Kreis Göppingen „Das ist ein Fass ohne Boden“

Kreis Göppingen / Ralf Heisele Ilja Siegemund 07.09.2018
Das Umland sieht sich durch den Baupfusch am Geislinger Michelberg-Gymnasium bestätigt.

Rund 400 der 600 Schüler des Michelberg-Gymnasiums (MiGy) kommen aus den Umlandgemeinden. Auch dort macht die Kunde von der Einsturzgefahr eines Gebäudetrakts der Schule die Runde. Bad Überkingens Bürgermeister Matthias Heim hegt keine Schadenfreude über die Horrormeldung vom Dienstag.

Matthias Heim übt Kritik

Dass so ein Projekt, das immer teurer werde, „an allen Fronten in die Binsen geht, das wünscht man keinem Kollegen oder einer Nachbarstadt“. Für Geislingen sei es eine „ungute Geschichte“. Jetzt müsse die Schuldfrage geklärt werden – „und das müssen die Gutachter und die Gerichte tun“. Unterm Strich ist Heim froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Für ihn passt der neuerliche Fall in die Serie von „Pleiten, Pech und Pannen“, die die Sanierung des MiGy seit Jahren begleitet. „Das ist kein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern.“ Heim sieht sich in seiner Haltung bestätigt, dass sich Bad Überkingen nicht an den Kosten der Sanierung beteiligen müsse. „Hierfür gibt es keine Rechtsgrundlage.“ Zur Not werde man vor Gericht durch alle Instanzen gehen.

Das bestätigt Gingens Bürgermeister Marius Hick, Sprecher der Umlandgemeinden im MiGy- Finanzierungsstreit. „Man wollte uns nicht an der Planung beteiligen“, sagt er und fügt hinzu: Wäre dies der Fall gewesen, „dann wäre es auch nicht zu dieser Sanierung gekommen“. Die Neuigkeiten von der Einsturzgefahr hat Hick mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Weil es sich um eine Geislinger Angelegenheit handle, will er sich mit Ratschlägen lieber zurückhalten.

Kritik an Informationspolitik

Das MiGy war am Donnerstagabend aber Thema in der Bad Überkinger Gemeinderatssitzung. Alexander Geis hält die Informationspolitik der Geislinger Stadtverwaltung für desaströs. Dabei hätten viele an der Sanierung beteiligten Handwerker schon frühzeitig auf die Mängel und Unstimmigkeiten hingewiesen, sagte das Ratsmitglied. Doch deren Mahnungen seien offenbar nicht gehört worden. „Und jetzt hat man eine Technik und eine doppelte Fassade – und beides funktioniert nicht.“  Geis kann nicht nachvollziehen, warum sich seine Kollegen am Geislinger Ratstisch „überhaupt auf so ein Abenteuer eingelassen haben.“ Er befürchtet, dass die bisherige Kostensteigerung von ursprünglich anvisierten zehn auf jetzt 21 Millionen Euro noch nicht das Ende sei – „das ist ein Fass ohne Boden“.

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