Atelierbesuch „Das Cleane mag ich nicht“

Bad Ditzenbach / Bettina Verheyen 12.10.2017

Mit ihrem Essay „A Room of One’s Own“ (Ein Zimmer für sich allein) hat die englische Schriftstellerin Virginia Woolf (1882–1941) zum einen einen wichtigen Beitrag zum Feminismus geleistet. Nun war sie selbst eine Künstlerin und ihre Forderung nach Entfaltungsmöglichkeit bezieht sich nicht nur auf die Frau im Allgemeinen, sondern ohne Zweifel auch auf die Künstlerin. In unserer Serie mit Atelierbesuchen spüren wir solche Orte der Entfaltung auf – und stellen die weiblichen wie männlichen Künstler vor, die dort arbeiten. Heute: Christel Fuchs, die sich schon immer einen eigenen Raum zum Malen geschaffen hat. Zurzeit hat sie zwei Orte, an denen sie malt, und sie stellt fest, dass diese jeweils ganz eigene Energien haben.

Nach einiger Zeit in Wiesensteig zog sie vor vier Jahren zurück nach Bad Ditzenbach.  Das Preisgeld, das sie 2012 von der Albwerkstiftung erhalten hat, diente ihr als Grundstock für ihr jetziges Atelier: Sie kaufte sich eine Blockhütte, die jetzt in dem großen Garten hinter ihrem Wohnhaus steht. Die Regale an den Wänden sind voller Materialien und Handwerkszeug, davor lehnen die großformatigen Bilder der freischaffenden Künstlerin. „Es kann sein, dass ich mitten in der Nacht herkomme und an einem Bild weitermache“, erzählt sie. Oft mache sie auch Gemälde „kaputt“ – dafür ist Christel Fuchs bekannt: Wo andere längst innehalten würden, macht sie oft weiter, fängt nochmal von vorn an, lässt das Erarbeitete höchstens noch durchscheinen. Was allzu glatt und gefällig aussieht, ist ihr suspekt. „Das Cleane mag ich nicht“, bekennt sie und schwärmt von ihrem jüngsten Urlaub in Marokko.

Von den Farben und Mustern Nordafrikas ist auch eine großzügige Sitzecke auf der Terrasse inspiriert. Von dort blickt man in den Garten, der Fuchs’ erweitertes Atelier ist. Wenn es warm und trocken ist, breitet sie hier ihre Leinwände aus. „Oft sieht man dann kein Fleckchen vom Rasen mehr“, stellt sie fest. Im Garten gibt es einen Strauch, deren Wedel die Malerin schon mal als „Natur-Pinsel“ verwendet, es gibt Arrangements aus Steinen, kleine Skulpturen aller Art.

Ganz anders wie im Garten und in ihrer Blockhütte arbeitet Christel Fuchs in dem einstigen Ladengeschäft in der Dorfmitte, das sie vor allem für ihre Malkurse angemietet hat. „Dort bin ich konzentrierter“, erklärt die Ditzenbacherin. Dorthin gehe sie für einen bestimmten Zeitraum und verlasse die Arbeit dann – im Blockhaus sind die Übergänge vom Malen zum Alltag durchlässiger.

Heute Vernissage in Deggingen

Aktuelle Ausstellung Heute um 19 Uhr wird im Bürgerzentrum in Deggingen Christel Fuchs’ aktuelle Ausstellung eröffnet. Sie ist bis 31. Januar zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mo.-Fr. 8-12 Uhr, Di. 16-18 Uhr und Mi. 14-16 Uhr. Geschlossen ist die Ausstellung am 18. Oktober, vom 30. Oktober bis 1. November, am 25., 26. und 27. Dezember nachmittags sowie am 1. Januar.

Sehnsuchtsorte Als Titel wählte Fuchs „Sehnsuchtsorte“, wohl wissend, dass sich manche Besucher wundern werden, weil sie nicht etwa Landschaftsdarstellungen zeigt. Sie habe den Terminus weit gefasst: „Jedes Mal, wenn ich Leinwand anfange, schaffe ich mir eine eigene Welt, jedes Bild ist ein Sehnsuchtsort – es ist die Sehnsucht nach etwas Heilem.“