Autobahnverkehr umgeleitet wird, stellt die Bewohner vor eine echte Geduldsprobe. „Wenn zweimal die Woche die ganze Autobahn durch den Ort fährt, ist das mehr als belastend“, betonte Bürgermeister Roland Schweikert. Er sagt, was wohl die meisten Gruibinger denken: „So schnell wie möglich bauen.“ Im Anschluss an die Fragerunde informierten sich viele noch an den ausgehängten Plänen und diskutierten mit Fischer und Holzwarth.

Die wichtigsten Änderungen:

  • Die Teilstrecke „Albaufstieg“ ist ohne Maut geplant, dadurch entfällt der Ausweichverkehr fast ganz und der Flächenverbrauch reduziert sich. Die Tunnel  Himmelsschleife (1200 Meter) und Albkante (1700 Meter) werden anstatt mit Pannenbuchten mit Standstreifen gebaut. Die Brücken über Fils- und Gosbachtal sind anstatt mit acht Ständern nur noch mit sechs geplant und sollen sich so besser in die Landschaft fügen. Sie erhalten obendrein eine vier Meter hohe Glaswand auf die Brüstungen zum Artenschutz, was zugleich den Lärm mindere. Die provisorisch geschaffene Anschlussstelle Mühlhausen für den Lkw-Verkehr wird regulär geöffnet und mit Einfädelstreifen versehen. Der alte Albaufstieg wird als neue Landstraße zur Umleitungsstrecke und die Abstiegstrasse zur Forststraße und zur Rettungszufahrt zurückgebaut.
  • Die Strecke wird um 3,8 Kilometer kürzer und soll  7,6 Kilometer betragen. Der Flächenverbrauch wird um 8,5 Hektar reduziert und ebenso verringert sich die Ausgleichsfläche um 34 Hektar. Die Kosten werden auf 603 Millionen Euro geschätzt.
Die K-Trasse wird ad acta gelegt

Die in der ersten Planänderung einbezogene K-Trasse samt der von der Bürgerinitiative A 8 Drackensteiner Hang eingebrachten Varianten ist definitiv ausgeschieden. Das bestätigte Jürgen Holzwarth auf Nachfrage der GZ. Im Erläuterungsbericht sei bereits festgelegt, dass sie als nicht realisierbar ausscheidet. Holzwarth begründet das mit der geänderten Gesetzeslage. Seit 2006 ist das Europäische „Natura 2000“ in Kraft, wonach FFH-Flächen (Flora-Fauna-Habitat) vor Veränderungen geschützt werden müssen. Die K-Trasse führt hauptsächlich durch ein als FFH-Fläche ausgewiesenes Gebiet. „Ein Eingriff ist nur bei besonderem öffentlichen Interesse möglich und dann nur, wenn es keine zumutbare Alternative gibt.“ Doch eben diese Alternative gibt es. Obendrein liege der Aufstieg vor dem in der K-Trasse vorgesehenen Tunnel in einem Rutschhang, was viel zu gefährlich sei.

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