Votum „Das sprengt ja jede Relation“

Hier soll kein Radweg durchführen: Vorplatz am Gammelshäuser Gemeindehaus, hier bei der Tour de Kreisle.
Hier soll kein Radweg durchführen: Vorplatz am Gammelshäuser Gemeindehaus, hier bei der Tour de Kreisle. © Foto: Mario Bayer
Gammelshausen / Inge Czemmel 16.02.2017

Im Gammelshäuser Gemeinderat wurde über Streckenführungen diskutiert, die für gleich zwei neue Radkonzepte ausgearbeitet wurden: Einmal die Radverkehrskonzeption des Landkreises und zum anderen das landesweite Verkehrskonzept Radnetz Baden Württemberg. Bei beiden stehen Fahrradfreundlichkeit und -sicherheit im Fokus.

Von Dürnau kommend wurden zwei Varianten vorgeschlagen. Die eine führt entlang der Kreisstraße nach Gammelshausen, quert die Hauptstraße beim Kreisel und führt über die Eschenbacher Straße in den Ostern und dann in Richtung Heiningen. Die zweite, von der Mehrheit des Gemeinderates favorisiert, führt über den Schulweg. Ein Vorteil ist die Sicherheit für die Radfahrer, da es auf dem Weg keinen Kfz-Verkehr gibt, der andere, dass der idyllisch gelegene Weg durch Felder und Streuobstwiesen ein Naturerlebnis bietet.

Doch wie soll es am Ende des Schulwegs weitergehen? Auch für das Problem der Querung der Hauptstraße, also der Landesstraße 1217, gab es bisher zwei Lösungsansätze. Über die Ampel am Rathaus, die man mit Knopfdruck aktiviert, und hinunter zum Kreisverkehr, fand wenig Anklang. Der Gemeinderat favorisierte eine Einfädelspur gen Süden, einen einseitigen Schutzstreifen Richtung Steige, eine Linksabbiegerspur an der Einmündung Lotenbergstraße und die Weiterfahrt bis zur Eugen-Rau-Straße oder den Fußweg zur Wasserberg­straße.

Nun wartete das Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur des Landratsamtes mit einem weiteren Vorschlag auf. Radfahrer hätten die Möglichkeit, die Hauptstraße sicher und gradlinig zu überqueren, wenn die Fußgängerfurt am Rathaus verbreitert und der Radverkehr über den Parkplatz des Rathauses und den Gemeindehausvorplatz geführt werde. Eine Ampel für Radler könne an die der Fußgänger angeschlossen werden.

Eine Idee, die im Gemeinderat gar nicht gut ankam. Um den Platz zu öffnen, müssten zwei Bäume und das Beet samt Einfassung entfernt werden, sowie auf zwei Parkplätze verzichtet werden. Hans Hohlbauch meinte, das verhunze den ganzen Platzcharakter. Friedrich Weiß hielt die Öffnung des Platzes gar für gefährlich. „Dann schießen die Kinder über die Straße. Die Kurve zur Fußgängerfurt hat schon ihren Sinn.“ Dr. Christoph Grünwald meinte: „Das sprengt ja jede Relation.“ Eigentlich brauche Gammelshausen das ganze Konzept nicht. Es sei alles da, was Radler brauche und er verstehe nicht wozu man einen Schnellradweg brauche. „Am besten, wir bemühen uns, aus der Nummer raus zu kommen.“ Das Gremium war sich einig eine Veränderung des Rathausvorplatzes  auf keinen Fall in Betracht zu ziehen und eine zusätzliche Ampelschaltung abzulehnen.

Info  Am 12. Januar 2016 hat das Kabinett die Umsetzung des RadNETZ verabschiedet. Ziel des vom Ministerium für Verkehr vorgelegten Konzepts: Ein flächendeckendes, durchgängiges Netz alltagstauglicher Fahrradverbindungen zwischen Mittel- und Oberzentren entlang der wichtigsten Siedlungsachsen. Das RadNETZ hat eine Länge von 7000 Kilometern. Rund 700 Kommunen sind angeschlossen.